„Afrika kann Asien folgen“

Wenn der Trend anhält, dass die Lebenserwartung der Afrikaner jeden dritten Tag um einen Tag steigt, könnte Afrika diese Position jedoch schon früher einnehmen.

Selbst in der Landwirtschaft ist noch viel Luft nach oben?

Ja, ein weiterer wichtiger Faktor für die langfristige Entwicklung ist sicherlich die Frage, ob eine landwirtschaftliche Revolution stattfinden wird. Analysen der China Agricultural University zeigen beispielsweise, dass der durchschnittliche landwirtschaftliche Ertrag pro Hektar in Sambia und Tansania nur etwa einem Zehntel von dem entspricht, was in China erwirtschaftet wird.

Wenn man dabei bedenkt, dass über zwei Drittel der Afrikaner im landwirtschaftlichen Sektor tätig sind, ist schnell klar, wie groß das Potenzial hier noch ist.

Wo konnten Investoren in jüngerer Vergangenheit bereits verdienen?

Grundsätzlich haben sich die Börsen in Sub-Sahara-Afrika – insbesondere Nigeria und Kenia – sehr erfreulich entwickelt. Auch Ägypten hat sich deutlich besser gehalten, als die meisten Analysten vorhergesagt haben.

In Südafrika liefen die Industriewerte dieses Jahr gut, die seit der Fußball-WM 2010 jedoch auch eine lange Durststrecke hinter sich gebracht haben. Eher enttäuschend waren die Ergebnisse der Rohstoff-Unternehmen: Kosteninflation und meist schlechte Produktionszahlen haben sich negativ auf die Performance ausgewirkt.

Wo sehen Sie künftig die größten Chancen?

Das grundsätzliche Potenzial ist sicherlich in der Landwirtschaft am größten, nur dürfte die angesprochene Revolution noch auf sich warten lassen. Ähnlich sieht es bei einer weiteren großen Herausforderung Afrikas aus: Infrastruktur.

Sollten die grundsätzlichen Probleme infrastruktureller Natur endlich konsequent angegangen werden, könnte sich dies für ganz Afrika enorm positiv auswirken. Elektrizität, Straßenbau sowie sozialer Wohnungsbau sind sicherlich die brennendsten Themen.

Kurz bis mittelfristig ist jedoch meiner Meinung nach insbesondere die erstarkende Binnennachfrage für Anleger spannend. Afrikaner konsumieren gerne, was sich in zweistelligen Wachstumsraten niederschlägt und den Sektor zu einem äußerst attraktiven Anlageuniversum macht.

Der Wertschöpfungskette entsprechend erachte ich Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, Verpackungsindustrie, Einzelhändler sowie Banken als interessant. Ein weiterer interessanter Trend sind die langsam entstehenden afrikanischen Rentenmärkte.

Viele Staaten haben erst vor Kurzem angefangen, Anleihen zu begeben. Da die meisten Länder oft eine Staatsverschuldung von unter 30 Prozent aufweisen, dabei rohstoffreich sind und die Inflation konsequent bekämpft wird, scheinen Renditen im deutlich zweistelligen Bereich durchaus attraktiv.

Interview: Marc Radke

Foto: Frank Seifert

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