Anzeige
5. April 2013, 15:40
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Fundamentaldaten oder Börsenstimmung ­ – was treibt die Aktien?

Jeden Tag erklären uns Finanzexperten und -gurus, in welche Anlagen man investieren sollte und in welche nicht. Grundsätzlich kann man dabei zwischen Psychologen und Fundamentalisten unterscheiden.

Gastbeitrag: Florian Esterer, Mainfirst Asset Management

Esterer-Florian-Mainfirst-408-255x300 in Fundamentaldaten oder Börsenstimmung ­ – was treibt die Aktien?

Florian Esterer, Mainfirst

Für die Ersteren sind Aktienpreise das Ergebnis von Angebot und Nachfrage an den Finanzmärkten und damit abhängig von der sich verändernden Börsenstimmung. Für die Fundamentalisten repräsentieren Aktien hingegen Anteile an Unternehmen, deren Gewinne sich verändern, und eventuell in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Natürlich sind beide Einflüsse bedeutend für die zukünftige Entwicklung, und mathematisch kann man eine Aktienrendite abschließend erklären durch Gewinnwachstum, Dividendenrendite sowie die Veränderung der Bewertung als Maß der Börsenstimmung.

Dynamische Faktorgewichte

Die Faktoren sind allerdings nicht gleichbedeutend, vielmehr verändert sich ihre Bedeutung mit der Haltedauer einer Investition. Wir haben ein Universum von europäischen Unternehmen über die letzten 25 Jahre analysiert. Es wurde gemessen, wie stark die Renditeunterschiede zwischen den Aktien durch das Gewinnwachstum, die Veränderung der Bewertung oder die Dividendenrendite erklärt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass man sich – sofern man eine Position kürzer als ein Jahr halten will – über das Gewinnwachstum weniger Gedanken machen braucht. Vielmehr gilt es zu erkennen, in welche Richtung sich die Bewertung verändern wird. Im Gegenzug ist bei Haltedauern von drei Jahren und länger hauptsächlich das Gewinnwachstum tragend. Die Dividendenrendite schließlich erklärt nur einen kleinen Teil der Unterschiede. Ein langfristig agierender Investor wie Warren Buffett ist daher zurecht an einem ausreichenden Gewinnwachstum interessiert und auch bereit, etwas mehr dafür bezahlen. Ein Börsenhändler muss demgegenüber nur erkennen, wie sich die Bewertung entwickeln wird.

Aber hier ist die Analyse etwas irreführend, denn die Veränderung der Bewertung kann auch bedeuten, dass eine Aktie noch teurer wird. Wir wissen aber, dass günstig bewertete Aktien über längere Sicht eine bessere Rendite erwarten lassen. Die Frage ist, wie lange man im Durchschnitt eine Aktie halten muss, bevor sie von diesen Effekten profitieren kann. Die Tabelle zeigt die optimale Haltedauer für verschiedene Anlagestrategien mit einem europäischen Universum:

Tab2 in Fundamentaldaten oder Börsenstimmung ­ – was treibt die Aktien?

Für Anleger mit kurzem Anlagehorizont spielen kurzfristige Informationen, welche die Börsenmeinung beeinflussen, ein wichtige Rolle: Ob Gewinnerwartungen von den Analysten nach oben revidiert werden, oder ob Unternehmen die Gewinnerwartungen übertreffen konnten. Über mittlere Frist sind es eher niedrige Bewertungen, die für eine Investition sprechen, und in der langfristigen Betrachtung sollten die Bilanzkennziffern und die Unternehmensqualität stimmen. Das Erkennen des eigenen Anlagehorizonts ist der wichtigste Schritt in einem Anlageprozess, denn daran richtet sich die zu wählende Anlagestrategie aus. Wenn Horizont und Strategie nicht überein stimmen, werden Aktien zu früh oder zu spät verkauft und Renditemöglichkeiten gehen verloren.

Abschließend gilt: Nur wer seinen Anlagehorizont kennt und seine Anlagestrategie entsprechend daran ausrichtet, wird erfolgreich sein. Zumal der Horizont auch bestimmt, in welchen Abständen der Erfolg gemessen werden sollte. Nicht jeder Anleger sollte dem Investmentansatz von Warren Buffett folgen – der macht dies umgekehrt auch nicht.

 

Autor Florian Esterer arbeitet als Portfolio Manager bei Mainfirst Asset Management in Frankfurt.

Foto: Mainfirst

 

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

VZBV: “Restschuldversicherungen sind maßlos überteuert”

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert, dass Restschuldversicherungen künftig nur noch separat und nicht gekoppelt an Kreditverträge vermittelt werden dürfen. Das sollte nach dem Willen der Verbraucherschützer im Umsetzungsgesetz der EU-Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verankert werden.

mehr ...

Immobilien

Bauhauptgewerbe verzeichnet besten Jahresstart seit 1996

Das Bauhauptgewerbe startet erfolgreich in 2017, es verzeichnete zuletzt vor über 20 Jahren mehr Auftragseingänge zu Beginn eines Jahres. Im Vergleich zum Vormonat Dezember sind die Aufträge jedoch leicht gesunken.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Die Deutsche Börse plant kurzfristig Einsparungen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Zudem gilt zunächst ein Einstellungsstopp für fast alle Bereiche. Der Konzern reagiert damit auf sinkende Umsätze und das erwartete Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE).

mehr ...

Berater

Patientenverfügung: BGH präzisiert Anforderungen

Im Einzelfall kann sich die erforderliche Konkretisierung in einer Patientenverfügung auch durch Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen ergeben – ohne detaillierte Benennung bestimmter ärztlicher Maßnahmen. Das geht aus einem aktuellen Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weitere Ausschüttung für Anleger der Deutschen Finance

Die Geschäftsführung des PPP Privilege Private Partners Fund des Asset Managers Deutsche Finance aus München wird den Anlegern nach einer erfolgreichen Zielfonds-Transaktion für das Geschäftsjahr 2017 eine Vorabausschüttung in Höhe von 15 Prozent vorschlagen.

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...