Anzeige
Anzeige
16. November 2009, 10:42
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Schiffsfinanzierung: Die See wird immer rauer

Die Löwer-Kolumne

Je länger die Krise auf den Schifffahrtsmärkten anhält, desto prekärer wird die Lage für alle Beteiligten. Die Zukunft der Branche liegt in der Hand der Banken, und der Ruf nach dem Staat wird lauter.

L Wer1-127x150 in Schiffsfinanzierung: Die See wird immer rauer

Cash.-Kolumnist Stefan Löwer

Das wurde auf dem diesjährigen „Hansa-Forum“ der Zeitschrift Hansa vor allem durch die Grundaussagen der Vertreter von schiffsfinanzierenden Banken deutlich. Im vergangenen Jahr um die gleiche Zeit hatten sie noch Beruhigungspillen verteilt. „Wir lassen die Branche nicht fallen und werden Problemfälle zusammen mit Reedern, Werften und Emissionshäusern lösen“, war damals der Tenor der Geldhäuser.

Das Motto „Wir schaffen es nur gemeinsam“ gilt zwar noch immer. Aber mittlerweile sind 13 Schiffs-KGs sowie ein Emissionshaus insolvent und von den Bankern heißt es nun – in Klartext übersetzt – unisono: „Wir bemühen uns, aber wir werden nicht jeden durchbringen können“. Bisher stemmen sich die Emissionshäuser zwar mit aller Kraft und durchaus mit Etappenerfolgen gegen die Krise. Aber die Branche wird sich auf weitere Pleiten einstellen müssen. Die See wird immer rauer, denn auch die Banken pfeifen aus dem letzten Loch.

Die Situation der Geldhäuser ist ein weiterer Beleg für gescheiterte staatliche Regulierung. Sie resultiert nicht nur aus dem weltweiten Subprime-Kasino, sondern auch aus den internationalen Eigenkapitalrichtlinien „Basel II“, mit denen Regierungen und Institutionen die Banken krisensicherer machen wollten. Nun stellt sich heraus: Das Gegenteil ist der Fall.

Die Vorschrift besagt, dass die Banken die ausgereichten Kredite in Abhängigkeit von der Bonität des Kreditnehmers und dem Marktwert des beliehenen Assets in unterschiedlicher Höhe mit Eigenkapital unterlegen müssen. Das klingt vernünftig, hat aber gerade in sehr zyklischen Märkten wie der Schifffahrt fatale Folgen.

Im Boom konnten die Banken zu Höchstpreisen eingekaufte Schiffe mit einer winzigen Eigenkapitalabsicherung finanzieren. Sie blähten damit ihr Kreditportfolio enorm auf und befeuerten gleichzeitig die Überhitzung des Marktes. Je stärker die Schiffswerte und die Bonitäten der Reedereien nun jedoch sinken, desto mehr Eigenkapital müssen die Banken auch für bereits vergebene Kredite zurückstellen – bis zum  25fachen der ursprünglichen Summe.

Das zerlegt den Geldhäusern nicht nur die Bilanzen, sondern es schränkt auch ihren Spielraum für Sanierungskonzepte und neue Kredite enorm ein. Statt die Branche zu stabilisieren, wirkt Basel II pro-zyklisch und verstärkt die Krise.

Im Vorjahr verbreitete vor allem der für Schiffsfinanzierungen verantwortliche Vorstand der HSH Nordbank, Peter Rieck, auf dem Hansa Forum demonstrativ Gelassenheit. Er war auch für das diesjährige Podium vorgesehen gewesen, wurde aber zwei Tage vor der Veranstaltung von der Bank gefeuert.

Viel wird wohl von der – allerdings nicht öffentlich diskutierten – Frage abhängen, ob die HSH ihr Verhalten nach Riecks Ausscheiden ändern wird. Schließlich hängt ein Großteil der Emissionshäuser, Reeder und Fonds am Tropf der selbst stark angeschlagenen HSH, die der größte Schiffsfinanzierer weltweit ist. Für die Fondsbranche bleibt zu hoffen, dass Riecks Nachfolger nun nicht Tabula rasa macht, um die Verantwortung für die unvermeidlichen Verluste noch seinem Vorgänger in die Schuhe schieben zu können.

Stefan Löwer ist Chefanalyst der G.U.B., Deutschlands ältester Ratingagentur für geschlossene Fonds, und begleitet den Themenbereich geschlossene Fonds in der gesamten Cash.-Unternehmensgruppe. Als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst  beobachtet Löwer die Branche und ihre Produkte insgesamt bereits seit mehr als 15 Jahren.

1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Löwer,
    wie wahr und wie richtig ist Ihr Statement! Wann kommen die Staatsgeschenke bei den Schiffchen an? Warum gibt es einen Unterschied in der Betrachtungsweise (Autos-Schiffe)? – Als Nichthamburger gar nicht zu verstehen! Wo bleibt der Einsatz und die Netzwerke der Branche?
    Weiterhin viel Erfolg beim Kämpfen für das Gute!

    Kommentar von cornelia valtin-nowak — 18. November 2009 @ 04:55

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Studie: Assekuranz sichert über eine Million Jobs

Die Versicherungswirtschaft sorgt über direkte, indirekte und Konsumeffekte für 1,2 Millionen Jobs und generiert einen Beitrag zur Bruttowertschöpfung in Höhe von 90 Milliarden Euro. Diese Kennzahlen stammen aus der aktuellen Prognos-Studie “Die Bedeutung der Versicherungswirtschaft für den Wirtschaftsstandort Deutschland”.

mehr ...

Immobilien

WIKR: Präzisierungen bei Immobilienkrediten

Die umstrittenen strengen Vorgaben für die Vergabe von Immobilienkrediten werden nachgebessert. Der Bundestag beschloss am Donnerstag Präzisierungen zu der seit einem Jahr geltenden “Wohnimmobilienkreditrichtlinie” der EU.

mehr ...

Investmentfonds

Milliardärsranking: Warren Buffett rutscht ab

Bislang galt der Investmentguru Warren Buffett – hinter Microsoft-Gründer Bill Gates – als zweitreichster Mensch der Welt. Doch dank eines starken Laufs am Aktienmarkt konnte ein weiterer US-Unternehmer und Investor Buffett von Platz zwei verdrängen.

mehr ...

Berater

“Als ich anfing, war es geradezu exotisch, sich mit Frauen zu beschäftigen”

Heide Härtel-Herrmann ist seit über 30 Jahren als Beraterin tätig. Mit Cash. hat sie über ihren Werdegang, Frauen in der Finanz- und Versicherungsbranche und die Bedürfnisse weiblicher und männlicher Kunden gesprochen.

mehr ...

Sachwertanlagen

S&K-Gründer mit Strafen am unteren Rand auf freiem Fuß

Der Betrugsprozess um das Immobilienunternehmen S&K hat sich in Teilen als undurchführbar erwiesen. Nach einem Deal mit der Justiz kommen die Gründer mit Strafen am unteren Rand davon.

mehr ...

Recht

Vorgeschobener Eigenbedarf: Mieter steht Schadensersatz zu

Ein Mieter, dem aufgrund von Eigenbedarf gekündigt wurde, klagte vor mehreren Instanzen auf Schadensersatz, da der Vermieter die Wohnung nach seinem Auszug nicht wie angekündigt nutzte. Der Bundesgerichtshof (BGH) gab dem Kläger in einem Urteil am Mittwoch Recht.

mehr ...