Anzeige
2. Juni 2015, 09:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Bestellerprinzip: Makler wollen Vermieter mit Serviceleistungen überzeugen

Am 1. Juni ist das Bestellerprinzip bundesweit in Kraft getreten, wonach bei Vermietung einer Wohnung derjenige den Makler bezahlen muss, der ihn beauftragt hat. Die Immobilienmakler stellen sich auf die neue Gesetzeslage ein, halten aber an einer Verfassungsbeschwerde fest.

Beratung-makler-shutt 45593038 in Bestellerprinzip: Makler wollen Vermieter mit Serviceleistungen überzeugen

Bei Vermietung einer Wohnung werden künftig mehrheitlich die Vermieter die Maklercourtage übernehmen müssen.

Dem Gesetz zum Bestellerprinzip zufolge soll künftig derjenige die Provision des Immobilienmaklers zahlen, der ihn beauftragt hat.

“Der Gesetzgeber hat in der Praxis aber kein echtes ‘Bestellerprinzip’ verabschiedet. Nach dem aktuellen Gesetz ist es praktisch nicht mehr möglich, dass ein Wohnungssuchender einen Makler provisionspflichtig beauftragt”, argumentiert Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands IVD. “Vielmehr ist ein vermieterfeindliches Gesetz entstanden, denn diese müssen künftig in 99 Prozent aller Fälle den Makler bezahlen. Damit kommen insgesamt mehrere hundert Millionen Euro Mehrbelastung auf Vermieter zu.”

Makler stellen sich auf neue Rahmenbedingungen ein

Die Mitglieder des IVD würden sich trotz aller Bedenken dem neuen Gesetz anpassen und die Vermietungsdienstleistung auf den Vermieter zuschneiden.

“Vielen Vermietern fehlt das spezifische Fachwissen, das nötig ist, um Mietverträge aufzusetzen, die richtige Miethöhe zu bestimmen und den richtigen Mieter auszuwählen”, sagt Schick. “Das kann zu Rechtsstreitigkeiten führen, die Mieter und Vermieter teuer zu stehen kommen. Die Vermittler entwickeln daher passgenaue Lösungen für die Vermieter, zum Beispiel die sichere Auswahl des Mietinteressenten, den Bonitätscheck oder die rechtliche Vorbereitung des Mietvertrages.”

Mieter können Makler faktisch kaum noch beauftragen

Mieter selbst werden nach Einschätzung von Schick künftig kaum mehr die Chance haben, einen Wohnungsvermittler zu beauftragen. “Das liegt vor allem daran, dass der Makler dem Mietsuchenden keine Wohnungen zeigen darf, die er schon in seinem Portfolio hat”, erläutert Schick.

“Wohnungen, die er dem Mieter in dessen Auftrag anbietet, darf er zudem keinem weiteren Interessenten zeigen. Das ist absurd, wenn man bedenkt, dass Wohnungssuchende in Deutschland in der Regel acht Wohnungen besichtigen, bevor sie sich für eine entscheiden.” Nach Ansicht des IVD werden Makler in der Konsequenz kaum noch Aufträge von Wohnungssuchenden annehmen können.

Erschwerend komme hinzu, dass sich das Angebot an Mietwohnungen verringern wird. “Einige – vor allem wenig internetaffine – Vermieter werden ihre Wohnungen in Zukunft unter der Hand weitergeben, um die Maklerkosten zu sparen. Wer eine Wohnung sucht, wird zukünftig ein geringeres Angebot vorfinden”, prognostiziert Schick.

IVD hält an Verfassungsbeschwerde fest

Der IVD will an der Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe festhalten. “Wir lehnen das rechtsunsichere Gesetz grundsätzlich ab. Das ‘falsche Bestellerprinzip’ verstößt nicht nur gegen den Koalitionsvertrag der Bundesregierung, sondern auch gegen die Berufsfreiheit”, so Schick weiter.

Der IVD sieht sich auch durch das Bundesverfassungsgericht bestätigt, obwohl ein Eilantrag gegen das Bestellerprinzip abgelehnt wurde.

Das Gericht habe eine umgehende Entscheidung schließlich mit dem Verweis abgelehnt, dass die vorgetragenen verfassungsrechtlichen Bedenken, insbesondere ob die Änderungen des Wohnungsvermittlungsgesetzes mit dem Grundrecht aus Artikel 12 Absatz 1 des Grundgesetzes in Einklang stehen, einer näheren Prüfung bedürfen.

Daher werde der IVD wird mit einer Klägergruppe von zwölf Maklerunternehmen die Verfassungsbeschwerde einlegen. (bk)

Foto: Shutterstock

 

 

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 5/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Europäische Aktien – Schwellenländer – digitaler Wandel – Neue Vertriebsregeln

Ab dem 27. April im Handel.

Rendite+ 1/2017 "Sachwertanlagen"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Hitliste der Produktanbieter – Top Five der Segmente – Immobilienmarkt

Versicherungen

DFV feiert Zehnjähriges

Mit einem Festakt in der Alten Oper in Frankfurt am Main hat die DFV Deutsche Familienversicherung ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier gratulierte Unternehmenschef Dr. Stefan M. Knoll und der Belegschaft und würdigte die unternehmerische Leistung und Weitsicht der Gründer.

mehr ...

Immobilien

Europace: Transaktionsvolumen wächst zweistellig

Das Transaktionsvolumen des Marktplatzes Europace ist im ersten Quartal 2017 nach Angaben des Unternehmens zweistellig gewachsen. Die Teilmarktplätze für Regionalbanken, Genopace und Finmas, bauten ihren Anteil an der technologiebasierten Baufinanzierung mit zweistelligen Wachstumsraten aus.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche AM sieht Unsicherheit vor der Frankreich-Wahl

Am Sonntag startet der erste Urnengang bei der Präsidentenwahl in Frankreich. Aktuell sind die Märkte deutlich verunsichert über den Ausgang des Votums. Von Bedeutung ist Frankreich mit Sicherheit, da die Wirtschaft nach Deutschland eine führende Rolle in der Europäischen Union einnimmt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Schiffsfonds-Prospektklage: Pool-Details nicht erforderlich

Wird ein Fondsschiff in einem Pool mit anderen Frachtern beschäftigt und der Anleger über die damit verbundenen grundsätzlichen Risiken korrekt aufgeklärt, sind im Fondsprospekt Details zu den anderen Pool-Schiffen nicht erforderlich.

mehr ...

Recht

Ausgleichsanspruch: LV-Kapitalzahlung keine “Einkunft aus Gewerbebetrieb”

Sollen Leistungen aus einer Lebensversicherung an die Stelle eines Ausgleichsanspruchs treten, darf die LV-Kapitalzahlung nicht den Einkünften aus Gewerbebetrieb zugeordnet werden. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil.

mehr ...