Anzeige
8. Oktober 2013, 07:40
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Offene Immobilienfonds: Neustart durch Neuregulierung und Betongold-Boom?

Offene Immobilienfonds haben sich nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre stabilisiert. Neue Regeln machen sie zu einem Investment, bei dem sich die Anleger für mindestens zwei Jahre binden müssen. Wie wollen sich die offenen Immobilienfonds künftig aufstellen?

Offene Immobilienfonds

Erich Seeger, Commerz Real: “Die neue Gesetzgebung bietet unserer Ansicht nach gute Rahmenbedingungen für die künftige Entwicklung der offenen Immobilienfonds.”

Es ist ein Paradigmenwechsel: Für offene Immobilienfonds gelten neue Regeln. Die Anlageform hat sich komplett gewandelt. Waren die Fonds bis Ende 2012 als täglich handelbare Produkte konzipiert, so müssen sich die Kunden bei Neuanlagen in einen offenen Immobilienfonds künftig auf jeden Fall für eine Frist von zwei Jahren binden. Zudem gilt eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten vor einer Anteilsrückgabe.

Diese neuen Regeln, die bereits seit Jahresanfang durch das Anlegerschutzgesetz vorgegeben wurden, fanden auch ihren Eingang in das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB), das am 22. Juli 2013 in Kraft trat, um verschiedene Anlageprodukte in Deutschland EU-konform zu gestalten.

Abwicklungswelle Grund für Neuregulierung

Der Grund für die vom Gesetzgeber verordnete Neuregulierung liegt in einer Abwicklungswelle, die im vergangenen Jahr ihren Abschluss fand und insgesamt zehn offene Immobilien-Publikumsfonds betrifft.

Sie alle mussten nach einer längeren Schließungsphase aufgrund von Liquiditätsmangel das Aus verkünden. Dabei galten die OIFs zuvor seit Jahrzehnten als ideales und sicheres Produkt gerade für Kleinanleger. Seit Auflegung des ersten offenen Immobilienfonds im Jahr 1959 bis Mitte der 2000er-Jahre hatten sie beständig positive Renditen erbracht.

Lehren aus der Schließungswelle

Die Finanz- und Wirtschaftskrise jedoch brachte die Fonds in erhebliche Schieflage. Sie fielen ihrem Schwachpunkt zum Opfer: Der Tatsache, dass für den Fall, dass viele Anleger ihr Kapital abziehen wollen, Immobilien nicht so kurzfristig veräußert werden können und die Fonds daher in Liquiditätsnot geraten.

Zahlreiche offene Immobilienfonds mussten die Anlegergelder zeitweise einfrieren. Obwohl vielen Fonds zumindest nach der ersten Schließungswelle die Wiedereröffnung gelang, konnten viele das Vertrauen der Anleger nicht dauerhaft wiedergewinnen.

Zehn Fonds mussten letztlich das Aus verkünden, darunter auch Schwergewichte wie der SEB Immoinvest und der CS Euroreal. Dieser Schwachpunkt soll nun durch die neuen Regeln beseitigt werden.

Reduzierung liquiditätsbedingter Schließungen

Nach Ansicht von Dr. Reinhard Kutscher, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Union Investment Real Estate, Hamburg, ist ein Missbrauch des Produktes durch kurzfristig orientierte Investoren mit größeren Anlagevolumina, wie er in der Vergangenheit in der Branche teilweise stattgefunden habe, nun künftig gesetzlich ausgeschlossen.

“Dafür sorgt die zweijährige Mindesthaltedauer in Verbindung mit einer einjährigen Kündigungsfrist. Die Wahrscheinlichkeit von liquiditätsbedingten Schließungen, die ein großes Ärgernis für Anleger sind, sollte dadurch deutlich reduziert werden”, betont Kutscher.

Gute Mittelzuflüsse für die “Big Four”

Bereits vor Einführung der neuen Regeln hatte sich der Markt der offenen Immobilienfonds nach dem Ende der Schließungswelle beruhigt. Übrig geblieben sind vor allem große, etablierte Fonds.

Im Wesentlichen bestimmen die “Big Four” den Markt der Publikums-Immobilienfonds: die Anbieter Commerz Real, Deka/ Westinvest, die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset & Wealth Management und Union Investment.

Ihre insgesamt neun Publikumsfonds konnten sich in der Krise behaupten und haben in den vergangenen zwölf Monaten Renditen zwischen 1,2 und 2,9 Prozent erzielt. Die großen Vier verbuchten auch im ersten Halbjahr 2013 gute Mittelzuflüsse.

Markt hat sich beruhigt

Deutliche Anzeichen, dass die Anleger den verbliebenen offenen Immobilienfonds weiter vertrauen und sich bisher auch nicht von Haltefristen abschrecken lassen. “Aktuell erkennen wir nicht, dass sich die Anleger durch Inkrafttreten des Gesetzes seit dem 22. Juli dieses Jahres in ihren Entscheidungen stark beeinflussen lassen”, so Erich Seeger, Mitglied des Vorstands der Commerz Real AG, Wiesbaden.

