Anzeige
Anzeige
7. November 2014, 09:10
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Machen Sie aus dem Trauertag “Weltspartag” einen Feiertag!

Die Robert-Halver-Kolumne: Früher wurde jedes Jahr Ende Oktober der Weltspartag gefeiert. Kein Wunder, denn damals lohnte sich Sparen noch.

Robert Halver

Robert Halver, Baader Bank

 

Für den Verzicht auf die unmittelbare Geldverwendung gab es attraktive Zinsen. 1993, zur Jahrtausendwende oder 2008 gab es für Festgeld um die vier Prozent. Die Inflation lag deutlich darunter. Da zerdepperte der deutsche Spar-Michel doch gerne sein Sparschwein mit dem Hammer oder holte das Geld unter der Matratze hervor, um es auf die hohe Kante zu legen.

Heutzutage ist der Weltspartag zum Trauertag geworden. Ein durchschnittliches Festgeld hat keine Chance mehr, allein die offizielle Inflationsrate zu schlagen, geschweige denn die tatsächliche, die deutlich darüber liegt.

Die Zinssparer zahlen die Zeche der Euro-Rettung

Und die Zins-Uhren drehen sich noch weiter zurück: So haben einige Banken Guthabenzinsen generell abgeschafft. Zinserträge sind damit schon vor der Inflation negativ. Zinsen gibt es zwar noch, doch Zahler und Empfänger haben gewechselt. Das ist genauso absurd wie ein Darlehen, bei dem nicht die Bank, sondern der Kreditnehmer den Kreditzins vereinnahmt. Das Sparschwein oder die Matratze sind wieder zu einer echten Alternative zum Sparbuch bzw. Festgeld geworden.

Das sind die Folgen, sozusagen die Kollateralschäden der geldpolitischen Rettung der Eurozone. Kreditinstitute werden regelrecht in Liquidität ersäuft, die sie sich bei der EZB zu den günstigsten Konditionen seit Adam und Eva in praktisch unbegrenztem Umfang besorgen können. Natürlich zeigt auch der negative Einlagenzins bei der EZB Wirkung. Notenbankchef Draghi hat zwar die Hoffnung, dass die Banken das ihnen nachgeworfene Geld als Kredite an Unternehmen und Haushalte ausleihen, um so die nur noch auf einem Zylinder laufende Euro-Konjunktur anzukurbeln.

Da die Banken aber feststellen, dass sich Kreditvergaben in Ermangelung attraktiver Investitionsobjekte und ausreichender Kreditnehmerbonität wirtschaftlich oftmals nicht rechnen, werden sie auch weiterhin ihr Geld zumindest teilweise bei der EZB parken. Und wie wollen Banken ihren Kunden noch Zinsen auszahlen, wenn sie selbst bei der Notenbank eine Parkgebühr in Höhe von 0,2 Prozent leisten müssen. Die Spargroschen ihrer Kunden wollen die Banken doch eigentlich gar nicht mehr haben. Ihre Abwehrkonditionen erinnern mich an das Auslegen von Knoblauchzehen, um Vampire fernzuhalten.

Wann gibt’s mal wieder gute Zinsen?

Ein wieder normal hohes Zinsumfeld ist so wahrscheinlich wie unkrautfreie Streuobstwiesen. Nach der letzten EZB-Sitzung besteht an dieser Einschätzung nicht der Hauch eines Zweifels. Den „Luxus“ höherer Zinsen und damit auch höherer Sparzinsen kann sich die arme Euro-Wirtschaft nicht mehr leisten. Denn offensichtlich lässt sich zum Beispiel die Konsumbereitschaft der Bevölkerung der Eurozone nur noch mit flächendeckenden „Nullprozent-Finanzierungen“ stimulieren. Mit Zinserhöhungen drohte ihr die letzte Ölung.

Ich persönlich glaube zwar nicht an flächendeckend negative Zinsen für den Otto-Normal-Sparer. Alternativ wären deutliche Anhebungen bzw. Wiedereinführungen von Gebühren möglich, um dem Zinsmargenverfall der Banken entgegenzuwirken. Ohne Zweifel jedoch ist es für Kunden immer aussichtsloser, für größere Anlagebeträge irgendeinen vernünftigen Zins zu erhalten.

Alte Zins-Liebe rostet nicht? Doch bitte!

Für deutsche Anleger, die sich jahrzehntelang in einer ungetrübten Liebesbeziehung mit Sparbuch und Festgeld befanden, sollte das aktuelle Zinsumfeld Anlass genug sein, Geldanlagen ab sofort als reine Vernunftsehen zu betrachten, in denen es nur um den schnöden Mammon geht. Bleibt also die Beziehung zur Sparanlage zinsseitig ohne Lustgewinn, sollte man vor der Scheidung nicht zurückschrecken.

Das „Fremdgehen“ mit Staatsanleihen ist keine wirklich attraktive Alternative. Schon deshalb nicht, weil wir in dieser Anlageform über Versicherungen, Pensionsfonds und ebenso über die gesetzliche Rentenversicherung – auch die ist nichts anderes als ein Staatspapier – ein Klumpenrisiko haben. In Staatspapiere sind wir bereits bis Oberkante Unterlippe investiert. Und auch hier bleibt nach Preissteigerung nichts mehr übrig, so dass aus der früher risikolosen Rendite heute längst ein renditeloses Risiko geworden ist.

