Anzeige
26. Oktober 2009, 20:01
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Britische Firmen liegen vorn”

Die Schweizer Sarasin Bank hat in einer aktuellen Studie Immobilienaktiengesellschaften unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit untersucht. Cash. sprach mit Studienautor Klaus Kämpf über die Ergebnisse.

T 2009512 Sarasin Tm 0905 Img 3-150x150 in Britische Firmen liegen vorn

Klaus Kämpf, Bank Sarasin

Cash.: Was hat Sie dazu veranlasst, sich den Immobilienaktiengesellschaften auf diese Weise zu nähern?

Kämpf: Gebäude stellen den größten Endverbrauchsektor von Energie dar. Klimaschutzund Ressourcenknappheit zwingen uns, diesen Verbrauch zu reduzieren. Der Einbezug von Nachhaltigkeitsstrategien beim Bauen und Sanieren von Gebäuden zahlt sich langfristig aus. Entsprechend interessant sind Investitionen in nachhaltige Immobilien oder Immobiliengesellschaften, die über eine gute Nachhaltigkeitsstrategie verfügen.

Cash.: Lässt sich die Wichtigkeit auch an konkreten Zahlen festmachen?

Kämpf: Dass eine nachhaltige Entwicklung ohne den Einbezug von Gebäuden undenkbar ist, zeigt die Tatsache, dass Bau und Betrieb von Gebäuden für 40 Prozent unseres globalen Primärenergieverbrauchs verantwortlich sind. Die neue Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin mit dem Titel „Auf nachhaltige Gebäude bauen“ beleuchtet zentrale Aspekte des Immobiliensektors wie die Potenziale und Kriterien für umweltfreundliches Bauen, Renditeaussichten von nachhaltigen Immobilienanlagen sowie den Einbezug von Immobiliengesellschaften in ein nachhaltiges Portfolio.

Cash.: Sie haben in der Vergangenheit meist Unternehmen einer Nachhaltigkeitsanalyse unterzogen. Mussten Sie für Immobilien eine neue Systematik entwickeln?

Kämpf: Ja, wir haben eigene Methoden zur Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden entwickelt. Bei der Bewertung von Gebäuden kommen Kriterien zu Umwelt, Wohlbefinden und Gesundheit sowie Gebäudenutzung und Umfeld zur Anwendung. Als Besonderheit wird vor allem auch das riesige, weitgehend ungenutzte Potenzial, das in der Sanierung von Altbauten besteht, berücksichtigt. Die Bewertung von Immobiliengesellschaften basiert auf der bewährten Sarasin-Methode zur nachhaltigen Unternehmensbewertung, die auf die Besonderheiten der Branche angepasst wurde.

Cash.: Wie sieht die traditionelle Methode aus beziehungsweise was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit?

Kämpf: Wir beurteilen Unternehmen danach, wie aktiv und erfolgreich sie die Risiken, die aus den ökologischen und sozialen Auswirkungen ihres Geschäfts resultieren, eingrenzen und beschränken.

Cash.: Das klingt sehr abstrakt. Können Sie ein Beispiel nennen?

Kämpf: Immobilienaktiengesellschaften werden z.B. danach bewertet, in welchem Umfang sie bei Neubauprojekten und Altbausanierungen die Energieeffizienz verbessern. Andere Kriterien sind die Verwendung ökologischer Baumaterialien, die Berücksichtigung von Raumplanungszielen und der Einbezug der Öffentlichkeit bei Neubauprojekten sowie Umwelt- und Sozialstandards für beauftragte Bauunternehmen.

Cash.: Wie groß ist das Research-Universum in Sachen Immobilienaktiengesellschaften derzeit?

Kämpf: Wir haben 160 Immobilienaktiengesellschaften aus 17 Ländern in unserem Fokus. 64 davon haben wir als nachhaltig eingestuft. Am besten schnitten zwei britische Unternehmen ab: Land Securities und British Land. Die beiden französischen Immobiliengesellschaften Gecina und Unibail-Rodamco können als weitere überdurchschnittlich nachhaltige europäische Firmen genannt werden.

Cash.: Wodurch zeichnet sich die Gesellschaft British Land aus?

