19. November 2012, 11:47

Viele Köche und ein dürftiges Menü

Die Küssner-Kolumne: In Großbritannien geht im neuen Jahr die Retail Distribution Review (RDR) an den Start, die Provisionen an Finanzvermittler beim Verkauf von Fonds verbietet. Deutschland hat sich lange gegen eine solche Regelung gesträubt.

Küssner

Von Achim Küssner, Geschäftsführer der Schroder Investment Management GmbH

Doch nun scheinen sich auf europäischer Ebene so etwas wie erste Ergebnisse abzuzeichnen. Die Provisionszahlung für Berater ist offenbar der willkommene Hebel, mit dem die Politik die Anleger vor falschen Investments schützen will – und das soll nun am besten bald in MIFID II in irgendeiner Form umgesetzt werden. Immerhin wurde schon im Oktober 2011 den EU-Parlamentariern ein Vorschlag zur Verschärfung des rechtlichen Rahmens für die Anlageberatung vorgelegt, die in der Zwischenzeit viele verschiedene Formen angenommen hat.

Erst war von einem generellen Verbot für Provisionszahlungen die Rede, was den Blätterwald gewaltig rauschen ließ. Das war dann aber auch bald wieder vom Tisch. Nun scheint man sich die Niederländer und die Briten, die sich in Europa insgesamt als Regulierungsmeister hervortun, zum Vorbild zu nehmen. Ähnlich wie bei RDR soll nun auch bei MIFID II zwischen „abhängiger“ und „unabhängiger“ Beratung unterschieden werden. Das heißt: Berater, die sich unabhängig nennen, dürfen – anders als ihre abhängigen Kollegen – dann mit MIFID II keine Provisionszahlungen mehr entgegen nehmen. Ein paar Sitzungen vorher war man übrigens schon mal so weit.

Sollte diese Regelung dann tatsächlich zeitnah endgültig verabschiedet werden, dauert es noch mindestens bis 2015, bis sie auch umgesetzt werden muss. Außerdem wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Bei den europäischen Gesetzgebern wird nach aktionistischem Zusammenrühren aber gerne auch mal etwas zerkocht. Das kann man bei den MIFID II-Chefköchen gerade ganz gut beobachten. Denn wie ein guter Koch, sollte auch ein Gesetzgeber erst alle Zutaten haben, bevor er loslegt. Doch das scheint man in Brüssel versäumt zu haben. Die noch nicht verabschiedete Regelung enthält nämlich einen charmanten Fehler in der Rezeptur: Bisher ist der Begriff des unabhängigen Finanzberaters noch nicht juristisch definiert.

Wird es damit irgendwann einmal eine gesetzliche Regelung geben, bei der klar ist, für wen sie verbindlich gilt? Der Raum für Schlupflöcher ist ohnehin schon vorprogrammiert. Wer kann einem Berater schließlich verbieten, auf den Zusatz „unabhängig“ zu verzichten? Auch eine andere Möglichkeit wäre denkbar. Zum Beispiel könnten sich verschiedene unabhängige Berater auf einer Plattform zusammenschließen. Die Provisionen könnten dann über die Plattform vereinnahmt werden und würden dann nicht direkt an einen Berater gehen.

Weiter lesen: 1 2



Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Meinung


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Special 3/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Wohnimmobilien-Report – Denkmalobjekte – Smart Cities – Family Offices – Ferienimmobilien

ab dem 4. September im Handel

09/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset-Fonds – Fondspolicen – Deutschland-Immobilien – Baufinanzierung – Immobilienübertragung

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

“Mit Leistungskürzungen ist zu rechnen”

In der Lebensversicherung sind trotz ausgesprochener Garantien, Leistungskürzungen zu erwarten, meint der Analyst Dr. Carsten Zielke, Inhaber des Beratungshauses Zielke Research Consult. Cash. sprach mit ihm über die Herausforderungen, die sich für die Assekuranz in der Kapitalanlage und speziell in der Finanzierung von Infrastrukturprojekten stellen.

mehr ...

Immobilien

Ergebnisanstieg bei Deutscher Hypo

Die Deutsche Hypothekenbank hat im ersten Halbjahr 2014 das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit erneut gesteigert.

mehr ...
27.08.2014

Sylt im Wandel

Investmentfonds

Deutsche Bank verkauft die meisten Zertifikate

In Deutschland haben sich die Marktanteile der Zertifikate-Emittenten verschoben. Das berichtet der Deutsche Derivate Verband (DDV), Frankfurt. Ganz vorn ist nun die Deutsche Bank.

mehr ...

Berater

“In der bAV erwarten wir einen echten Schub”

Cash. sprach mit Elmar Kausch, Geschäftsführer der Vertriebsgesellschaft der Deutschen Bank Privat- und Geschäftskunden, über die strategischen Ziele des Mobilen Vertriebs, Regulierung sowie Qualifizierung der selbstständigen Berater.

mehr ...

Sachwertanlagen

MPC Capital wieder im Plus

Das Emissionshaus MPC Capital konnte im ersten Halbjahr 2014 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) in Höhe von 2,1 Millionen Euro erzielen (Vorjahreszeitraum: -993.000 Euro). Der Konzerngewinn stieg auf 995.000 Euro (-3,8 Millionen Euro).

mehr ...

Recht

Die Familie mit dem Berliner Testament absichern

Wollen Ehepartner ein Testament errichten, bietet sich in vielen Fällen das “Berliner Testament” an, eine besondere Form des Ehegattentestaments. Doch Vorsicht: Bei einer solchen Verfügung können unerwartete rechtliche und steuerliche Fallstricke drohen, wenn sie nicht umsichtig gestaltet wird.

Gastbeitrag von Dr. Anton Steiner, Deutsches Forum für Erbrecht e.V.

mehr ...