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Donnerstag, 21. Oktober 2010

Stabübergabe: Wenn der Junior vom Senior übernimmt

Im Unternehmerleben gibt es kaum eine Phase, die so komplex und emotional ist wie die, in der die Nachfolge zu regeln ist. Cash. gibt einen Überblick, was geklärt, welche Herausforderungen gemeistert und welche Entscheidungen getroffen werden müssen.

Unternehmensnachfolge in Stabübergabe: Wenn der Junior vom Senior übernimmt

Text: Katja Schuld

Rund 20 Kilometer nördlich von Frankfurt liegt Ober-Erlenbach, ein Stadtteil von Bad Homburg. Dort hat die Allianz-Agentur von Gunter Frenzel ihren Sitz. Und das wird auch nach dem Jahr 2013 noch so sein, wenn er in den Ruhestand wechselt. Dann übernimmt sein Sohn das Ruder. Dabei sah es vor ein paar Jahren gar nicht danach aus, dass Denis Frenzel die Nachfolge antreten würde.

Der Junior hatte einen anderen Beruf erlernt und arbeitete in einem Elektro-Großhandel. Trotzdem kam er mit dem Thema Versicherungen in seiner beruflichen Laufbahn schon sehr früh in Berührung. Er betreute in seiner ehemaligen Firma zunächst die Kfz-Versicherung, später kam die Verantwortung für die betrieblichen Versicherungen hinzu. Jedoch entwickelte sich seine berufliche Perspektive dann nicht so, wie er es sich erhofft hatte. „Das war der Zeitpunkt, an dem wir das erste Mal darüber nachgedacht haben, ob ich nicht in die Agentur meines Vaters einsteige“, berichtet Denis Frenzel. Nach reiflicher Überlegung wechselt er am 1. Januar 2005 zur Allianz Versicherung. Das war der Tag, an dem Gunter Frenzel seine schlimmsten Befürchtungen genommen wurden: „Ich hatte immer Angst vor dem Tag, an dem ich die Tür der Agentur zuschließe, das Licht ausknipse und alles vorbei ist“, sagt er.

Die Sorge von Frenzel ist nicht unbegründet. Mehrere tausend Unternehmen müssen die Pforten für immer schließen, weil kein geeigneter Nachfolger gefunden wird – häufig sind die Unternehmen einfach nicht attraktiv und die Substanz ist schlecht. Neuesten Berechnungen des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (Ifm) zufolge wird im Zeitraum von 2010 bis 2014 für knapp 110.000 Familienunternehmen die Nachfolgefrage relevant sein. Davon sind 32.200 Betriebe betroffen, die unternehmensbezogene Dienstleistungen anbieten – darunter fasst das Ifm unter anderem auch das Kredit- und Versicherungswesen.

Genaue Zahlen für die Finanzdienstleisterbranche gibt es kaum. Laut einer Schätzung des Deutschen Instituts der Assekuranz (Dida) aus dem Jahr 2009, suchen circa 1.000 Versicherungsmakler einen Nachfolger. Der Versicherer Allianz beispielsweise rechnet damit, dass in den nächsten fünf Jahren rund 1.000 Vertreter altersbedingt aus der Ausschließlichkeitsorganisation ausscheiden.

Seite 2: Wann das Thema Nachfolge angegangen werden sollte

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