Anzeige
Anzeige
28. Juni 2012, 11:18
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Immobilienkauf: Heutiger Billigzins kann in fünf Jahren zu bösem Erwachen führen

Eine geringe Monatsrate für ein Finanzierungsdarlehen kann täuschen. Bei Immobilienkauf sollte Vorsicht vor zu kurzen Zinsbindungen walten.

Gastkommentar von Manfred Hölscher, Enderlein

Immobilienkauf: Heutiger Billigzins kann in fünf Jahren zu bösem Erwachen führen

Manfred Hölscher, Enderlein

Immobilienkäufer können von der EU-Schuldenkrise nicht nur profitieren, weil die Zinsen für Darlehen auf ein Rekordtief gesunken sind. Immobilienkäufer können von der Misere auch viel lernen – indem sie zumindest die eigene Finanzierung auf solide Beine stellen. Billiges Geld verleitet zum Schuldenmachen und dazu, die langfristige Refinanzierung außer Acht zu lassen. Konkret warnt er davor, sich die finanzielle Belastung durch zu kurze Zinsbindungen und niedrige Tilgungen schön zu rechnen.

Die Euro- und Schuldenkrise hält die Konditionen für Immobiliendarlehen seit Wochen auf einem Rekordtief. Kredite mit fünfjähriger Zinsbindung gibt es bei uns aktuell ab 1,95 Prozent, Darlehen mit zehnjähriger Zinsfestschreibung können für 2,5 Prozent aufgenommen werden. Ein 150.000-Euro-Kredit kann derzeit durch ein Fünf-Jahres-Darlehen mit einer Monatsrate von 372 Euro bedient werden. Mit Blick auf eine vergleichbare Mietbelastung ein verlockendes Angebot.

Genau diese kurzen Zinsbindungen können aber zum Problem werden, wenn die Zinsen für Immobilienkredite mittelfristig steigen. Denn: Mit Ablauf der ersten Zinsbindungsfrist in fünf oder zehn Jahren sitzen viele Immobilienkäufer, die sich für eine Standardtilgung von einem Prozent entschieden haben, noch auf einer Restschuld von rund 95 oder 90 Prozent. Liegen die Zinsen im Jahr 2017 oder 2022 nur zwei oder drei Prozent über dem heutigen Niveau, verdoppelt sich nahezu die Kreditrate für das Beispieldarlehen auf knapp 600 Euro.Wer dann die künftige Belastung nicht mehr stemmen kann, verliert seine Immobilie und riskiert eine Privatinsolvenz.

Die Finanzierungsexperten von Enderlein raten daher, das aktuelle Zinstief langfristig zu nutzen. Darlehen mit 15 oder 20 Jahren Zinsbindung können derzeit ebenfalls zu unter drei Prozent aufgenommen werden – und sind damit nur unwesentlich teurer. Zehn Jahre oder 15 Jahre mehr Zinssischerheit kosten den Kreditnehmer aktuell gerade einmal 50 Euro mehr im Monat. Käufern und Bauherren kann man nur raten, die Immobilienfinanzierung für 20 Jahre abzuschließen – noch dazu, wenn sie über geringes Eigenkapital verfügen. Sie müssen sich dann bis ins Jahr 2032 keine Sorgen um eine Verteuerung ihrer Monatsrate machen. Zudem lässt sich der Schuldenberg in 20 Jahren deutlich mehr abtragen als binnen zehn Jahren – was das Risiko einer teuren Anschlussfinanzierung zusätzlich verringert.

Darüber hinaus sollten Immobilienkäufer im jetzigen Zinstief nicht mit einer Standardtilgung von nur einem Prozent beginnen. Das ist gerade im jetzigen Zinstief viel zu wenig und verlängert die Gesamtlaufzeit des Kredites auf über 50 Jahre. Eine solide Immobilienfinanzierung startet mit einer Mindesttilgung von zwei Prozent. Ein nach diesen Vorgaben kalkulierter Kredit über 150.000-Euro kostet bei uns mit einer 20-jährigen Zinsbindung und zweiprozentigen Anfangstilgung damit aktuell rund 625 Euro im Monat. Auch diese monatliche Kreditbelastung ist für viele problemlos zu stemmen – und sie führt in 20 Jahren nicht zu einem bösen Erwachen, sondern zu sicher finanziertem Wohneigentum.

Autor Manfred Hölscher leitet den Baugeldvermittler Enderlein

Foto: Enderlein

Anzeige

1 Kommentar

  1. Dennoch: eine eigene Immobilie ist immer noch die beste Kapitalanlage fürs Alter.

    Kommentar von PATRIZIA Immobilien — 26. Juli 2012 @ 15:07

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Münchener Verein baut Eigenkapitalbasis aus

Die Münchener Verein Versicherungsgruppe konnte im Geschäftsjahr 2016 ein Ergebnis nach Steuern in Höhe von 99,6 Millionen Euro erzielen. Das entspricht einer Steigerung von 5,1 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

mehr ...

Immobilien

Die Top Sechs der teuersten und günstigsten Studentenstädte

Nicht alle Studenten leben gerne in WGs, in einigen Hochschulstädten ist das Leben ohne Mitbewohner aber besonders teuer. Immowelt hat untersucht, wo Studenten am teuersten wohnen und in welchen Städten die Mieten besonders niedrig sind.

mehr ...

Investmentfonds

Banken leihen sich von EZB 233,5 Milliarden Euro

Die europäischen Kreditinstitute haben vorerst die letzte Gelegenheit sehr stark genutzt, um sich zum Nullzins Kredite von der EZB zu besorgen. Auch in der Eurozone verdichten sich mittlerweile die Anzeichen für einen strafferen Notenbankkurs.

mehr ...

Berater

Sparkassen im Norden forcieren Online-Banking

Trotz wachsender Belastungen durch die Niedrigzinsen haben die Sparkassen in Schleswig-Holstein 2016 ihren Jahresüberschuss nach Steuern auf 143,2 Millionen Euro steigern können. Das teilt der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein mit. Um sinkenden Erträgen entgegenzuwirken, wollen die Sparkassen ihr digitales Angebots ausbauen.

mehr ...

Sachwertanlagen

US-Justiz ermittelt gegen Hapag-Lloyd und Møller-Maersk

Sprechen die großen Reedereien im Hinterzimmer ihre Preise ab? US-Behörden haben eine Untersuchung gegen die Branche eingeleitet. Stellung nehmen soll auch der deutsche Container-Riese Hapag Lloyd.

mehr ...

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...