“Der Anleger hat verstanden, dass offene Immobilienfonds gerade in Zeiten mit niedrigen Zinsen und ausgeprägten Marktunsicherheiten eine nach wie vor interessante Anlagealternative sind. Darum gehört in jedes gut strukturierte Kundendepot ein Immobilienanteil mit geringer Volatilität.”

Anlagestrategie: Sicherheit zählt

Wie wollen sich die offenen Immobilienfonds künftig aufstellen? Entsprechend ihrer sicherheitsorientierten Ausrichtung stehen in erster Linie Core-Investments im Vordergund. “Für unsere drei Retailfonds suchen wir nach wie vor Objekte in sehr guten Lagen mit bonitätsstarken Mietern und langen Mietverträgen. Für unsere Spezialfonds suchen wir allerdings auch sehr gute Objekte außerhalb der Top-Lagen und den großen Immobilienstandorten”, sagt Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer von Deka Immobilien und West Invest.

Nach Aussage von Dr. Georg Allendorf, Managing Director der Deutschen Asset & Wealth Management, Frankfurt, stehen auch für die beiden Publikumfonds der Deutschen Asset & Wealth Management seit jeher Core-Investments im Fokus.

Der Investmentprozess setze auf langfristige Chancen und nicht auf kurzfristige Trends. “Beide Fonds fokussieren sich auf ihre regionalen Schwerpunkte, das heißt Grundbesitz Europa investiert ausschließlich in Europa inklusive Deutschland während Grundbesitz Global grundsätzlich außerhalb von Deutschland investiert. Beide Fonds streben eine breite regionale und sektorale Diversifizierung, eine hohe Vermietungsquote sowie eine solide Liquiditätsbasis an”, so Allendorf.

Hohes Preisniveau für Core-Objekte

Allerdings ist das Preisniveau für Core-Objekte aufgrund der hohen Nachfrage nach Immobilien derzeit hoch. “Core-Objekte werden in einigen der nachgefragten Kernländer zu teuer. Wir setzen uns deshalb mit Alternativen auseinander, ohne Abstriche bei der strukturellen Gebäudequalität hinzunehmen. Vereinzelt gehen wir den Weg über die Vorfinanzierung von Immobilienprojekten. Der Schwerpunkt unserer Neuankäufe wird für alle Fonds im Bürosegment liegen, ergänzt um renditestarke Einzelhandels-, Hotel- und Logistikobjekte”, erläutert Kutscher.

Seite zwei: Günstiges Umfeld für offene Immobilienfonds

Weiter lesen: 1 2

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Systematischer Rechnungs-Check-up spart Kosten

Bei der Prüfung der Sozialversicherungsträger-Regresse fällt fast jede dritte Forderung durch, die auf dem Schreibtisch der Haftpflichtversicherer landet. Durch eine systematische und medizinisch fundierte Kontrolle können etwa zehn Prozent der ursprünglich geforderten Beträge eingespart werden. Gastbeitrag von Olav Skowronnek, Actineo

mehr ...

Immobilien

Bauhauptgewerbe verzeichnet besten Jahresstart seit 1996

Das Bauhauptgewerbe startet erfolgreich in 2017, es verzeichnete zuletzt vor über 20 Jahren mehr Auftragseingänge zu Beginn eines Jahres. Im Vergleich zum Vormonat Dezember sind die Aufträge jedoch leicht gesunken.

mehr ...

Investmentfonds

Banken leihen sich von EZB 233,5 Milliarden Euro

Die europäischen Kreditinstitute haben vorerst die letzte Gelegenheit sehr stark genutzt, um sich zum Nullzins Kredite von der EZB zu besorgen. Auch in der Eurozone verdichten sich mittlerweile die Anzeichen für einen strafferen Notenbankkurs.

mehr ...

Berater

Sparkassen im Norden forcieren Online-Banking

Trotz wachsender Belastungen durch die Niedrigzinsen haben die Sparkassen in Schleswig-Holstein 2016 ihren Jahresüberschuss nach Steuern auf 143,2 Millionen Euro steigern können. Das teilt der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein mit. Um sinkenden Erträgen entgegenzuwirken, wollen die Sparkassen ihr digitales Angebots ausbauen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weitere Ausschüttung für Anleger der Deutschen Finance

Die Geschäftsführung des PPP Privilege Private Partners Fund des Asset Managers Deutsche Finance aus München wird den Anlegern nach einer erfolgreichen Zielfonds-Transaktion für das Geschäftsjahr 2017 eine Vorabausschüttung in Höhe von 15 Prozent vorschlagen.

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...