Anzeige
19. September 2011, 10:09
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Hände weg von längeren Nutzungsdauern!

Seit einigen Monaten ist die Finanzverwaltung zunehmend bestrebt, die geltende Abschreibungsdauer von Anlagegütern geschlossener Fonds nicht mehr in bisheriger Form anzuerkennen.

Marc-Ehlers-128x150 in Hände weg von längeren Nutzungsdauern!

Marc Ehlers, Leiter der Steuerabteilung bei Lloyd Fonds

Gastkommentar von Marc Ehlers, Steuerberater und Leiter der Steuerabteilung der Loyd Fonds AG sowie Andreas Gollan, Rechtsanwalt

In vereinzelten Fällen wurde verwaltungsseitig versucht, die Abschreibungsdauer zu verlängern. Die Finanzämter haben in diesen Fällen die “tatsächliche Nutzungsdauer” erheblich länger geschätzt als die, die sich aus den amtlichen AfA-Tabellen ergeben hätte. Die Folge dieses Vorgehens ist, dass die jährlichen Abschreibungen der Fonds erheblich niedriger ausfallen als ursprünglich kalkuliert. Damit wäre in vielen Fällen auch eine steuerliche Mehrbelastung der Anleger verbunden.

Problematisch wäre dies insbesondere, weil die Fonds bei der Abschreibung ihrer jeweiligen Anlagegüter in vorauseilendem Gehorsam auf die von der Finanzverwaltung bereitgestellten amtlichen AfA-Tabellen zurückgegriffen haben und ihre gesamte Fondskalkulation auf diesen vermeintlich verlässlichen Daten basiert.

Die von den Finanzämtern angegebenen Gründe für das Abweichen von den amtlichen AfA-Tabellen halten einer Überprüfung nicht ansatzweise Stand. Zum einen ist die Rechtslage de facto überholt, denn die Verwaltung bezieht sich auf die ehemaligen Steuersparmodelle, die es seit 2005 nicht mehr gibt.

Zum anderen vertritt die Finanzverwaltung die Auffassung, dass die Anwendung der AfA-Tabellen nicht gültig ist, wenn dies zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung führt. Der Bundesfinanzhof weist in neueren Urteilen darauf hin, dass es nicht auf die Nutzungsdauer durch den einzelnen Steuerpflichtigen ankomme, sondern auf die objektive Nutzbarkeit des Investitionsobjektes unter Berücksichtigung der Umstände im Einzelfall. Diese rückwirkende Anzweifelungen der AfA-Tabellen durch die Finanzverwaltung ist umso erstaunlicher, da die Werte auf den Erfahrungen von Experten beruhten und vom BMF selbst gemeinsam mit den Fachverbänden der Wirtschaft erstellt wurden. Damit beruhen die AfA-Tabellen auf dem Fachwissen und der Erfahrung anerkannter Wirtschaftsexperten, die mit ihrer Einschätzung der Nutzungsdauer sicherlich keine Eigeninteressen von Fondsanlegern verfolgen. Sie berücksichtigen nicht nur die technische Abnutzung eines Anlagegutes, sondern auch seinen wirtschaftlichen Verbrauch und den technischen Fortschritt. Gerade in den technisch hoch entwickelten Bereichen wie dem Schiffs- und Flugzeugbau oder dem Bau von Windkraftanlagen ist kaum vorhersehbar, wie lange eine technische Neuentwicklung tatsächlich betrieben werden kann. Dies spricht prinzipiell für eine kürzere, als in den Tabellen angegebene Nutzungsdauer. Denn einerseits mögen nicht vorhersehbare technische Probleme auftauchen, die eine weitere Nutzung unmöglich machen, andererseits mag es zu weiteren Neuentwicklungen kommen, die die Wirtschaftlichkeit des Anlagegut beeinträchtigen.

Andreas-Gollan-125x150 in Hände weg von längeren Nutzungsdauern!

