25. März 2013, 09:05

Euro-Politik oder wissen sie noch, was sie tun?

Die Halver-Kolumne: Bei der Lösungsfindung – zum Beispiel Zypern – macht die Politik wieder das, was sie am besten kann: Rumwurschteln.

Halver

Robert Halver, Baader Bank

Wenn man auf die Schnapsidee kommt, grundsätzlich die kleinen, an der Krise unschuldigen Sparer mit in Zwangshaftung für die Banken- und Staatssanierung zu nehmen, braucht man sich über Volkes Zorn nicht zu wundern. Warum spielt man den Sparern nicht gleich einen früheren Schlagerhit Chris Howlands vor: „Und dann hau ich mit dem Hämmerchen Dein Sparschwein kaputt“.

Aus Vertrauen wird schnell Misstrauen

Ein „umgekehrter Banküberfall“ kann niemals als Blaupause für Krisenlösungen für Euro-Länder dienen. Politiker der Eurozone, die teilweise nicht über mehr Feingefühl als Keulen tragende Neandertaler verfügen, sollten bedenken, dass Menschen keine willfährigen Maschinen sind, sondern mitunter irrational handeln und psychologischen Massenphänomenen unterliegen. Unser Finanzsystem fußt eigentlich nur auf dem Vertrauen, dass Bankeinlagen sicher sind. Und wenn die heilige Kuh der euroländischen Einlagensicherung von 100.000 Euro auch nur im Entferntesten mit dem Geruch von Schlachthof in Berührung kommt, gilt die einfache Formel: Je weniger Vertrauen, desto schneller der Abzug von Bankeneinlagen.

Überhaupt haben sich in der Vergangenheit Euro-Politiker in der Disziplin „Vertrauen“ nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Vor der Kamera spricht man von Stabilität, dahinter wurde sie zertrümmert wie Meißner Porzellan beim Ehestreit. U.a. erinnere ich mich an den ehemaligen Eurogruppen-Chef Juncker, der heute längst zum finanzpolitischen Standard gehörende Hilfsleistungen zwischen Ländern der Eurozone einst als so absurd wie eine Hungersnot in Bayern bezeichnete. Ich kann mich regelmäßig davon überzeugen, dass die Bayern nach wie vor ganz gut im Futter liegen. Und wenn jetzt offensichtlich die Sparerenteignung als enttabuisiertes Instrument im Werkzeugkasten der Krisenlösung bereit liegt, kann man irritierten Sparern in Italien und Spanien frevelhafte Gedanken wohl kaum verdenken.

Solidarität ist keine Einbahnstraße

Bei jeder Lösung für angeschlagene Euro-Länder darf die Euro-Politik nicht klein beigeben und muss für ihre Hilfsleistung an Länder selbstverständlich Gegenleistungen einfordern. Ansonsten könnten andere Sorgen-Länder diese „Hab dich lieb-Lösung“ als Blaupause für eigene Belange missbrauchen und damit euroländische Sparauflagen als „Es kreiste der Berg und gebar eine Maus-Politik“ völlig unglaubwürdig brandmarken.

Grundsätzlich muss die Freigrenze der Einlagensicherung von 100 Tausend Euro unantastbar bleiben, damit kleine Sparer nicht die Zeche für die Banken- und Staatssanierung zahlen müssen. Sparerenteignung hat für mich etwas zu tun mit „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“.

Draghi platzt endlich der Kragen

Für mich ist es eine Wohltat, dass die EZB – wie am Beispiel Zyperns bereits gezeigt – massiv Druck aufbaut, auf schnelle politische Lösungen pocht und ansonsten mit dem Ende der geldpolitischen Happy Hour droht. Damit zeigt sie zum einen deutlich, dass sie nicht wie selbstverständlich die Kastanien für untätige, auf Zeit spielende Politiker aus dem Feuer holt. Und zum anderen beendet die EZB mit geldpolitisch erzwungenen Lösungen die Verunsicherung an den Märkten, die früher oder später auch die gesamt-euroländische real- und finanzwirtschaftliche Stimmung heimsuchen würde. So nimmt sie im Guten wie im Schlechten die Mutterrolle für die Eurozone ein.

Und hier bin ich wieder bei einem weiteren Hit von Chris Howland: „Die Mutter ist immer dabei“.

 

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

Foto: Baader Bank


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3 Kommentare

  1. Hey Karl, jag tror inte att du ökar på risken att dina barn blir mobbade genom att publicera fina minnen på en blogg, du kan inte orsaka eller skydda ditt barn från mobbning på det viset, hur välvilligt du så klart än menar.
    sammy dress http://www.sammydress.cc

    Kommentar von sammy dress — 31. Januar 2015 @ 08:35

  2. Jaja…die Einsteigertarife waren an allem schuld :) Es war doch schon vor Jahren abzusehen, dass das Prinzip Leute billig in die PKV zu locken, damit sie später bessere Tarife wählen, einfach nicht funktionieren kann. Ich kenne selbst einige “Selbstständige”, die ohne zu überlegen sofort in die PKV gegangen sind, weils da “nur” 120 Euro gekostet hat….Die Marktbereinigung tut der Branche gut aber ich bezweifle, ob die Vollversicherungen auf Dauer noch tragbar sind…das Geschäft liegt ganz klar in den Zusatzpolicen.

    Kommentar von Hr. Meier — 31. Januar 2015 @ 03:03

  3. Da dreht sich bei mir der Magen um, wenn ich das lese “Herr Franken von der DVAG”…die Fehlverhalte und Exzesse einzelener Marktteilnehmer”..bitte an der Stelle mal Selbstkritik üben…vielen Dank.
    Was dieser Artikel verschweigt.. die Generation “Y”, wünscht sich Sicherheit und eine finanzielle Basis nach dem Studium…das bietet eine selbständige Tätigkeit nicht. Nach dem Studium fängt man in der Regel bei “null”auf dem Konto an zu arbeiten. Und woher also das erste Geld verdienen? Richtig VERKAUFEN!!! Ein Null auf dem Konto zwingt zum Verkaufen, “Beratung” wird da Nebensache, und das hilft der Branche leider nicht, ihr Image zu verbessern… wenn man nur das kurzfristige Wachstum im Blick hat, blockiert das beim Umdenken.

    Kommentar von Tom Bein — 30. Januar 2015 @ 15:17

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