Anzeige
Anzeige
12. Juli 2012, 12:59
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Die lautlose Entschuldung

Die meisten Industriestaaten haben ein Problem. Während das Wirtschaftswachstum nachlässt, türmen sich die staatlichen Schuldenberge auf.

Kolumne Naumer

Gastkommentar: Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

Beispiel Euroraum. Hier liegt die Schuldenquote bei 90 Prozent. Bei Gesamtschulden in der Europäischen Währungsunion von 8.215,30 Milliarden Euro sind das pro Einwohner circa 24.682,46 Euro – und es werden mehr. Jede Sekunde kommen weitere 12.594,84 Euro dazu. Doch: Wie gelingt der Abstieg von diesem Schuldenberg?

Die Antwort heißt „finanzielle Repression“. Weniger akademisch ließe sich auch sagen: Die Anleihegläubiger und Sparer zahlen die Zeche. Finanzielle Repression wirkt beim Abbau staatlicher Schulden lautlos und viel sanfter als ein Schuldenschnitt, ein sogenannter Haircut.

Historisch betrachtet ist das kein Novum. Der Blick in die lange US-amerikanische Geschichte zeigt den Erfolg: Dort waren die Schulden als Folge der Großen Depression und des 2. Weltkrieges Mitte der 40er-Jahre auf 122 Prozent des Bruttoinlandsproduktes geklettert. Bis Mitte der 70er Jahre gelang allerdings der Abstieg in Richtung 30 Prozent.

Was war passiert? Über Jahrzehnte lagen die Anleiherenditen unter den Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts in den USA. Das ist die Blaupause für eine finanzielle Repression: Ein Staat wächst förmlich aus seinen Schulden heraus, wenn das reale Wachstum des Bruttoinlandsprodukts die (reale) Zinsbelastung übersteigt. Tatsächlich lag in den USA die Realrendite zwischen 1945 und 1980 in zwei Drittel der Fälle unter einem Prozent. Die Grundvoraussetzungen, dass es heute wieder funktioniert sind bereits gegeben. Nach Inflation betrachtet liegen beispielsweise in den USA und Deutschland die Renditen unter den Wachstumsraten.

Treiber sind die Zentralbanken, welche die Leitzinsen immer weiter nach unten geschleust und mit sogenannten quantitativen Lockerungen selbst Anleihen gekauft beziehungsweise die Liquidität zum Kauf bereit gestellt haben. Die Europäische Zentralbank verfügt durch direkte Anleihekäufe mittlerweile über knapp drei Prozent der ausstehenden Anleihen der Euro-Staaten. Die beiden langfristigen Tender stellten eine zusätzliche Liquidität im Umfang von einer Billion Euro zur Verfügung. Knapp die Hälfte davon floss direkt oder indirekt in den Kauf von Staatsanleihen. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Zinsstrukturkurven sanken über alle Laufzeiten merklich.

Hans-Jörg Naumer schreibt als Kolumnist im Cash.-Magazin über aktuelle Themen der Kapitalmärkte. Naumer ist seit 2000 Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Allianz Global Investors KAG (AGI), Frankfurt.

Foto: Allianz GI

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

“Schäden aus Arzt- oder Produkthaftung sind kostenintensiv”

Cash. sprach mit Roland Roider, Vorstand der Haftpflichtkasse Darmstadt, über die Sensibilisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen für die Notwendigkeit einer Gewerbehaftpflichtversicherung und die Erfolgsquote vor Gericht beim passiven Rechtsschutz.

mehr ...

Immobilien

Crowdinvesting: “Gutes Rendite-Risiko-Profil”

Welche Vorteile bietet Crowdinvesting gegenüber anderen Anlageformen in Immobilien? Cash. sprach mit Lasse Kammer, Geschäftsführer bei Reabiz Crowd Capital.

mehr ...

Investmentfonds

Hans-Werner Sinn: “USA soll sich an die eigene Nase fassen”

Bereits seit Wochen übt US-Präsident Donald Trump harsche Kritik am deutschen Handelsbilanzüberschuss und wirft der Bundesrepublik “Währungsmanipulation” vor. Der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn stellt in einem aktuellen Kommentar eine völlig andere Diagnose.

mehr ...

Berater

Fonds Finanz: “Maklern mehr Heimat bieten”

Am 28. März nahmen mehr als 4.800 Besucher an der elften Auflage der Makler- und Mehrfachagentenmesse (MMM-Messe) der Münchener Fonds Finanz teil. Der Maklerpool stellte im Rahmen der Veranstaltung die vorläufigen Geschäftszahlen für 2016 vor und startete gleich zwei neue Projekte zur Bindung von Vermittlern.

mehr ...

Sachwertanlagen

Offshore-Strom legt deutlich zu

Lange fehlten oft die Verkabelungen, um den aus See produzierten Strom an Land zu bringen. Doch jetzt scheinen die Offshore-Windparks ihren Beitrag zur Stromerzeugung in einem deutlich größeren Umfang zu leisten.

mehr ...

Recht

Makler oder Mehrfach-Agent? Versicherungsnehmer ist beweisbelastet

Für die Behauptung, ein Versicherungsvermittler, der die Antragsfragen aufgenommen hat, sei als Mehrfach-Agent tätig geworden, ist der Versicherungsnehmer beweisbelastet. Dies entschied das Oberlandesgericht Dresden in einem aktuellen Urteil.

mehr ...