26. Juni 2013, 10:44

„Sachwertinvestments werden bleiben, nur die Verpackung ändert sich“

René Krüger, Gründer des Internetvertriebs Fondsdiscount.de, widerspricht der Behauptung, geschlossene Fonds würden nach Inkrafttreten des AIFM-Umsetzungsgesetzes KAGB zum 22. Juli 2013 schlicht vom Markt verschwinden.

Krueger Fondsdiscount-254x300 in „Sachwertinvestments werden bleiben, nur die Verpackung ändert sich“

René Krüger, Gründer der Vertriebsgesellschaft Fondsdiscount.de

Schiffe, Immobilien, Windparks und Passagierflugzeuge – über geschlossene Fonds wurde schon so manches Großprojekt finanziert, Die Anleger werden dabei in der Regel nach ihrer Unterschrift unter dem Zeichnungsschein zu Gesellschaftern einer Kommanditgesellschaft und tragen die unternehmerischen Chancen aber auch die Risiken. Trotz zunehmender Regulierungen der Anlageklasse in den letzten Jahren, konnte die Branche ihr Image als so genannter „grauer Kapitalmarkt“ nie völlig abstreifen.

Mit dem Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) zum 22. Juli 2013 sollte das jedoch gelingen. Ihm war eine lange Regulierungshistorie vorausgegangen auch wenn die konkreten Anforderungen an die Initiatoren erst mit der Verabschiedung des Gesetzes durch den Bundestag am 16. Mai 2013 feststehen:

Konsolidierung wird den Markt beleben

Schon im September 2009 verständigten sich die G20-Staaten auf das Ziel, den Finanzmarkt und seine Akteure künftig stärker zu regulieren. Dieser Beschluss mündete zunächst in die seit Juli 2011 geltende europäische AIFM-Richtline. Diese muss, so die Vorgabe, von den Mitgliedsstaaten der EU bis Juli 2013 in nationales Gesetz umgesetzt werden. Für René Krüger bedeutet diese gesetzliche Regulierung jedoch keineswegs das Aus für geschlossene Fonds. Im Gegenteil – seiner Einschätzung nach könnte das Gesetz sogar den Weg für einen transparenteren und fairen Umgang mit dem Anleger ebnen: „Der Markt kam lange Zeit ohne Kontrollen aus. Mit den gesetzlichen Anforderungen besteht nun die Chance auf eine Marktbereinigung, ganz ausdrücklich auch in qualitativer Hinsicht. Sobald hier Rechtssicherheit gegeben ist, dürften unternehmerische Beteiligungen sogar für einen größeren Anlegerkreis als bisher interessant werden und der momentan etwas verunsicherte Markt könnte sich wieder beleben“, erwartet Krüger. Als BaFin-lizenzierter Finanzdienstleister begrüße sein Unternehmen den Vorstoß hin zu mehr Regulierung.

„Wer jetzt eine Branche in kompletter Schockstarre vermutet, irrt allerdings: Den Initiatoren geschlossener Fonds wurde schließlich immer schon eine gewisse Innovationskraft zugeschrieben. Zudem sind Assetklassen wie Neue Energien, Immobilien oder auch Flugzeuge für Anleger nach wie vor interessant“, sagt der Vertriebsprofi.

Direktinvestments und festverzinsliche Vehikel auf dem Vormarsch

Deshalb gehe es nun darum, diese Substanzwerte in marktgerechte Investmentvehikel zu verpacken. „Ich sehe hier zwei klare Trends: Zum einen werden Direktinvestments an Bedeutung gewinnen, da hier die Forderung nach Transparenz, nachvollziehbaren Verträgen und klar formulierten Investitionsbedingungen bereits erfüllt wird. Zum anderen wird das Thema Festzinsanlagen künftig eine wichtige Rolle spielen“, prognostiziert Krüger.

Ein entscheidender Unterschied zwischen herkömmlichen Beteiligungen in Form einer GmbH & Co. KG und Festzinsprodukten besteht darin, dass sich Anleger über Anleihen, Darlehen oder Genussrechte ebenfalls unternehmerisch engagieren, dabei aber nicht zwangsläufig zum Mit-Unternehmer werden. Umgekehrt entfallen Stimm- und Mitspracherechte sowie der Anspruch auf die Beteiligung am Liquidationserlös. Mit Festzinsanlagen wie Anleihen oder Genussrechten leihen private Anleger einer Gesellschaft stattdessen eine bestimmte Summe und erhalten im Gegenzug einen vorab fest vereinbarten Zinssatz.

