Anzeige
22. Mai 2013, 07:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Anlageziel „Altersvorsorge“ vor Gericht

„Altersvorsorge“ ist ein schillernder Begriff. Häufig verstehen Richter ihn anders als Anlageberater. Deswegen ist bei Kundenberatungen zum Thema „Altersvorsorge“ eine ausführliche Beratungsdokumentation besonders wichtig.

Gastbeitrag von Jan C. Knappe, Dr. Roller & Partner Rechtsanwälte

Versorgungslücke

Jan Knappe: “Kapitalanlagen, die mit einem Verlustrisiko behaftet sind, sind nicht per se ungeeignet zu Zwecken der Altersvorsorge.”

Dann können sogar geschlossene Fonds gerichtsfest als geeignete Beimischung in einem Vorsorge-Portfolio dargestellt werden, wie ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs zeigt.

Jeder Anlageberater weiß, dass es keine Patentlösungen für die Altersvorsorge gibt. Es gibt Kunden, die 58 Jahre alt sind und ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht haben. Diese Kunden sind auf Kapitalerhalt bedacht und benötigen eine Strategie, die ihnen regelmäßige Entnahmen erlaubt. Wertzuwächse des angelegten Kapitals sind zwar erwünscht – aber nicht auf Kosten von Verlustrisiken.

Kapitalerhalt vs. Kapitalaufbau

Auf der anderen Seite gibt es Kunden, die jung sind, am Anfang ihres Berufslebens stehen, eine Familie zu versorgen haben, Häuser bauen und reisen wollen. Und eine große Versorgungslücke aufweisen. Diese Versorgungslücke zu schließen, kann eine echte Herausforderung für den Anlageberater sein. Häufig sind die finanziellen Spielräume für monatliche Sparraten sehr gering. Auf der anderen Seite haben diese Kunden aber ein anderes wichtiges Kapital: Zeit. Zeit zum Vermögensaufbau. Zeit, in der das für Vorsorgezwecke gesparte Kapital zur Seite gelegt werden und unangetastet bleiben kann.

Jedem Finanzfachmann leuchtet ein, dass das Anlageziel „Altersvorsorge“ für einen jungen Kunden mit einem solchen Anlegerprofil nicht mit Sparbüchern und Festgeldern erreicht werden kann. Wo kalkulatorisch Durchschnittsrenditen von 5-10 Prozent pro Jahr erzielt werden müssen, um die Versorgungslücke im Rentenalter zu schließen, müssen Anlageformen mit höheren Renditechancen zum Einsatz kommen. Dies sieht auch der Gesetzgeber so, deswegen fördern „Riester“ und „Rürup“ unter anderem aktienbasierte Vorsorgekonzepte.

Beratungswirklichkeit vs. Gerichtswirklichkeit

Soweit die Beratungswirklichkeit. Jetzt zur Gerichtswirklichkeit: Diese sieht leider fundamental anders aus. Die deutschen Richter müssen sich regelmäßig mit Schadenersatzklagen enttäuschter Anleger beschäftigen. Ein besonders beliebtes Argument der Kläger ist die Altersvorsorge.

Häufig behaupten sie, sie hätten eine Kapitalanlage zum Zwecke der Altersvorsorge gesucht und dann von ihrem Berater Produkte mit Verlustrisiken empfohlen bekommen. Bei vielen Richtern stoßen die Kläger auf offene Ohren, weil nach weitverbreiteter Ansicht in der Judikative Geldanlagen zu Zwecken der Altersvorsorge zwingend absolut sicher sein müssen. Nach dieser Lesart sind bereits Aktien und Investmentfonds kritisch, weil sie mit Verlustrisiken behaftet sind.

Seite zwei: Fehlerhafte Anlageempfehlung

Weiter lesen: 1 2

Anzeige

2 Kommentare

  1. Eine Kapitallebensversicherung wird wohl allgemein als sicher gesehen aber die mickrigen Zinsen taugen doch nicht für den Aufbau einer Altersvorsorge. Sichere 1,75 % auf den Sparanteil sind doch ein sicherer Verlust, oder? Gebühren und Inflation fressen doch diese lächerlichen Zinsen auf.

    Kommentar von Jan Lanc — 24. Mai 2013 @ 13:49

  2. Altersvorsorge – Gerichtsbeschluß

    Kommentar von Rosmarie Weser — 24. Mai 2013 @ 09:53

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

GDV: Senioren ab 75 sollen zum Fahrtest

Die Versicherer fordern, dass Autofahrer ab dem 75. Lebensjahr eine verpflichtende Kontrollfahrt absolvieren, um ihre Fahrtüchtigkeit testen zu lassen. “Die Unfallforschung der Versicherer wird in diesem Jahr Standards für eine solche Testfahrt entwickeln”, erklärte Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung des GDV, in der “Westfalenpost”.

mehr ...

Immobilien

Baubranche fordert Ende des Vorschriften-Dschungels

Angesichts des Wohnungsmangels in vielen deutschen Städten hat die Baubranche eine Vereinheitlichung des Vorschriften-Dschungels der 16 Bundesländer gefordert.

mehr ...

Investmentfonds

Trump könnte Märkte enttäuschen

Von Donald Trump erwarten die Investoren derzeit viel. Allerdings könnte schon bald die Enttäuschung folgen. Die Lage ist keinesfalls entspannt. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

mehr ...

Berater

Fondsnet baut institutionelle Kundenbetreuung aus

Der Erftstadter Maklerpool Fondsnet stärkt die Beratung und Betreuung institutioneller Kunden. Marc Blum (50) unterstützt seit 1. November 2016 als Ansprechpartner den Geschäftsbereich Fund-Servicing, der für eine Vielzahl von Dienstleistungen rund um die Betreuung und Verwaltung von Investmentfonds steht.

mehr ...

Sachwertanlagen

Marke Brenneisen Capital wird veräußert

Manfred Brenneisen, Chef der Brenneisen Capital mit Sitz in Wiesloch, veräußert den Geschäftsbereich Spezialvertrieb für Sachwertanlagen samt Markennamen. Die persönliche Kontinuität für die Geschäftspartner soll gewahrt bleiben.

mehr ...

Recht

Privathaftpflicht: “Billigkeit” kein Anspruchsgrund für Schadensersatz

Die Privathaftpflichtversicherung dient, im Gegensatz zur Pflichtversicherung, dem Schutz des Versicherten. Ein Schadensersatzanspruch besteht somit nur dann, wenn die gesamten Umstände des Falles eine Haftung des schuldlosen Schädigers aus Billigkeitsgründen geradezu erfordern.

mehr ...