16. Mai 2013, 13:27

Die Devise heißt jetzt: Durchhalten

Heute verabschiedet der Bundestag die voraussichtlich finale Fassung des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB), mit dem unter anderem die Anbieter geschlossener Fonds reguliert werden.

Die Löwer-Kolumne

Stefan-Loewer in Die Devise heißt jetzt: Durchhalten

Cash.-Kolumnist Stefan Löwer

Das Mammut-Gesetz enthält im Wesentlichen die bereits bekannten Regelungen. Einzige Überraschung: Fonds in der Rechtsform der Genossenschaft mit einem Investitionsvolumen von bis zu 100 Millionen Euro sind unter bestimmten Voraussetzungen von dem Großteil der Vorschriften befreit, sofern „aufgrund gesetzlicher Regelungen ein Mindestertrag (…) langfristig sichergestellt ist.“

Gemeint damit sind Erneuerbare-Energien-Projekte mit gesetzlich festgelegten Einspeisevergütungen. Energiewende und Vorurteile lassen grüßen. Schließlich gelten auch die Initiatoren zum Beispiel von „Bürgerwindparks“ in den Augen der Politik anscheinend als „die Guten“, während alle anderen Initiatoren als fiese Finanzhaie verdächtig sind.

Die Anbieter und ihre Fonds unterliegen damit ab 22. Juli 2013 einer umfassenden Regulierung, sofern sie nicht in den Bereich der „Unternehmenskonzepte“ fallen. Ob letztere ernst zu nehmende Möglichkeiten zur Vermeidung der Bürokratie bieten werden, steht noch nicht fest, da die Endfassung des BaFin-Schreibens zum Anwendungsbereich des KAGB noch aussteht. Die drängendere Frage jedoch lautet: Gibt es überhaupt noch etwas zu regulieren?

Dramatischer Platzierungseinbruch

Einen Tag vor der Abstimmung im Bundestag verkündete der Branchenverband VGF einen weiteren dramatischen Einbruch des Platzierungsvolumens im ersten Quartal 2013 von nicht weniger als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Verkauf geschlossener Fonds der VGF-Mitglieder an Privatanleger sank dabei um 37,5 Prozent auf gerade einmal 361Millionen Euro innerhalb von drei Monaten.

Die Zahlen überraschen kaum. Sie entsprechen der gefühlten Situation seit Jahresbeginn: Allerorten Klagen über schwache Absatzzahlen, verunsicherte Vertriebe, kaum neue Fonds. Endzeitstimmung. „So wirkt regulatorische Unsicherheit auf die reale Wirtschaft“, konstatiert VGF-Chef Eric Romba.

Die neuen Vorschriften für den Vertrieb seit Juni 2012 (Banken) und Anfang 2013 (freier Vertrieb) sowie das bevorstehende KAGB dürften in der Tat der wesentliche Grund für die Branchenlähmung sein.

Hinzu kamen im ersten Quartal jedoch weitere Nackenschläge: Allen voran der Skandal um die Frankfurter S&K-Gruppe, der auch wegen der spektakulären Bilder bundesweit weidlich ausgeschlachtet wurde, aber auch die anschließenden Pleiten der Initiatoren United Investors, FIHM (SHB, NGF) und DCM sowie die Berichte über die Vorgänge bei Wölbern Invest und das andauernde Desaster bei den Schiffsfonds.

Talsohle noch nicht erreicht

All das führt zu einem Platzierungstief, das noch vor kurzem undenkbar war. Zur Erinnerung: Noch 2007 sammelte die Branche insgesamt 10,4 Milliarden Euro ein, also durchschnittlich gut 2,5 Milliarden Euro pro Quartal. Bei einem geschätzten Anteil der VGF-Mitglieder von 70 Prozent des Marktvolumens entspricht das aktuelle Ergebnis einem Rückgang von rund 80 Prozent gegenüber 2007, wobei Quartalszahlen damals noch nicht erhoben wurden.

Ist damit die Talsohle erreicht? Wahrscheinlich nicht. Vor allem der Bankenvertrieb wird die „Übergangsfonds“ bisheriger Machart wohl weiterhin nur mit sehr spitzen Fingern anfassen und ansonsten auf die regulierte Welt warten. Vor Oktober sind Fonds der neuen Generation aber kaum zu erwarten.

Bis dahin heißt es für alle Akteure: Durchhalten und neu positionieren. Denn spätestens ab 2014 stehen ihnen alle Türen offen. Die neuen „Alternativen Investment Fonds“ (AIF) werden im Vertrieb, insbesondere bei Banken, ein vergleichbares Standing haben wie Investmentfonds heute. Diese dürfen sie ohne größere Prüfung in den Vertrieb aufnehmen, ohne regulatorische Konsequenzen oder besondere Haftungsrisiken befürchten zu müssen, die aus dem Produkt resultieren.

Seite zwei: Gewaltiges Potenzial ab 2014

Weiter lesen: 1 2



Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Meinung


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

08/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Indexfonds – Existenzsicherung – Erneuerbare Energien – Immobilienaktien – Vertriebshitliste

ab 17. Juli im Handel

07/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biometrie-Offensive – IT-Innovationen – US-Immobilien – Private Equity – Initiative "gut beraten"

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

PKV: Gezerre um das Tarifwechselrecht

Nach Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) haben alle Versicherten das Recht, in günstigere Tarife des eigenen privaten Krankenversicherers (PKV) zu wechseln. Während ein Wechsel für den Versicherer Beitragseinbußen bedeuten, verdienen sogenannte Wechselberatungsgesellschaften damit Geld – das birgt Konfliktpotenzial. Der PKV-Verband plant jetzt ein neues “Leitbild zum Wechselrecht”.

mehr ...

Immobilien

Deutsche verschulden sich stärker

Immobilienkäufer wollen in den deutschen Großstädten immer höhere Kreditsummen aufnehmen und verschulden sich so über einen längeren Zeitraum. Das geht aus einer Analyse von mehr als 30.000 Kreditanfragen beim Baufinanzierungsportal von Immobilienscout24 hervor.

mehr ...

Investmentfonds

Homöopathische US-Zinserhöhung in 2015?

Dr. Manfred Schlumberger managt den vermögensverwaltenden Fonds BHF Flexible Allocation FT. Er äußert sich zu den Perspektiven der unterschiedlichen Anlageregionen.

mehr ...

Berater

Bring es auf den Punkt: Der richtige Einstieg im Kundengespräch

Egal, in welchem Bereich der Finanzdienstleistung Sie arbeiten: Ihre Kunden arbeiten nur so lange mit Ihnen zusammen, wie sie Nutzen von Ihnen haben. “Keine Zeit” hat sich in den letzten Jahren zu einem der Haupteinwände bei Akquiseversuchen entwickelt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Real I.S.: Spezialfonds investiert in Luxemburg

Der Initiator Real I.S. hat für den Immobilienspezialfonds BGV V ein Büroobjekt in Luxemburg vom Fonds Kanam Grundinvest erworben. Der Kaufpreis beträgt nach Angaben des Unternehmens 28,3 Millionen Euro.

mehr ...

Recht

BGH rüttelt nicht am Policenmodell

Eine millionenfache Rückabwicklung von Lebensversicherungen wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat heute die Revision eines Klägers zurückgewiesen, der seine Lebensversicherung viele Jahre nach dem Abschluss widerrufen und die eingezahlten Beträge zurückerhalten wollte. Das sogenannte Policenmodell wird somit nicht gekippt.

mehr ...