12. März 2013, 10:44

Sprengt Italien den Euro?

Seit den Wahlen Ende Februar 2013 befindet sich Italien in einem Schwebezustand. Ob die zerstrittenen politischen Parteien eine Regierung werden bilden können, ist nicht klar, geschweige denn, ob diese auch stabil sein wird.

Gastkommentar von Dr. Jan Amrit Poser, Chefökonom bei der Bank Sarasin & Cie. AG

Sarasin-255x300 in Sprengt Italien den Euro?

Dr. Jan Amrit Poser, Chefökonom der Bank Sarasin & Cie. AG

In der Folge hat die Rating-Agentur Fitch Ende letzter Woche die Kreditwürdigkeit Italiens auf BBB+ gesenkt. Mit einem negativen Ausblick versehen, steigt die Sorge, dass Italien auch noch die drei Stufen herunterfällt, die es vom Ramsch-Niveau unterscheidet. Und selbst wenn eine Regierung gebildet wird, stellt sich die Frage, ob diese die Reformen stoppen oder gar zurückdrehen wird. Das Risiko bestünde, dass sich die Schere der Konkurrenzfähigkeit der Euroländer immer weiter öffnet. Wird Italien zum Dauerpflegefall mit der Drohung eines Euroaustritts?

 

Die Bank Sarasin geht davon aus, dass die Investoren überschätzen, wie viel Spielraum die italienischen Politiker bezüglich der Reformpolitik haben. Italien ist wie alle anderen Eurostaaten in einem Geflecht europäischer Institutionen und Regelungen eingebettet, welche die Politik innerhalb der Europäischen Union koordinieren. Diese Verflechtungen sind während der Eurokrise –von der Öffentlichkeit fast unbeachtet – massiv verstärkt worden. Ziel war es, die Währungsunion um das bisher fehlende Element einer politischen Union zu vervollständigen.

Erstens sind die Konvergenzkriterien von Maastricht, die sich als unzureichend erwiesen haben, durch den Euro-Plus-Pakt ergänzt worden. Dieser stellt für die Euromitglieder Vorgaben für den Schuldenabbau auf. Die Konsolidierungspläne sind somit regelbasiert und unterliegen nicht mehr der Willkür der jeweiligen Euromitglieder. Auch die Sanktionen erfolgen automatisch; eine Lockerung kann nur noch durch eine qualifizierte Mehrheit der Euroländer beschlossen werden. Zweitens werden inzwischen nicht nur die Staatshaushalte, sondern eine große Anzahl makroökonomischer Variablen, wie die Privatschulden, die Lohnstückkosten und die Exportquoten beobachtet. Werden entsprechend diesen Kriterien makroökonomische Ungleichgewichte diagnostiziert, wird das Euroland aufgefordert, diese zu korrigieren. Drittens werden diese Spar- und Reformbemühungen eingebettet in die Strategie Europa 2020, welche Maßnahmen im Bereich Beschäftigung, Innovation und Nachhaltigkeit vorsieht, um die Europäische Union wettbewerbsfähig zu machen. Viertens werden alle diese Maßnahmen innerhalb des «Europäischen Semesters» zwischen Regierungen und EU-Kommission koordiniert. Innerhalb dieses sechsmonatigen Zyklus werden alle Spar-, Reform- und Korrekturmaßnahmen diskutiert, abgestimmt, kontrolliert und beschlossen. Diese Maßnahmenbündel zeigen, dass finanzpolitische Unabhängigkeit in Euroland zu einem relativen Begriff geworden ist.

Auch wenn die Regierungen wechseln, so bleiben die Pläne auf der Arbeitsebene unangetastet. Und sollte ein Land doch ausscheren, so bleibt am Schluss das Korrektiv der Finanzmärkte. Ein Land, das sich der Notwendigkeit zur Konvergenz verschließt, wird auf Dauer kein Kapital aufnehmen können. Die Bank Sarasin meint, dass die Drohung eines Zinsanstiegs letztendlich dazu führen wird, dass sich die führenden Parteien in Italien auf eine breit abgestützte Regierung einigen werden. Es gibt kein Zurück aus den Reformen und Sparprogrammen.

Foto: Bank Sarasin & Cie. AG


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Meinung


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

02/2015

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Europa-Fonds – Private-Equity – offene Immobilienfonds – Nachwuchsmangel – Die Lebensversicherung 2015

Ab dem 22. Januar im Handel.

01/2015

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Rentenfonds – Cyber-Policen – Secondhand-Fonds – Metropolen im Immobilien-Check – Vertrieb 2015

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Maklerumfrage: Qualifizierung top, Social Media flop

Während die Qualität in der Vorsorgeberatung bei Maklern und Vermittlern hoch im Kurs steht, gibt es bei der Nutzung von Social Media zu Vertriebs- und Kommunikationszwecken “noch reichlich Potenzial nach oben”, so das Ergebnis der “Maklerzufriedenheitsumfrage” der Monuta Versicherungen.

mehr ...

Immobilien

Chancen am Berliner Wohnungsmarkt nutzen

Erst die Mietpreisbremse und jetzt das Umwandlungsverbot bei Mehrfamilienhäusern – die Stimmungslage am Berliner Wohninvestmentmarkt ist aufgrund diverser Regulierungen gedämpft. Und das zu Recht, zumindest kurzfristig. Denn auf lange Sicht werden sich die Preise sehr positiv entwickeln.

Gastbeitrag von Jakob Mähren, Mähren Gruppe.

mehr ...

Investmentfonds

Invesco holt Vertriebsspezialisten

Die Fondsgesellschaft Invesco erweitert mit Markus Lück (42) den institutionellen Geschäftsbereich Bank Sales.

mehr ...

Berater

Fondskonzept erweitert Angebot für Honorarberater

Der Maklerpool Fondskonzept hat seine hauseigene Technologieplattform Maklerservicecenter im Januar 2015 um ein neues Tool für Honorarberater erweitert. Damit könne das Geschäftsmodell einer Honorarberatung in vollem Umfang administriert werden, teilt das Unternehmen aus Illertissen mit.

mehr ...

Sachwertanlagen

DFH verkauft Immobilie in London

Die Deutsche Fonds Holding (DFH) konnte eine Fondsimmobilie aus dem Portfolio der im vergangenen Jahr übernommenen PFM Private Funds Management (vormals IVG PFM) veräußern.

mehr ...

Recht

Doppelversicherungs-Gefahr: BGH sieht Versicherer in der Nachweispflicht

Hat der Versicherungsnehmer seinen Pflichtversicherungsvertrag gekündigt ohne einen Anschlussversicherungsnachweis beizulegen, hat der Versicherer nachzuweisen, dass er den Versicherten auf dieses Versäumnis hingewiesen hat. Ansonsten kann der Versicherer seinen Prämienanspruch nicht geltend machen, so ein aktuelles BGH-Urteil.

mehr ...