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22. April 2014, 09:20
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Mal die Perspektive wechseln!

Während vergangenes Jahr noch die USA und ihr Anleihekaufprogramm die wirtschaftsinteressierte Öffentlichkeit beunruhigte, richten sich die besorgten Blicke nun auf China.

Marktkommentar: Didier Le Menestrel, Gründer Financière de l’Echiquier

http://www.cash-online.de/wp-content/uploads/2014/04/China-Peking-Konsum-750.jpg

Der Konsum in China hat offline wie online gigantische Dimensionen.

 

Schreckensszenarien wie Wirtschaftsrückgang, haushaltspolitische Kurswechsel, Yuan-Schwäche oder schlecht verteilte Infrastrukturausgaben verunsichern die Finanzmärkten und sorgen für Schlagzeilen.

Angesichts dieser trüben makroökonomischen Aussichten ist es umso wichtiger, einzelne Unternehmen und ihre Erfolgsgeschichten nicht aus den Augen zu verlieren. Und gerade China hat da einiges zu bieten. So plant etwa die chinesische Unternehmensgruppe Alibaba den Sprung an die New Yorker Börse. Konkurrenten müssen sich warm anziehen. Denn auch wenn die E-Commerce-Plattform weitaus weniger bekannt ist als ihre US-Pendants, ist Alibaba schon jetzt um ein Vielfaches größer. Das Handelsvolumen auf den drei großen Webseiten des Konzerns – Alibaba, Tmall und Taobao – entspricht mittlerweile etwa dem doppelten Volumen von Ebay und Amazon zusammen. Das entspricht ungefähr 260 Milliarden US-Dollar.

Chinesischer Online-Handel boomt

2013 ist das Online-Zahlungsvolumen in China auf schwindelerregende 867 Milliarden US-Dollar gestiegen. Und auch Mobilzahlungen haben sich auf über 200 Milliarden US-Dollar verachtfacht. Führt man sich vor Augen, dass der Zahlungsdienstleister Alipay, ein Tochterunternehmen des Alibaba-Konzerns, in China einen Marktanteil von 65 Prozent bei Online- und 75 Prozent bei Mobil-Zahlungen auf sich vereint, bekommt man eine ungefähre Ahnung von den Wachstumschancen des chinesischen Internetmarktes.

Dass ein Titan der digitalen Welt ausgerechnet aus China stammt, mag den einen oder anderen überraschen. Schließlich ist die chinesische Regierung dafür bekannt, das Medium stark zu kontrollieren und zu beschränken. Der Erfolg von Alibabageht also eindeutig nicht auf staatliche Impulse zurück. Solche Unternehmensgeschichten sind einerseits ausländischen Investoren wie zum Beispiel Yahoo oder Softbank zu verdanken. Andererseits sind die zahlreichen Internetnutzer des mit 1.350 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Landes der Welt ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Zwar hätte auch Indien mit seinen 1.240 Millionen Einwohnern und angesichts zahlreicher Ingenieure bei der Entwicklung des Onlinehandels die Nase vorn haben können. Doch genau hier machen sich die eingangs angesprochenen verhöhnten hohen chinesischen Infrastrukturausgaben bezahlt: Heute haben 618 Millionen Chinesen Zugang zum Internet und 90 Prozent der chinesischen Bevölkerung leben weniger als eine Autostunde von der nächsten Autobahn entfernt – zwei grundlegende Bedingungen für erfolgreiche direkte Handelsbeziehungen zwischen Unternehmen und Privatpersonen.

Über den Börsenwert Alibabas wird mit Sicherheit noch viel geredet in den kommenden Wochen. Was allerdings die Entstehung dieses gigantischen Unternehmens ermöglicht hat, dürfte weniger Beachtung finden: Zahlreiche Brücken und tausende neue Autobahnkilometer, die innerhalb weniger Jahre gebaut wurden. Die Auswirkung von Infrastrukturinvestitionen auf das BIP-Wachstum eines Landes ist sicherlich schwer zu berechnen, doch allen berechtigten Zweifeln zum Trotz, dürfen auch die positiven Effekte derart langfristiger Investitionsstrategien – wie der außergewöhnliche Erfolg von Alibaba belegt – nicht ignoriert werden.

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr: So wichtig das makroökonomische Umfeld für eine fundierte Anlageentscheidung auch ist, so darf es den Blick auf einzelne Unternehmen und ihre Erfolge nicht versperren.

 

Autor Didier Le Menestrel ist Gründer der französischen Fondsboutique Financière de l’Echiquier.

Foto: Shutterstock

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