26. Februar 2013, 10:46

Amerikas zweite industrielle Revolution

Die Halver-Kolumne: Nach dem Motto „Kinder, Narren und nicht wieder wählbare US-Präsidenten sagen immer die Wahrheit“ stellt Obama bei jeder Gelegenheit klar, in seiner letzten Amtszeit – wie schon Reagan und Clinton – zur wirtschaftspolitischen Hochform auflaufen zu wollen.

Robert Halver

Robert Halver, Baader Bank

Er weiß, dass das Haltbarkeitsdatum des alten wachstumspolitischen Überraschungs-Eis von Spannung (Mega-Import), Spiel (Mega-Verschuldung) und Schokolade (Mega-Konsum) nicht nur abgelaufen ist. Es ist auch nicht mehr bezahlbar.

Der Industriemotor soll wieder laufen…

Zukünftig soll Geld verdient werden, bevor es ausgegeben wird. Obamas Therapie dazu ist der Wiederaufbau von Infrastruktur und Industrie, um schließlich den Export als starke Konjunkturkraft wiederzubeleben. Dass im alten Wirtschaftsstandort USA etwas nicht stimmt, bemerkt jeder spätestens dann, wenn er über Highways fährt, in deren Schlaglöcher jedes Kind bei Regen mühelos sein Seepferdchen ablegen könnte.

Aktuell erhalten die alten ausgebluteten Industriezentren eine Frischzellenkur. Denn viele US-Firmen, die lange Jahre ihr Billig-Heil im Ausland suchten, kommen mittlerweile kleinlaut zurück. Standorte in China z.B. sind nämlich zu teuer geworden. Heute ist Amerika billig. Mit Standbeinen in den USA wollen auch viele im Ausland produzierende, energiewendeabgeschreckte Unternehmen von der dort billigen Energie profitieren. Der oft beschworene Untergang des amerikanischen Hamburgers und der unaufhaltsame Aufstieg des chinesischen Hühnchens Süß-Sauer sind eben nicht in Stein gemeißelt. Der Trend „Go West again“ bleibt kein One-Hit-Wonder, es dürfte ein Evergreen werden.

Mentaler Treiber ist nicht zuletzt die Rückbesinnung der Amerikaner, dass God’s Own Country nicht durch den Konsum von in Asien gefertigten Teletubbies zur Weltmacht geworden ist, sondern durch die harte Ware der einst größten Industrie- und Exportnation. Dazu passt auch, dass Amerikas frühere Strong Dollar-Politik – mit Blick auf Exportförderung – längst in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist.

Und wenn die Weichen auf Industrie und Export gestellt sind, versteht man auch – ein Schelm, wer Böses dabei denkt – die plötzliche Begeisterung Obamas für eine Freihandelszone mit der Europäischen Union: Freie Märkte für freie US-Produkte.

…und die Fed soll bezahlen

Für den Umbau der fettleibigen Konsum- in eine fitte US-Industriegesellschaft werden die USA selbstverständlich neue Schulden machen müssen. Aber gräme Dich nicht Amerika, Deine US-Notenbank wird Schützenhilfe leisten wie John Wayne in seinen besten Zeiten. Schon heute finanziert sie 40 Prozent des US-Haushaltsdefizits. Da ist auch noch mehr drin. Und was ist mit der Geldwertstabilität? Wie bitte, kümmert sich etwa der Metzger um Gemüse und Salat?

US-Aktien? Yes Ma’am, Yes Sir!

So hat der amerikanische Aktienmarkt die Kraft der drei Herzen. Üppige Geldpolitik trifft auf die zweite industrielle Revolution und eine neue Exportvision. Verehrte Anlegerinnen und Anleger, schaffen Sie in Ihrem Depot ein wenig Platz für US-Aktien. Dabei ist es wie beim Fast Food-Restaurant: Darf es ein auch ein bisschen mehr sein? Ja, immer drauf mit den Hamburgern!

 

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

Foto: Baader Bank


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Investmentfonds


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

1 Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Halver,
    ganz gleich, was Sie zu verkünden haben. Immer wieder macht es Spaß, Ihrer lebendigen Sprache und den entsprechend kreativen Sprachbildern zu folgen. Das verdeutlicht, das Thema Finanzen ist alles andere als langweilig.

    Mit freundlichen Grüßen
    Heidrun Wagner

    Kommentar von H. Wagner — 27. Februar 2013 @ 13:19

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Brexit: Versicherer bestürzt über EU-Austritt

Die Versicherungsbranche reagiert bestürzt auf den britischen Entscheid für einen EU-Austritt. Für das Geschäft der Branche gibt es aber erst einmal beruhigende Worte. “Die Entscheidung des britischen Volkes ist ein schwerer Schlag für die EU”, sagte der Chefökonom des weltgrößten Rückversicherers Munich Re, Michael Menhart, am Freitag.

mehr ...

Immobilien

Deutlich mehr Bauaufträge als im Vorjahr

Der Boom auf dem Bau hält dank extrem niedriger Zinsen an. Im April verzeichnete das Bauhauptgewerbe in Deutschland preisbereinigt 18,2 Prozent mehr neue Aufträge als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte.

mehr ...

Investmentfonds

Fahrenschon: “Votum gegen Europa der uneingeschränkten Vereinheitlichung”

Der Präsident des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, verlangt eine deutliche Reaktion des politischen Europas.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank dünnt Filialnetz aus und streicht 3.000 Stellen

Weniger Standorte, trotzdem mehr Beratung – so verkauft die Deutsche Bank die Einschnitte in ihrem Filialnetz. Nach langen Verhandlungen stehen erste Zahlen fest. Das Management hält den Sparkurs für alternativlos.

mehr ...

Sachwertanlagen

Praxistag Digitalisierung: Information und Austausch

Talonec Business Solutions und Xpecto laden zum Praxistag Digitalisierung am 6. Juli nach München ein. Vom wissenschaftlichen Ansatz bis zur digitalen Zeichnung sollen Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung aufgezeigt und diskutiert werden.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...