10. Dezember 2012, 16:49

Ausblick für Europa: „Nicht in Details verlieren“

Philippe Uzan, Chief Investment Officer bei Edmond de Rothschild Asset Management in Paris, kommentiert die Aussichten 2013 für Europa.

Uzan-Edmond-de-Rothschild in Ausblick für Europa: „Nicht in Details verlieren“

Philippe Uzan, CIO Edmond de Rothschild AM

Konzentriert man sich einzig auf die volkswirtschaftlichen Zahlen, ist die Lage in der Tat düster. Die Wachstumsprognosen sind nicht gerade ermutigend, vor allem in Ländern, die ein konsequentes Sparprogramm durchziehen. Doch mit etwas Distanz hat Europa den Effekt eines impressionistischen Gemäldes: Fokussiert man sich auf die Details, so entgeht einem das Gesamtbild.

Mittlerweile sind eine Reihe neuer Faktoren im Spiel, die dazu beigetragen haben, das systemische Risiko zu reduzieren und das Vertrauen zum Teil wiederherzustellen. Der wichtigste Akteur ist zweifelsohne die Europäische Zentralbank.

Eckpfeiler EZB

Ihr Vorsitzender Mario Draghi hat es geschafft, eine dreifache politische Wende hinzulegen. Damit ist die EZB der Eckpfeiler der Pläne für eine Bankenunion. Die EZB bleibt nicht nur die Bank der europäischen Banken, sondern hat jetzt auch die Befugnis, die nationalen Banken zu regulieren, zu überwachen und sogar zu maßregeln. Ziel ist es, den Teufelskreis zwischen Länderrisiko und Bankenrisiko zu durchbrechen.

Zudem unterstreicht das Anleihekaufprogramm Outright Monetary Transaction (OMT) eine zweifache Neuausrichtung der EZB-Politik: Zum einen ist das Mandat der Bank jetzt nicht mehr auf Preisstabilität beschränkt, sondern umfasst auch Maßnahmen bei Krisen der Gemeinschaftswährung.

Zum anderen hat die EZB ihre Rolle als sogenannter Lender of Last Resort für die Mitgliedstaaten akzeptiert, wenn auch im engen Rahmen eines von den europäischen Institutionen mitgetragenen Programms.

Hoffnung für Europa

Weitere Erleichterung brachte die Absegnung des ständigen europäischen Stabilitätsmechanismus ESM durch das deutsche Bundesverfassungsgericht. Insofern ist es um Europa gar nicht so schlecht bestellt, wenn man sich mal die positiven Signale dieser Maßnahmen genauer anschaut.

Und entgegen den Unkenrufen der EWU-Kritiker, die noch vor Kurzem das Ende der Eurozone beschworen hatten, ist bislang keiner der „Club-Med-Staaten“ pleite gegangen.

Hohe Renditen auf Aktien…

Ist Europa damit aus dem Schneider? Sicherlich nicht, jedenfalls noch nicht. Doch der Zeitpunkt ist auf jeden Fall günstig, um Chancen bei risikoreichen Werten zu nutzen. Bei der Diskussion über Europa werden häufig Mikro- und Makrodaten in einen Topf geworfen und die Schwierigkeiten einzelner Länder mit dem Zustand der Eurozone insgesamt gleichgesetzt.

Doch die europäischen Unternehmen waren bisher flexibel genug, um sich den Krisenbedingungen anzupassen. Seit 2008 haben sie immense Anstrengungen unternommen, um ihre Bilanzen zu sanieren und Liquiditätsberge anzuhäufen.

In Europa gibt es zahllose herausragende Unternehmen, ob multinationale Konzerne oder innovative KMU. Made in Europe gilt an ausländischen Märkten – die immerhin 50 Prozent der Umsätze von Large Caps ausmachen – als Qualitätssiegel.

Vor diesem Hintergrund ist die Abneigung gegenüber europäischen Aktien vor allem auf das makroökonomische Umfeld und weniger auf die Fundamentaldaten zurückzuführen.

Seite zwei: Vorteile von Euroaktien

Weiter lesen: 1 2


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Meinung


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 05/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflege: Kampf gegen die Pflegelücke – Mehr Schub für Sachwerte – Bausparen – Integration schafft Investition

Ab dem 21. April 2016 im Handel.

Rendite+ 1/2016 „Sachwertanlagen“

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Hitliste der Produktanbieter - Alle Produkte im Überblick - Anlagechancen

Ab dem 24. März im Handel.

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

“Keine ausgedehnte Wartezeit zugunsten reduzierter Risikoprüfung”

Viele Makler fordern von Versicherern einen Verzicht oder zumindest eine Reduzierung von Gesundheitsfragen. Im Cash.-Interview erklärt LV-1871-Produktvorstand Dr. Klaus Math warum er dies kritisch sieht und sagt, welche Rolle die Preiskalkulation beim Überwinden der Abschlusshürde spielt.

mehr ...

Immobilien

Ältere Menschen wohnen großzügiger

Durch den demografischen Wandel erhöht sich die Anzahl der Einpersonen-Haushalte, damit steigt laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IDW) auch die durchschnittliche Wohnfläche.

mehr ...

Investmentfonds

Schwarzer Peter liegt nun wieder bei der EZB

Erwartungsgemäß hat die amerikanische Notenbank FED heute die Leitzinsen unangetastet gelassen. Was soll sie auch anderes tun? Gastkommentar von Dr. Otmar Lang, Targobank.

mehr ...

Berater

Blau direkt: Partnerbeirat neu gewählt

Wie der Lübecker Maklerpool Blau direkt mitteilt, ist sein Partnerbeirat neu gewählt worden. Das Gremium setzt sich aus Maklern und Versicherern zusammen und wird alle zwei Jahre von den Geschäftspartnern des Pools neu gewählt. Die Wahlbeteiligung fiel demnach hoch aus.

mehr ...

Sachwertanlagen

Neuer Spezial-AIF von Project im Vertrieb

Project Investment startet mit Metropolen SP 2 einen neuen Immobilienentwicklungsfonds für semi-professionelle Investoren. Der rein eigenkapitalbasierte Spezial-AIF umfasst ein geplantes Fondsvolumen von 40 Millionen Euro.

mehr ...

Recht

PKV-Tarifwechsel: Höherer Beitrag für mehr Leistung

Kann ein privater Krankenversicherer bei einem Tarifwechsel des Versicherungsnehmers im Zieltarif einen Leistungsausschluss verlangen, braucht bei dem Versicherungsnehmer kein erhöhtes Risiko vorzuliegen. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor.

mehr ...