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20. März 2013, 09:00
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Going Dutch: Anleiheninvestoren hat es kalt erwischt

Vor kurzem musste die niederländische Regierung die viertgrößte Bank des Landes verstaatlichen: SNS Reaal wurde mit den vielen faulen Immobilienkrediten in ihrer Bilanz nicht mehr fertig. Durch die Verstaatlichung soll die Stabilität des niederländischen Finanzsystems gesichert werden.

Gastbeitrag von Richard Woolnough, M&G Investments

Nachrangige Anleihen

“Erstmals wurden die Besitzer nachrangiger Anleihen quasi enteignet.”

Anleiheinvestoren dürfte die schnelle Rettung des Instituts allerdings noch lange zu denken geben – und zwar nicht nur in den Niederlanden. Denn erstmals wurden die Besitzer nachrangiger Anleihen quasi enteignet.

Vor dem Ausbruch der Finanzkrise sahen die Märkte die unterschiedlich besicherten Anleihetypen derselben Bank noch ausnahmslos als gleichwertig – und auf alle Fälle sicherer als Aktien – an. Die Überzeugung, dass eine Pleite einer systemrelevanten Bank unbedingt verhindert würde, half auch den eigentlich riskanteren nachrangigen Anleihen.

Trennung unterschiedlicher Ansprüche

Seit 2008 haben die Staaten in ganz Europa aber Gesetze in Form so genannter „Notfallpläne“ erlassen, mit denen man mit Not leidenden Banken fertig werden kann, ohne dabei zwangsläufig die gesamte Bank retten zu müssen. Diese erlaubten es jetzt der niederländischen Regierung, die unterschiedlichen Ansprüche von Inhabern nachrangiger beziehungsweise vorrangiger SNS-Anleihen zu trennen.

So etwas gab es in dieser Form bisher noch nicht – denn obwohl beispielsweise die britische Regierung seinerzeit sowohl die Vorzugsaktien als auch das Kapital von Northern Rock verstaatlichte, waren nachrangige Anleihen davon nicht betroffen. In Dänemark schlug man derweil einen anderen Weg ein, denn dort standen die Anleiheninhaber nach der Aufspaltung in eine „Good Bank“ und eine „Bad Bank“ auf der falschen Seite.

Abschreibung nachrangiger Anleihen

Die Vorgehensweise der Niederländer ermöglicht dagegen eine schnelle und effiziente Rettung mittels einer Art Abschreibung nachrangiger Anleihen: Im Gegenzug für die staatliche Versorgung mit Liquidität konnten die Behörden nicht nur sämtliche Aktien, sondern auch alle nachrangigen Anleihen beschlagnahmen.

Die Besitzer dieser Wertpapiere verloren auf einen Schlag alle Rechte. Stattdessen wurde ihnen eine mögliche Entschädigung auf Basis des Wertes angeboten, den die niederländische Regierung diesen Wertpapieren beimisst. Allerdings ist es äußerst wahrscheinlich, dass die Behörden diesen Wert mit Null ansetzen werden.

Zeche zahlen Inhaber der Anleihen

„Going Dutch“ ist ein Ausdruck, den man im Englischen verwendet, wenn man sich die Rechnung in einem Restaurant teilt. Im Falle von SNS Reaal bedeutet „Going Dutch“ jedoch, dass die Inhaber nachrangiger Anleihen die Zeche allein zahlen müssen, denn schließlich sind ihre Investments nun nichts mehr wert. Damit haben Anleiheinvestoren eine ganze Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, um die Stabilität des niederländischen Finanzsystems zu erhalten.

Für Besitzer nachrangiger Anleihen sind derartige Interventionen zweifellos schlechte Nachrichten, weil sich ihr Status so immer mehr dem von Aktieninhabern nähert, die bei einer Insolvenz bekanntlich zuletzt bedient werden. Ob das Vorgehen bei der Rettung von SNS Reaal eine einmalige Aktion oder nur die erste ihrer Art war, bleibt abzuwarten. Anleger, die Anleihen von Banken halten oder kaufen wollen, sollten die Risikostaffelung der Bondtypen auf jeden Fall berücksichtigen.

Der Autor Richard Woolnough ist Fondsmanager Anleihen bei M&G Investments.

Foto: M&G Investments

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