17. Dezember 2012, 11:23

Mit der Fed ist immer Weihnachten

Die Halver-Kolumne: Mehr geldpolitische Geschenke haben die US-Banken noch nie in Empfang nehmen können, obwohl sie doch schon bisher nicht zu kurz gekommen sind.

 

Robert Halver

Robert Halver, Baader Bank

Als ich noch jung war, habe ich mich an Weihnachten vor allem immer über Bargeldgeschenke gefreut. Selbstverständlich konnte und wollte ich meine Freude über Socken, Hosen oder Pullover auch nicht verbergen. Dennoch, mit dem schnöden Mammon konnte ich nach den besinnlichen Tagen die tatsächlichen Objekte der Begierde der High Tech- und Musikindustrie erwerben. Keine Frage, für dieses ganz persönliche Weihnachten 2.0 war ich dem Weihnachtsmann immer sehr dankbar.

Apropos Weihnachtsmann, ich frage mich, warum Ben Bernanke als Chef der US-Notenbank auf der letzten Sitzung der Fed nicht im roten Santa Claus-Outfit erschienen ist. Denn mehr geldpolitische Geschenke haben die US-Banken noch nie in Empfang nehmen können, obwohl sie doch schon bisher nicht zu kurz gekommen sind.

Ben, nie war er so spendabel wie heute

Die Großzügigkeit von Santa-Ben kennt offenbar keine Grenzen. Denn selbst nach den Feiertagen ist die Zeit des Schenkens definitiv nicht vorbei. So wie es Perma-Frost gibt, gibt es bei der Fed Perma-Liquidität in Form nicht enden wollender Aufkäufe von Hypotheken- und Staatsanleihen.

Und die guten Gaben gibt Santa-Ben eigentlich umsonst. Noch zu meiner Zeit als Kind – ich erinnere mich genau – waren die guten Gaben immer an klare Gegenleistungen geknüpft: Ich sollte lieb, nett und brav sowie in der Schule immer fleißig sein. Ansonsten – auch Sie werden sich erinnern – wurde auf Knecht Ruprecht verwiesen, der als Alternative zu Geschenken auch die respekteinflößende Rute bereithielt.

Und heute? Santa-Ben tritt heute nur noch einzeln, ohne seinen Knecht, sozusagen anforderungslos auf. Es wird zwar über Werte von Inflation und Arbeitslosigkeit fabuliert, die als Maßgrößen für ein vermeintliches Ende der Niedrigzinspolitik herhalten müssen. Dass diese jedoch ungefähr so präzise wie eine streuende Schrotflinte sind und man sich dabei auch noch alle erdenklichen Hintertürchen offen gelassen hat, verschweigt des Zentralbankers Höflichkeit.

Süßer die Schulden nie klingen

Doch diese verklausulierte, an wachsweiche Bedingungen geknüpfte Zinspolitik hat nur einen Zweck. Sie soll als nebelwerfende Wunderkerze die Aufmerksamkeit des Finanzpublikums auf sich ziehen und davon ablenken, dass die gute alte Fed Völlerei wie an der Weihnachtstafel betreibt. Mit ihren Staatsanleiheaufkäufen deckt sie über ein Drittel des laufenden Staatsdefizits ab.

So verhindert sie die Misstöne an den Anleihemärkten in Amerika mit viel geldpolitisch süßem Glockenklang. Damit ist der Weg für neue Schulden frei geräumt wie die winterliche Straße durch den Streudienst. Also an der Geldpolitik wird das Umschiffen der fiskalischen Klippe in den USA definitiv nicht scheitern.

Eigentlich gibt es nur ein Risiko: Hoffen wir, dass die Maschinisten an den Notenpressen nicht gewerkschaftlich organisiert sind und bei der Auslieferung der Geschenke streiken.

 

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

Foto: Baader Bank



Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Meinung


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

08/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Indexfonds – Existenzsicherung – Erneuerbare Energien – Immobilienaktien – Vertriebshitliste

ab 17. Juli im Handel

07/2014

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biometrie-Offensive – IT-Innovationen – US-Immobilien – Private Equity – Initiative "gut beraten"

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Allianz: Neue Vorstandsposition für Politik und Verbände

Birgit Grundmann (55) übernimmt am 1. September 2014 die neu geschaffene Position Vorstandsbevollmächtigte Politik und Verbände bei der Allianz Deutschland in München. Sie berichtet direkt an den Vorstandsvorsitzenden Markus Rieß.

mehr ...

Immobilien

Führung der Schroders-Immobiliensparte verstärkt sich

Chris Ludlam ist zum Head of Real Estate Capital bei Schroder Property ernannt worden. In dieser neu geschaffenen Position wird er vor allem für die Kapitalbeschaffung verantwortlich zeichnen, das Neugeschäft weiter vorantreiben sowie strategische Partnerschaften und Joint Ventures ausbauen.

mehr ...

Investmentfonds

S&P bemängelt Fondsmanager

Knapp 63 Prozent der deutschen Aktienfonds liefen 2013 ihren Vergleichsindizes hinterher. Das vermeldet der US-amerikanische Indexanbieter Standard & Poor’s.

mehr ...

Berater

Honoraranlageberatungsgesetz: DK kritisiert Sonderbehandlung

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) begrüßt die Entscheidung des Gesetzgebers, mit dem Honoraranlageberatungsgesetz den rechtlichen Rahmen für die Honorarberatung vorzugeben. Der Verband moniert jedoch die aufsichtsrechliche Sonderbehandlung freier Berater.

mehr ...

Sachwertanlagen

MPC Capital trennt sich von Immobilie in Wien

Der Investment- und Asset-Manager MPC Capital hat den Millennium Tower sowie die Millennium City mit Shopping Mall und Entertainment Center in Wien an ein internationales Konsortium verkauft.

mehr ...

Recht

LV-Fondspolice – Kapitalanlage oder “nur” Versicherung?

Bei der Vermittlung von fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung haftet der Vermittler grundsätzlich nicht nach den strengeren Kapitalanlagegrundsätzen, so das OLG Köln in einer aktuellen Entscheidung.

Gastbeitrag von Daniel Berger, Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte

mehr ...