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18. Dezember 2013, 10:46
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Frosch im Kochtopf

Die Halver-Kolumne: Wie ein Frosch im Kochtopf der Finanzwelt – die neue revolutionäre Realität fünf Jahre nach Lehman.

 

Halver

Robert Halver, Baader Bank

Die Wertentwicklungen von Dax, MDax oder S&P 500 seit 2009 lügen nicht: Wir haben gute Aktienjahre hinter uns. Hinter diesen blendenden Schaufensterauslagen hat sich nicht weniger als eine Finanz-Revolution abgespielt. Wären wir Anleger 2008 vor der Lehman-Pleite wie Dornröschen eingeschlafen und erwachten plötzlich in den heutigen Finanzmarktverhältnissen mit dem Wissen von damals, würde der ein oder andere von uns vermutlich Schnappatmung bekommen.

Geldpolitische Wärme für fröstelnde Finanzmärkte

Dieser epochale Verwandlungsprozess fällt deutlich weniger auf, wenn man ihn Schritt für Schritt erlebt, mäßig, aber regelmäßig. Und zwischenzeitlich kann man sich sogar sehr wohl dabei fühlen. Eigentlich ist es wie beim berühmten Frosch, der in einen Kochtopf gefüllt mit kaltem Wasser gesetzt wird, das auf einer Herdplatte erhitzt wird. Die Kälte lässt den Frosch anfangs frösteln. Durch den langsamen Prozess der Temperatursteigerung fühlt er sich irgendwann sehr wohl, spürt allerdings auch die zunehmende Gefahr der Überhitzung nicht, bis es irgendwann zu spät ist.

Als in Euroland ab 2009 die Stabilitätshüllen zum Zwecke der Rettung der Finanzwelt fielen, die einst eisernen Defizitkriterien marshmallowisierten und die Stabilitätsunion begann, sich in eine Schulden- und Transferunion zu verwandeln, wurden die deutschen Anleger in kaltes Wasser geworfen. Wir vermissten unsere deutsche Stabilitätskultur.

Nach dem ersten stabilitätspolitischen Kulturschock haben wir aber erkannt, dass es ohne diese „Kunstgriffe“ wohl auch unsere Eurozone kalt erwischt hätte. Wir machen es wie Amerika und meistern Krisen mit dem schnöden Mammon: Geld.

Ein Ende dieser international verabreichten Wundermedizin ist nicht in Sicht. Das Tapering – die Drosselung der Liquiditätszuführung – ist ein Etikettenschwindel. Denn selbst wenn es kommt – und es wird kommen – wird in Amerika auch morgen und übermorgen noch jeder Nichtschwimmer in Liquidität ertrinken. Ohnehin, damit die US-Schuldenökonomie und die Schwellenländer nicht kollabieren, bleiben die US-Notenbankzinsen auf niedrigstem Niveau festgetackert. Und auf der Euro-Intensivstation mit dem Namen EZB hat Chefarzt Dr. finanzmed. Mario Draghi doch schon längst die geldpolitischen Segnungen der Fed – Staatsanleihenaufkäufe – als würdige Behandlungsmethoden auch für Euro-Länder entdeckt.

Fast könnte man denken, die Krise ist vorbei. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt die EZB allerdings nicht ihre Bundesbank. Und hier sind wir wieder beim Wasser im Kochtopf der Finanzwelt. Keine Frage, die geldpolitische Wärme bekommt den Finanzmärkten prächtig. Die Renditeaufschläge Italiens, Spaniens, Portugals oder auch Griechenlands zu Deutschland fallen so rasant, als hätten wir es über Nacht mit Triple A-Ländern zu tun.

Ob in diesen Ländern wirklich gespart oder strukturreformiert wird, ist unerheblich. Die EZB ist ein gutmütiger Schuldirektor, der seinen Euro-Schülern durch die Blume mitteilt „Egal was ihr auch anstellt, die schlechteste Note ist maximal eine 3“. Sitzen bleiben, Schulverweis? Nein, wir betreiben antiautoritäre Erziehung. Und wenn dann selbst von der Schulaufsichtsbehörde in Deutschland kein stabilitätspolitischer Zeigefinger mehr gezückt wird, warum sollten dann die Aktienmärkte in Euroland noch Stabilitätsskrupel zeigen? Und? Welcher euroländische Aktienmarkt ist in diesem Jahr wohl der erfolgreichste? Richtig, Griechenland!

Erst warm, dann heiß und irgendwann zerkocht?

Fed, Bank of Japan und auch die EZB arbeiten wie geldpolitische Durchlauferhitzer. Dadurch heizt sich die Temperatur im Kessel immer mehr auf. Es droht Überhitzung in Form von Inflationierung, mangelnder Bonität, Wettbewerbs- und Wirtschaftsschwäche. Am Ende droht unser real existierendes Finanzsystem zu zerkochen.

Müssten wir da als Anleger nicht vorbeugend wie Frösche mit einem kräftigen Satz aus dem Wasser springen? Jetzt noch nicht. Noch sind die Temperaturen gut auszuhalten. Aber sie steigen.

 

 

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

Foto: Baader Bank

 

1 Kommentar

  1. Wunderbar geschrieben, und so schrecklich real…..

    Kommentar von Nils Fischer — 20. Dezember 2013 @ 12:48

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