Anzeige
21. Mai 2012, 11:12
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Europa: Steht der Grexit bevor?

Griechenland ist nach den Wahlen nun wieder zur unmittelbarsten Sorge Europas geworden, sowohl für die Märkte als auch für die Politiker. Das griechische Rettungsprogramm wird in Frage gestellt.

Europa

Gastkommentar: Chris Iggo, Axa Investment Managers

Die ergebnislosen Parlamentswahlen in Griechenland am 6. Mai haben dazu geführt, dass eine Unterbrechung oder Aussetzung des griechischen Rettungsprogramms zu einem realistischeren Szenario wurde. Das Fehlen einer glaubwürdigen Regierung beziehungsweise die Wahl einer Anti-EU-Regierung nach den Neuwahlen könnten bedeuten, dass Athen nicht in der Lage ist, weiterhin die Finanz- und Strukturreformen durchzustehen, und dass die Troika (EU, Internationaler Währungsfonds (IWF) und Europäische Zentralbank (EZB)) die Zahlungen an Griechenland aussetzen wird.

Dies würde die unmittelbare Notwendigkeit nach sich ziehen, das Haushaltsdefizit durch eine drastische Kürzung der Staatsausgaben auszugleichen. Das bedeutet die mögliche Aussetzung der Zahlungen an Angestellte des öffentlichen Dienstes, an Rentner und andere Sozialleistungs-Empfänger, sowie an Lieferanten des öffentlichen Sektors. Die Aktivitäten in Griechenland würden zusammenbrechen.

Ob Griechenland allerdings in der EU bleibt oder nicht, hängt davon ab was die EZB zu tun bereit ist. Sie könnte griechischen Banken weiterhin Liquidität zur Verfügung stellen, was ein gewisses Funktionieren der Wirtschaft weiterhin ermöglichen würde. Letztlich wäre dies jedoch eine politische Entscheidung, und es könnte sein, dass die EU-Staats- und Regierungschefs nun die Geduld mit Griechenland verloren haben und sich dazu entscheiden, die EZB daran zu hindern, die Notfall-Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Daher ist die Wahrscheinlichkeit eines Austritts Griechenlands jetzt höher als noch vor den Wahlen. Die Folgen eines solchen Ereignisses sind schwer zu quantifizieren. Es würde wahrscheinlich zu einem Ausfall der Schulden gegenüber der EU und der EZB führen, sowie der übrigen griechischen Anleihen, die sich in den Händen des Privatsektors befinden (vor allem griechischer Banken). Es gäbe Ansteckungs-Tendenzen in anderen Peripherieländern, insbesondere Portugal, Irland, Spanien und Italien.

Aktuelle Trends bei Spreads, Banken-Risiken und dem Euro würden sich demnächst vermutlich beschleunigen. Es muss jedoch betont werden, dass es in erster Linie in den Händen der griechischen Politiker und wie sie die Forderungen und Ziele der griechischen Bevölkerung zu reflektieren gedenken liegt, ob Griechenland den Euroraum verlassen wird oder nicht. Die EU wird einen Austritt Griechenlands nur dann sanktionieren, wenn ganz klar ist, dass Griechenland nicht bereit ist, die Bedingungen des Programms zu erfüllen.

Autor Chris Iggo ist CIO Fixed Income bei Axa Investment Managers.

Foto: Shutterstock

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Gerüchteküche um Generali brodelt

Um den italienischen Versicherer Generali ranken sich neue Übernahmegerüchte. Die italienische Tageszeitung “La Repubblica” berichtete am Dienstag, die Bank Intesa Sanpaolo erwäge ein Übernahmeangebot für Generali. Die Aktien des Versicherers trieb das in die Höhe.

mehr ...

Immobilien

Immobilienfinanzierung wird digitaler

Die Digitalisierung nimmt in der Immobilienfinanzierung einen immer höheren Stellenwert ein. Der Gesamtmarkt für Immobilienfinanzierungen ist im Jahr 2016 unter dem Vorjahr geblieben. Nach eigenen Angaben konnte der Marktplatz Europace dennoch wachsen.

mehr ...

Investmentfonds

Danske-Invest sieht Osteuropa-Aktien positiv

Im Jahr 2016 entwickelten sich die osteuropäischen Aktienmärkte keinesfalls einheitlich. Insgesamt ist die Bewertung immer noch noch attraktiv.

mehr ...

Berater

Knip, Clark & Co.: Neue Bedrohung für die Maklerbestände

Das Geschäftsmodell von Insurtechs ist faktisch tot. Das ist ein gut gehütetes, aber dem Grunde nach trotzdem offenes Geheimnis. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die App-Anbieter dies erkannt und ihre Strategie modifiziert haben. Deren Sprengkraft ist noch bedrohlicher.

Die Pradetto-Kolumne

mehr ...

Sachwertanlagen

ZBI baut Geschäftsfeld Projektentwicklung aus

Die ZBI Zentral Boden Immobilien Gruppe hat 2016 im Geschäftsfeld Projektentwicklung/Bauträger etwa 460 Wohneinheiten für insgesamt rund 90 Millionen Euro verkauft (Vorjahr 80 Millionen Euro) und die Projektpipeline um ein Drittel ausgebaut.

mehr ...

Recht

Berufshaftpflichtschutz verloren: Architekt versus Anwalt

Aufgrund einer Pflichtverletzung aus dem Anwaltsvertrag verlor ein Architekt in einem Haftpflichtverfahren seinen Versicherungsschutz. Daraufhin klagte er gegen seinen Anwalt auf Zahlung von Schadensersatz. Doch kam ihm die Verjährung in die Quere.

mehr ...