Krüger rät Anlegern jedoch zur Vorsicht: „Wenn zu viele Fragen offen bleiben oder das Investitionskonzept nicht überzeugt, seien Sie skeptisch. Je nach Produkt sind Ihre Rechte als Anleger im BGB, im Schuldverschreibungsgesetz und im konkreten Beteiligungsvertrag geregelt.“

Zwei Drittel der Emissionshäuser machen weiter

Einer aktuelle Befragung der Researcher von Scope unter 45 Emissionshäusern zufolge will jedes fünfte Unternehmen künftig Anleihen in sein Produktportfolio aufnehmen. Selbst etablierte Häuser, wie etwa der Dortmunder Initiator Dr. Peters erweitern ihre Produktpalette. Die DSP Realwertanleihe 1 wird von einer eigens gegründeten Gesellschaft der Unternehmensgruppe emittiert und sammelt Geld für den Aufbau eines diversifizierten Sachwertportfolios.

„Aus dieser Entwicklung jedoch ein komplettes Aus für die Beteiligungsbranche abzuleiten, wäre falsch. Immerhin zwei Drittel der von Scope befragten Emissionshäuser wollen auch zukünftig geschlossene Fonds an den Markt bringen“, betont Krüger. (af)

Foto: Fondsdiscount.de

 


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Meinung


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

01/2015

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Rentenfonds – Cyber-Policen – Secondhand-Fonds – Metropolen im Immobilien-Check – Vertrieb 2015

Ab dem 11. Dezember im Handel.

12/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – Kinderpolicen – Wohntrends – Leads – Besteuerung von Fonds

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Die empfehlenswertesten privaten Krankenversicherer

In einem aktuellen Rating hat das Analysehaus Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) die Unternehmensqualität von 34 privaten Krankenversicherungsunternehmen untersucht.

mehr ...

Immobilien

Comdirect: Anteil der Mieter in Deutschland rückläufig

Im Vergleich zum Oktober ging der Anteil an Mietern von 45 Prozent auf 41 Prozent zurück, während die Zahl der Eigentümer im gleichen Zeitraum von 54 auf 57 Prozent anstieg. Dies zeigt der aktuelle Comdirect Stimmungsindex Baufinanzierung, der im Dezember mit 113,8 Punkten sein Allzeithoch erreichte. 

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche AWM: Dax Ende 2015 bei 10.400 Punkten

Aktien sollen sich auch 2015 lukrativ entwickeln. Dr. Asoka Wöhrmann, Chief Investment Officer der Deutschen Asset & Wealth Management (Deutsche AWM) in Frankfurt, erwartet, dass etwa der Dax rund sieben Prozent Rendite bringen wird.

mehr ...

Berater

Vertrieb 2015: Wandel als Chance

Das LVRG wirft seine Schatten voraus. Neue Produkte und Provisionsmodelle werden den Markt verändern. Cash. hat mit den großen deutschen Finanzvertrieben und Maklerpools über die Folgen der aktuellen Regulierung und weitere Herausforderungen sowie Chancen des kommenden Jahres gesprochen.

mehr ...

Sachwertanlagen

IVG-Chef: Kein Verkauf der Institutional Funds

Ralf Jung, CEO der IVG Immobilien AG, hat auf der Hauptversammlung des Unternehmens Marktgerüchte um einen geplanten Verkauf der IVG Institutional Funds GmbH dementiert. “Die IVG Institutional Funds GmbH bleibt eine Beteiligung der IVG Immobilien AG”, stellte Jung klar. Das Ergebnis der Prüfung der strategischen Optionen sei eindeutig ausgefallen.

mehr ...

Recht

Zweitmarktfonds: Wer leistet bei Rückforderungen?

Rechtsanwalt Prof. Dr. Thomas Zacher zur Frage, ob im Fall einer Rückforderung von Ausschüttungen der neue Anteilseigner oder der Vorbesitzer die Rückzahlung zu leisten hat.

mehr ...