Anzeige
20. Januar 2014, 08:45
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Renteneintritt: Offensive für mehr Flexibilität

Starre Grenzen für den Renteneintritt sind überholt. Deutschland ist im internationalen Vergleich rückständig und trotzdem probt die schwarz-rote Regierungskoalition in der Altersversorgung die Rolle rückwärts.

Kolumne von Prof. Dieter Weirich, DIA

Renteneintritt

Prof. Dieter Weirich: “In Norwegen steht jeder Fünfte der über 65-jährigen noch im aktiven Erwerbsleben. In Deutschland sind es gerade mal fünf Prozent.”

Es gibt ein Ritual in der deutschen Politik. Der Bundespräsident hält eine kluge Festrede, die Parteien begrüßen pflichtschuldigst seine weiterführenden Gedanken, Kommentatoren meditieren über die geistigen Ausflüge des Staatsoberhauptes, dann geht man zur Tagesordnung über.

So droht es auch der in Archiven dahindämmernden, eineinhalb Jahre alten Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck vom Deutschen Seniorentag in Hamburg zu ergehen. Der erste Mann im Staate plädierte damals für eine längere Lebensarbeitszeit ohne starre Grenze für den Renteneintritt wie er in vielen Ländern der Welt üblich ist.

Der demographische Wandel verliere dann seinen Schrecken, wenn die Politik nicht starr an bestehenden Systemen, Vorgaben und Eckpunkten festhalte. “Ich wünsche mir, dass jene, die es wollen, über die Lebensarbeitszeit hinaus beruflich aktiv bleiben können” schloss der selbst 73 Jahre alte Bundespräsident damals.

Renteneintritt: Mehrheit für Flexibilität

Das sieht auch die große Mehrheit der Deutschen so. Folgt man der jüngsten, vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) in Auftrag gegebenen Repräsentativumfrage, plädieren mehr als zwei Drittel der Bürger für die Abschaffung des festen Eintrittsalters für die gesetzliche Rente und wünschen sich mehr Selbstbestimmung bei der Gestaltung des Renteneintritts.

So stimmten 70 Prozent der Befragten einer Korridorlösung von mehreren Jahren zu, bei der sie selbst entscheiden können, wann sie in Rente gehen. Die Höhe der Rente bei Renteneintritt hängt dabei vom jeweiligen Zeitpunkt ab: Je später der Eintrittszeitpunkt, desto höher die Rente.

Als Alternative können sich 71 Prozent aber auch den völligen Verzicht auf ein festes Renteneintrittsalter vorstellen, wobei es lediglich eine Untergrenze für den frühestmöglichen Renteneintritt gibt. Auch dabei würde die Höhe der Rente entsprechend des jeweiligen Eintrittsalters berechnet.

Fast vier Fünftel der Befragten sprachen sich zudem dafür aus, das Sonderkündigungsrecht des Arbeitgebers bei Erreichen eines bestimmten Alters abzuschaffen. Dazu müssten die Regelungen in den Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen geändert werden, die eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses ab einem bestimmten Alter vorsehen.

Lebenserwartung steigt an

Die Senioren von heute sind fitter als ihre Vorgänger, leben im Schnitt gesünder und werden immer älter. Die Lebenserwartung in entwickelten Ländern steigt kontinuierlich um fast drei Monate pro Jahr an. In vielen Ländern hat man sich dem veränderten Altersbild in Beruf und Gesellschaft intelligenter und schneller als in Deutschland angepasst.

In Norwegen steht jeder Fünfte der über 65-jährigen noch im aktiven Erwerbsleben, in der Schweiz sind es immerhin noch elf Prozent. In Deutschland sind es gerade mal fünf Prozent. Bis 2060 wird jeder dritte Deutsche 65 Jahre und älter sein.

Wir können es uns gar nicht leisten, auf die Lebens- und Berufserfahrung dieser Menschen zu verzichten. Es wäre eine gefährliche Verschleuderung volkswirtschaftlicher Ressourcen. Die Folgen der ebenso teuren wie kurzsichtigen Massen-Frühverrentungen der Vergangenheit spüren wir noch heute. Es ist höchste Zeit zur Umkehr.

Seite zwei: Schwarz-rote Rolle rückwärts beim Renteneintritt

Weiter lesen: 1 2

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 12/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – IDW S4-Standard – Crowdinvesting – Bankenwelt

Ab dem 17. November im Handel!

Special 4/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Regulierung – betriebliche Altersversorgung – Unfallversicherung – Privathaftpflicht – Gewerbehaftpflichtpolicen

Ab dem 25. Oktober im Handel!

Versicherungen

Übergangsregelung für Lebensversicherer wird verlängert

Die wegen der Niedrigzinsen eingeführten steuerlichen Entlastungen für Lebensversicherer werden um ein Jahr verlängert. Ohne die Verlängerung hätten vermutlich große Teile der freien Rückstellung auf Beitragsrückerstattungen aufgelöst und versteuert werden müssen.

mehr ...

Immobilien

Vonovia-Chef hofft auf Fusion mit Deutsche Wohnen

Der Chef des Wohnungskonzerns Vonovia hofft weiterhin auf eine Fusion mit seinem Konkurrenten Deutsche Wohnen. Im Februar scheiterte sein Versuch einer feindlichen Übernahme.

mehr ...

Investmentfonds

Dax vor entscheidenden Ereignissen

Am Wochenende stehen in Österreich und Italien gleich zwei wichtige Ereignisse an. Zudem wird die EZB in Frankfurt noch einmal zum Jahresende tagen.

mehr ...

Berater

Pflege: Studie offenbart großen Informationsbedarf

Ein Großteil der Deutschen ist der Ansicht, dass es notwendig ist, eine private Pflegeversicherung abzuschließen. Das geht aus einer aktuellen Online-Befragung hervor. Die große Mehrheit fühlt sich derzeit zudem beim Thema private Pflegevorsorge nur mittelmäßig bis gar nicht informiert.

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric erwirbt erste Maschine für Flugzeugportfolio

Der Asset Manager Doric hat mit einem Airbus A330-200 das erste Flugzeug für das “Floreat Aviation Portfolio” erworben. Leasingnehmer des Flugzeuges ist die Fluggesellschaft Virgin Australia.

mehr ...

Recht

Todesfall in der Familie: Die zehn wichtigsten Schritte

Stirbt ein naher Verwandter oder gar der Ehepartner, ist es für die Betroffenen schwer, klare Gedanken zu fassen. Leider haben Gesetzgeber und Versicherungsgesellschaften bei Todesfällen oftmals sehr knapp bemessene Fristen gesetzt, die unbedingt beachtet werden sollten.

mehr ...