Hannover Leasing trotzt dem BMF

Trotz der aktuellen Diskussion um den Fortbestand der Steuervorteile insbesondere von Medienfonds hat die Münchener Hannover Leasing ein Beteiligungsangebot auf den Markt gebracht, das seinen Anlegern Anfangsverluste von rund 100 Prozent bezogen auf das Eigenkapital bescheren soll. Beim Beteiligungsangebot Nr. 163 ?Moratim? handelt es sich um einen Produktionsfonds internationaler TV-Serienprojekte.

Aufgrund einer internen Fremdfinanzierung von rund 46 Prozent werden die steuerlichen Verluste für 2005 sogar auf bis zu 185 Prozent der Bareinlage gehebelt. Des Rätsels Lösung gibt Hannover Leasing in einer Zusatzinformation, die der Anleger gemeinsam mit dem Zeichnungsschein unterschreiben muss. Darin weißt der Initiator explizit auf die kürzlich bekannt gewordenen Pläne der Bundesregierung hin, die Steuervorteile geschlossener Fonds erheblich einzuschränken (cash-online berichtete). Insbesondere das Vorhaben der Politik, die Einschnitte rückwirkend zum 18. März vorzunehmen, hebt Hannover Leasing hervor.

Hintergrund: Am 17. März hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Steuerpläne in einer Regierungserklärung erstmals öffentlich erwähnt. In einem Gesetzentwurf aus dem Bundesfinanzministerium (BMF) wurden die geplanten Einschnitte inzwischen formuliert. Der 18. März ist darin als Stichtag einer Übergangsregelung genannt. Alle Fonds, die nach diesem Termin in den Außenvertrieb gehen, sollen unter die noch nicht beschlossenen Neuregelungen fallen.

Hannover Leasing weißt jedoch auf ein Interview von Finanzminister Hans Eichel vom 12. April 2005 hin, in dem dieser die Beschränkung der Verlustverrechnungsmöglichkeiten mit Wirkung ab 2006 ankündigt. Zudem, so der Emittent in der Zusatzinformation, lehne die Opposition die rückwirkende Gesetzesänderung ab.

Der Clou: Hannover Leasing gesteht ein, trotz der aufgeführten Bedenken die Rückwirkung nicht ausschließen zu können. Die weitere Diskussion soll daher verfolgt werden, spätestens am 1. Dezember 2005 ist eine Situationsbewertung geplant. Ist zu dem Zeitpunkt eine rückwirkende Abschaffung der Steuervorteile beschlossen oder absehbar, so erhalten die Anleger mit Wirkung zum 7. Dezember ein Rückgaberecht für ihre Anteile.

Geplant ist ein Fondsvolumen von mindestens 25 Millionen Euro. Nach einer Laufzeit von rund 15 Jahren soll der Anleger ein Ergebnis von 117 Prozent auf seine eigenfinanzierte Einlage erzielen. Die Mindestbeteiligungssumme beträgt 25.000 Euro.

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