24. Januar 2013, 10:35

Die Naumer-Kolumne: “R O R O”

Die Aktienmärkte sind fulminant ins neue Jahr gestartet und haben auf „Risiko On“ umgeschaltet. Aber die Herausforderung für Anleger heißt unverändert: Finanzielle Repression.

Eurokrise-Naumer in Die Naumer-Kolumne: R O R O

Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

Gerade die G4-Zentralbanken rund um den Globus erinnern uns daran. Sie pumpen weiter Liquidität in die Märkte – mit Hochdruck. Hier ist nicht nur die US-Zentralbank Fed zu nennen, die auf „QE 3“ – der geldpolitischen Lockerung dritter Teil – umgeschaltet hat, sondern auch die Bank of Japan, die sich jetzt auf ein Inflationsziel festnageln ließ (Wo bleibt da bloß ihre Unabhängigkeit?) und fleißig immer mehr Schuldtitel des Inselstaates aufkauft.

Ausgesprochen oder unausgesprochen haben sie sich die Zentralbanken vom Ziel der Preisniveaustabilisierung wegentwickelt hin zur Stabilisierung des Finanzsystems und der öffentlichen Haushalte. Ein Paradigmenwechsel! Und: Sie kaufen fleißig auf, haben aber keine „Exit Strategy“. Ihr Problem ist: Je mehr die Zentralbanken zum wichtigsten Käufer von Staatsanleihen geworden sind, desto weniger einfach können sie diese wieder versilbern. Ein starker Renditeanstieg wäre die Folge. Auch sind sie Gefangene ihres eigenen Erfolges.

Je stärker die Investoren – von Liquidität und der Hoffnung auf Normalisierung getrieben – vom „Risk Off“ in den „Risk On“-Modus schalten, desto schwieriger wird es andere Investoren zu motivieren, ihre Gelder in Papiere mit negativer Realverzinsung zu investieren oder dort investiert zu lassen. Nolens volens sind die „Lender of last ressort“ (die Geldgeber letzter Instanz) zum „Buyer of last ressort“ (Anleihenkäufer letzter Instanz) geworden.

Für Anleger geht es jetzt um das neue „R O R O“: „Risk On – Real Return On“. Und es sieht gut aus, dass es auch reales Wachstum gibt, das entsprechend reale Rendite erwarten lässt. Die aufstrebenden Staaten versprechen, auch im neuen Jahr den größten Wachstumsbeitrag für die Weltwirtschaft zu liefern.

Aber auch in den USA ist das Bild freundlicher geworden. Der Häusermarkt scheint sich zu stabilisieren. Die Eurozone bleibt zwar von Wachstumsrisiken überlagert, aber die Operationen der Europäischen Zentralbank haben das Bild deutlich verbessert. Das Risiko eines Auseinanderbrechens wird zunehmend „ausgepreist“. Erfreulich auch: Die Bewertungen an den Aktienmärkten sind unverändert attraktiv, wenn es sich hier auch sicher lohnt, nach Ländern und Regionen zu unterscheiden.

Schalten Sie die reale Rendite an, meint Ihr

Hans-Jörg Naumer.

 

Hans-Jörg Naumer schreibt als Kolumnist im Cash.-Magazin über aktuelle Themen der Kapitalmärkte. Naumer ist seit dem Jahr 2000 Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Allianz Global Investors KAG (AGI), Frankfurt.

Foto: Allianz GI


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1 Kommentar

  1. Da dreht sich bei mir der Magen um, wenn ich das lese “Herr Franken von der DVAG”…die Fehlverhalte und Exzesse einzelener Marktteilnehmer”..bitte an der Stelle mal Selbstkritik üben…vielen Dank.
    Was dieser Artikel verschweigt.. die Generation “Y”, wünscht sich Sicherheit und eine finanzielle Basis nach dem Studium…das bietet eine selbständige Tätigkeit nicht. Nach dem Studium fängt man in der Regel bei “null”auf dem Konto an zu arbeiten. Und woher also das erste Geld verdienen? Richtig VERKAUFEN!!! Ein Null auf dem Konto zwingt zum Verkaufen, “Beratung” wird da Nebensache, und das hilft der Branche leider nicht, ihr Image zu verbessern… wenn man nur das kurzfristige Wachstum im Blick hat, blockiert das beim Umdenken.

    Kommentar von Tom Bein — 30. Januar 2015 @ 15:17

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