Kämpf: British Land hat Umwelt- und Sozialziele, die mittels detaillierter Maßnahmenpläne umgesetzt werden. Alle neuen Bürogebäude sollen dem BREEAM Excellent-Standard entsprechen. Im Vorfeld von Bauprojekten bezieht British Land die Anwohner und andere Interessengruppen ein. Bei Projekten auf der grünen Wiese legt das Unternehmen besonderen Wert auf den Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Die Klimaschutzstrategie von British Land umfasst die Reduktion des Energieverbrauchs sowie die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Dies gilt sowohl für die vom Unternehmen selbst genutzten als auch für die vermieteten Gebäude. Soweit das Unternehmen nicht direkten Einfluss nehmen kann, unterstützt es die Mieter bei Klimaschutzmaßnahmen. Auch die Fahrzeugflotte ist in das Klimaschutzkonzept einbezogen. Nicht vermeidbare Treibhausgasemissionen werden kompensiert.

Cash.: Gibt es Unterschiede zwischen europäischen, amerikanischen und asiatischen Firmen?

Kämpf: Ja durchaus. In Europa sind Umweltanforderungen durch gesetzliche Mindestvorschriften festgelegt, in Asien und den USA herrschen dagegen freiwillige Standards und Zertifikate vor. Zahlreiche Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Bewertung stammen deshalb aus dem asiatischen und amerikanischen Raum. Doch auch unter den asiatischen Unternehmen gibt es Ausnahmen: Mitsubishi Estate zum Beispiel schneidet dort überdurchschnittlich ab.

Interview: Frank Milewski

Foto: Sarasin Bank

Anzeige

2 Kommentare

  1. Zur dringenden Besprechung mit Dr. Schwingenstein

    Beste Grüsse

    Elisabeth Höller

    Kommentar von Geza Kovacs — 7. Februar 2010 @ 17:36

  2. Zur dringenden besprechung mit Dr. Schwingenstein

    Kommentar von Geza Kovacs — 7. Februar 2010 @ 17:35

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Die besten Rechtsschutzanbieter

Das Hannoveraner Analysehaus Franke und Bornberg hat zum ersten Mal private Rechtschutzversicherungen getestet – mit einem erfreulichen Ergebnis: Rund 30 Prozent der analysierten 141 Tarife wurden mit der Höchstnote ausgezeichnet.

mehr ...

Immobilien

Immobilienfinanzierung wird digitaler

Die Digitalisierung nimmt in der Immobilienfinanzierung einen immer höheren Stellenwert ein. Der Gesamtmarkt für Immobilienfinanzierungen ist im Jahr 2016 unter dem Vorjahr geblieben. Nach eigenen Angaben konnte der Marktplatz Europace dennoch wachsen.

mehr ...

Investmentfonds

Universal platziert faktorbasierten Aktienfonds

Die Fondsgesellschaft Universal Investment hat zusammen mit Velten Asset Management einen neuen faktorbasierten Fonds für deutsche Aktien aufgelegt.

mehr ...

Berater

Knip, Clark & Co.: Neue Bedrohung für die Maklerbestände

Das Geschäftsmodell von Insurtechs ist faktisch tot. Das ist ein gut gehütetes, aber dem Grunde nach trotzdem offenes Geheimnis. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die App-Anbieter dies erkannt und ihre Strategie modifiziert haben. Deren Sprengkraft ist noch bedrohlicher.

Die Pradetto-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

ZBI baut Geschäftsfeld Projektentwicklung aus

Die ZBI Zentral Boden Immobilien Gruppe hat 2016 im Geschäftsfeld Projektentwicklung/Bauträger etwa 460 Wohneinheiten für insgesamt rund 90 Millionen Euro verkauft (Vorjahr 80 Millionen Euro) und die Projektpipeline um ein Drittel ausgebaut.

mehr ...

Recht

Berufshaftpflichtschutz verloren: Architekt versus Anwalt

Aufgrund einer Pflichtverletzung aus dem Anwaltsvertrag verlor ein Architekt in einem Haftpflichtverfahren seinen Versicherungsschutz. Daraufhin klagte er gegen seinen Anwalt auf Zahlung von Schadensersatz. Doch kam ihm die Verjährung in die Quere.

mehr ...