Anzeige
Anzeige
9. März 2016, 14:44
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Drastische Einschnitte bei den Sparkassen in Bayern

Viele Sparkassen-Kunden in Bayern müssen künftig weitere Wege zur nächsten Filiale auf sich nehmen. Von derzeit mehr als 2200 Geschäftsstellen sollen in diesem Jahr bis zu 220 geschlossen werden.

Filialnetz der Sparkassen in Bayern wird dünner

Die Kunden der Sparkassen in Bayern müssen sich auf weitere Einschnitte im Filialnetz einstellen.

Das dichte Filialnetz stamme aus einer Zeit, in der die Kunden für Überweisungen noch in die Filiale gegangen seien oder Bargeld an der Kasse abholt hätten, sagte der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Netzer am Mittwoch in München. Inzwischen komme ein Kunde im Durchschnitt nur einmal pro Jahr in eine Filiale, nehme aber 108-mal pro Jahr online Kontakt auf. “Der Kunde geht nicht mehr in die Geschäftsstelle”, so Netzer.

Auf dieses veränderte Verhalten müssten die Sparkassen reagieren – auch wenn die Schließung einer Filiale emotional schwierig sei. “In Zeiten des niedrigen Zinses ist es wichtig und richtig, Kräfte zu konzentrieren”, sagt Netzer. Acht bis zehn Prozent aller Geschäftsstellen könnten von den Einschnitten betroffen sein, sagte Netzer. Betroffene Mitarbeiter sollen in anderen Filialen beschäftigt werden.

Große Sparkassen prüfen Fusion

Welche Regionen betroffen sind, ist noch unklar: Letztlich müsse jede der 71 rechtlich selbstständigen Sparkassen selbst entscheiden, wie sie auf den wachsenden Kostendruck durch die Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank reagiere. Bereits im vergangenen Jahr waren 82 Geschäftsstellen in Bayern weggefallen.

Mehrere große Sparkassen prüfen derzeit nach Angaben von Netzer auch eine Fusion: Gespräche gebe es zwischen den Instituten in Ingolstadt und Eichstätt sowie zwischen Neu-Ulm und Günzburg. Auch die Sparkassen Ansbach, Dinkelsbühl und Rothenburg seien in Verhandlungen über eine Zusammenarbeit.

Netzer kritisiert EZB

Netzer übte scharfe Kritik an der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank, die fatale Auswirkungen auf die Sparkultur habe. Mehr als ein Viertel der Menschen in Bayern treffe gar keine Zukunftsvorsorge mehr. “Vor allem Geringverdiener sollten Vermögen für die Zukunft aufbauen, doch wir erreichen sie nicht mehr.”

Viele Kunden sehen die Banken und Sparkassen inzwischen vor allem als Stätten zur Geldaufbewahrung an – auch wenn es so gut wie keine Zinsen mehr gibt: Die Kundeneinlagen bei den bayerischen Sparkassen legten im vergangenen Jahr um vier Prozent auf knapp 152 Milliarden Euro zu. Die Sparkassen wiederum müssen für die Aufbewahrung des überschüssigen Geldes inzwischen Strafzinsen zahlen.

Mehrere Institute denken deshalb darüber nach, das Geld künftig stattdessen im eigenen Tresor aufzubewahren. Für eine einzelne Sparkasse wäre der Effekt zwar nicht groß, sagte Netzer. In Summe würde es aber schon einen Unterschied machen, wenn die Sparkassen das Geld in den eigenen Tresor legten. Die Überlegungen zeigten aber auch auf, welche Konsequenzen die Nullzins-Politik inzwischen habe. “Man sieht daran, in welcher perversen Welt wir mittlerweile unterwegs sind”, sagte der Landesobmann Walter Strohmaier.

Quelle: dpa-Afx

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset-Fonds - Digitalisierung - Kfz-Policen - Spezialitätenfonds - Robo Advice - Wohnimmobilien

Ab dem 15. September im Handel

Rendite+ 3/2016 "Immobilien"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Deutschlands beste Wohnimmobilien-Standorte - Marktreport Anlageimmobilien - Aktuelle Baufinanzierungstrends - Mietrecht etc.


Ab dem 1. September im Handel.

Versicherungen

“Das wird zu niedrigeren Versicherungsprämien führen”

Martin Wehner, Leiter Private Kfz-Versicherung bei der Allianz Versicherungs-AG, sagt wie sich das autonome Fahren auf Versicherungsprämien, Haftung und Wettbewerb auswirken könnte.

mehr ...

Immobilien

BVID-Vorstand kritisiert WIKR

Neue Kritik an der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR): Dr. Joachim Klare, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Immobilienfinanzierer (BVID), bemängelt, dass die Richtlinie den Baufinanzierungsmarkt ohne Not einschränke.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Bank betont Stärke

Die gewaltigen Probleme der Deutschen Bank alarmieren Börse und Politik. Feilen Bundesregierung und Finanzaufseher bereits an einem Rettungsplan für den Fall einer bedrohlichen Schieflage des größten deutschen Geldhauses? “Diese Meldung ist falsch. Die Bundesregierung bereitet keine Rettungspläne vor”, stellte das Finanzministerium am Mittwoch klar.

mehr ...

Berater

Auch Rat der EU fordert PRIIPs-Verschiebung

Nach dem EU-Parlament spricht sich auch der Rat der EU, also die Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten, für eine Verschiebung der EU-Verordnung über Basisinformationsblätter aus.

mehr ...

Sachwertanlagen

Publity weiter auf Einkaufstour

Die Publity AG hat das zweite Fondsobjekt für den geschlossenen alternativen Investmentfonds (AIF) „publity Performance Fonds Nr. 8“, der sich aktuell in der Platzierung befindet, erworben.

mehr ...

Recht

BaFin untersagt erneut unerlaubte Geschäfte

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat Ahmed Salameh, Augsburg, mit Bescheid vom 12. September 2016 aufgegeben, das Einlagengeschäft sowie die Anlageverwaltung einzustellen und abzuwickeln.

mehr ...