Andreas Gollan, Rechtsanwalt

Soll von den AfA-Tabellen abgewichen werden, muss nach etlichen Entscheidungen des höchsten deutschen Steuergerichts immer derjenige die Abweichung nachweisen, der von der AfA-Tabelle abweichen möchte – in dem beschriebenen Szenario also die Finanzverwaltung. Damit wird verdeutlicht, dass der in einer Prospektkalkulation niedergelegte Anlagehorizont nicht geeignet ist, die Richtigkeit der AfA-Tabellen zu widerlegen. Erforderlich ist nach Ansicht des Bundesfinanzhofes, dass sich die Nutzungsdauer laut AfA-Tabelle als generell falsch erwiesen hat. Eine Prospektkalkulation kann demnach in keinem Fall Beweis dafür sein, dass die amtlichen AfA-Tabellen falsch sind.

Das Fazit aus den obigen Ausführungen lautet daher: Die Finanzämter, die eine Abschreibung auf Grundlage der amtlichen AfA-Tabellen nicht anerkennen wollen, können nicht einfach nur auf die in einem Prospekt angegebene Fondslaufzeit verweisen. Erforderlich ist, dass sie im Einzelfall nachweisen, dass die amtlichen AfA-Tabellen generell falsch sind. Die Autoren empfehlen betroffenen Fondsgesellschaften, etwaigen Forderungen von der Finanzverwaltung hinsichtlich Verlängerungen von Abschreibungsdauern in keinem Fall nachzukommen und in jedem Fall den Weg über das Finanzgericht zu suchen. Insbesondere im Veranlagungsverfahren sollte pauschalen Forderungen der Finanzverwaltung nicht nachgekommen werden. Gleiches gilt für den Bereich der Betriebsprüfung.

Fotos: Lloyd Fonds AG

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform - IDD

Ab dem 15. Dezember im Handel!

Cash. 12/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – IDW S4-Standard – Crowdinvesting – Bankenwelt

Versicherungen

Mehr Pflegebedürftige in 2015 – zwei Millionen werden zu Hause gepflegt

Immer mehr Menschen sind pflegebedürftig. Wie das Statistische Bundesamt am Montag berichtete, waren Ende 2015 in Deutschland 2,86 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes. Das waren 8,9 Prozent beziehungsweise 234.000 Menschen mehr als im Dezember 2013.

mehr ...

Immobilien

Baufinanzierung: Beratung ist nicht alles

Wie viel ist Beratung in der Baufinanzierung wert? “Gute” Beratung wird zunehmend zum erwarteten Standard – wie stellt man sich darauf ein?

Kolumne von Joachim Leuther, BS Baugeld Spezialisten

mehr ...

Investmentfonds

Versorgeraktien stehen unter Strom

In den vergangenen Jahren wurden Versorger an der Börse massiv abgestraft. Dabei werden diese Firmen besonders von der Elektromobilität profitieren. Gastkommentar von Uwe Zimmer, z-invest Gmbh

mehr ...

Berater

BCA: Wüstenbecker verkauft Aktien

Wie der Oberurseler Maklerpool BCA mitteilt, veräußern Unternehmensgründer Jens Wüstenbecker und die Wüstenbecker GmbH & Co. KG ihre Aktien an der BCA AG. Vorübergehend übernimmt demnach die BBG aus Bayreuth das gesamte Aktienpaket. Mittelfristig soll es an weitere Unternehmen aus der Versicherungs- und Investmentbranche veräußert werden.

mehr ...

Sachwertanlagen

Klumpe Rechtsanwälte: Neue Struktur, mehr Service

Die 1982 von Rechtsanwalt Werner Klumpe gegründete Anwaltskanzlei KSP mit Sitz in Köln firmiert seit dem 1. Januar 2017 unter dem Namen “Klumpe Rechtsanwälte” und hat sich neu positioniert.

mehr ...

Recht

Rentenberater muss Gewerbesteuer zahlen

Die Einkünfte eines selbstständigen Rentenberaters unterliegen der Gewerbesteuer. Sein Berufsbild entspricht nicht den Vergleichsberufen Steuerberater oder Rechtsanwalt. Dies entschied das Finanzgericht Düsseldorf in einem aktuellen Urteil.

mehr ...