Der Zinseszinseffekt ist kein Effekt mehr

Auch der Zinseszinseffekt, aufgrund dessen man früher nicht verhindern konnte, reich zu werden, hat seinen Rendite-Glamour verloren. Stellen wir uns zur plastischen Veranschaulichung doch einmal vor, dass die drei Weisen aus dem Morgenland dem neugeborenen Jesuskind im Jahre Null nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe geschenkt hätten, sondern einen Euro. Angelegt hätte man ihn in fünfjährige deutsche Staatsanleihen zum aktuellen Zinssatz von 0,12 Prozent mit regelmäßiger Wiederanlage der Zinserträge auch zu diesem Zinssatz. Die bis heute erzielte Vermögensposition beliefe sich noch nicht einmal auf elf Euro. Hätte man stattdessen zum langfristigen Durchschnittszins für fünfjährige Staatspapiere von vier Prozent angelegt, verfügte man heute über ein Vermögen von über 20 Quintilliarden. Der Zinseszinseffekt ist nur dann wirkungsvoll, wenn der zugrunde gelegte Zins eine entsprechende Höhe hat.

Auch vor diesem Hintergrund muss die extrem zinslastige Vermögensstruktur der Deutschen dringend überprüft werden. Der deutsche Otto Normal-Anleger steckt etwa 80 Prozent seines Geldvermögens in Zinsanlagen. Er sollte es alternativ mit einer Dividendenstrategie versuchen. Dividenden stellen eine attraktive Ersatzbefriedigung zu Zinsen und Renditen dar: Aktuell wartet der Dax mit drei, der Euro Stoxx 50 mit 3,7 und einige Branchen sowie ein Euro-Dividendenindex mit bis zu fünf Prozent Dividendenrendite auf.

Auf den Dividendendividendeneffekt setzen

Ersetzen Sie doch einfach den Zinseszinseffekt durch den Dividendendividendeneffekt. Die Attraktivität dieser Anlagestrategie kann man am Beispiel der Deutschen Telekom seit Börseneinführung, gerechnet mit und ohne Wiederanlage der Dividende verdeutlichen. Ohne reinvestierte Ausschüttungen hätte sich im gesamten Anlagezeitraum ein Kursverlust von annähernd 40 Prozent, per anno also 2,9 Prozent ergeben. Mit regelmäßiger Wiederanlage der Ausschüttungen in neuen Telekom-Aktien hätte sich bis heute insgesamt ein Wertzuwachs von über 30 Prozent, p.a. 1,5 Prozent, ergeben. Auf diese Weise erwirtschaftet man sich zumindest ein ordentliches Risikopolster gegen Kursschwankungen.

Liebe Anlegerinnen und Anleger, sparen Sie sich nicht weiter arm! Bekämpfen Sie ihre persönliche Sparguthabenkrise, indem Sie verstärkt eine nachhaltige Dividendenstrategie, gerne auch in Form regelmäßiger laufender Sparpläne, verfolgen. Denken Sie an Ihre Altersvorsorge. Machen Sie aus dem nächsten Weltspartag wieder einen Feiertag!

 

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.

Foto: Baader Bank

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

DVAG mit Rekord-Umsatz

Die Unternehmensgruppe Deutsche Vermögensberatung (DVAG) meldet für das Jahr 2016 überdurchschnittlich erfolgreiche Geschäftszahlen in Bezug auf Umsatz und Jahresüberschuss.

mehr ...

Immobilien

Immobilien in Hamburg werden teurer

Immobilien- und Grundstückspreise in Hamburg sind im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Wie die Bausparkasse LBS am Dienstag mitteilte, müssen Käufer vor allem in Zentrumsnähe tiefer in die Tasche greifen als noch im Vorjahr.

mehr ...

Investmentfonds

Schlumberger geht zu StarCapital

Der Vermögensverwalter StarCapital AG bekommt zum 1. April 2017 prominenten Zuwachs im Vorstand, der künftig aus fünf Personen besteht. 

mehr ...

Berater

Insolvenzverwalter der Infinus-Mutter geht leer aus

Eine Ordensgemeinschaft ist nicht verpflichtet, ein von der Infinus-Mutter Future Business KGaA zurückgezahltes Nachrangdarlehen an den Insolvenzverwalter der Unternehmensgruppe auszuschütten. Dies entschied das Landgericht Düsseldorf in einem aktuellen Urteil.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lloyd Fonds beendet weiteren Hotelfonds mit Erfolg

Die Lloyd Fonds Gruppe aus Hamburg hat eine weitere Fonds-Hotelimmobilie inklusive der Einzelhandelsflächen an die Hotelgruppe „Motel One“ verkauft. Für das von Motel One betriebene Hotel in Leipzig wurde ein Kaufpreisfaktor von 22,2 bezogen auf die Jahresnettomiete erzielt, teilt Lloyd Fonds mit.

mehr ...

Recht

BU versus AU: Abgrenzung der Leistungsversprechen

Die Arbeitsunfähigkeitskomponente im Rahmen einer Berufsunfähigkeitspolice kann bei unbedarften Versicherungsnehmern zu Verwirrung führen, auch wenn AU und BU zwei gänzlich unterschiedliche Leistungsversprechen beinhalten.

mehr ...