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10. Juli 2014, 11:52
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RCM: Türkisches Zinsniveau lukrativ

Türkische Lira bleibt für Investoren vorerst interessant – die geopolitischen Risiken verstärken sich jedoch.

Autor: Martin Marinov, Raiffeisen Capital Management (RCM)

Türkei

Istanbul, Türkei

Noch bis Mitte 2013 konnte die Türkei ihr überdurchschnittlich starkes Wachstum verteidigen, doch im Mai/Juni letzten Jahres traf die Ankündigung eines Taperings seitens der Fed (und befürchtete steigende Zinsen in den USA) die Türkei und mit ihr andere Emerging Markets mit hohen Leistungsbilanzdefiziten wie ein Keulenschlag. Wirtschaft und Währung konnten sich dem folgenden Abwärtssog nicht mehr entziehen. Hinzu kamen innenpolitische Turbulenzen, ausgelöst durch Demonstrationen rund um den Gezi-Park, die das politische Gefüge der Türkei ins Wanken und in die internationalen Schlagzeilen brachten und das Investorenvertrauen zusätzlich einer harten Prüfung unterzogen.

Innenpolitischer Sprengstoff

Seitdem hat sich das Bild der Türkei für Währungsinvestoren wieder stark gewandelt, auch wenn die Jahreswende 2014 mit den Korruptionsvorwürfen gegenüber Recep Erdogan und massiven Personalrochaden in Justiz, Exekutive und Ministerien noch weiteren innenpolitischen Sprengstoff lieferte. Die Türkische Notenbank zögerte zuerst, brachte aber letztlich im Januar 2014 den Geldmarktsatz von 7,75 Prozent auf 11,5 Prozent in nur wenigen Tagen; damit konnte eine Trendwende eingeleitet und die Dynamik der Währungsentwicklung wieder ins Positive gedreht werden. Von den 30 Prozent Wertverlust, die die Türkische Lira von Mitte 2013 bis Jänner 2014 hinnehmen musste, konnten inzwischen zehn Prozent wieder gutgemacht werden. Erste positive Auswirkungen auf das hohe Handels- und Leistungsbilanzdefizit sind bereits registrierbar, eine weitere Verbesserung ist sehr wahrscheinlich.

Auch das Kreditwachstum ist seit dem massiven Eingriff der Notenbank stark gesunken. Betrug dieses Mitte 2013 auf Jahresbasis noch 40 Prozent, so liegt der aktuelle Stand bei 14 Prozent. Zuletzt hat die Zentralbank – um einer weiteren Wirtschaftsverschlechterung entgegenzuwirken – die Leitzinsen wieder etwas gesenkt. Das aktuelle Niveau liegt nun bei 8,75 Prozent. Das Ausmaß der Zinssenkung kam für die Marktteilnehmer etwas überraschend, da die ohnehin hohe Inflation der Türkei bis Juni noch angestiegen ist, und so ein Schritt daher ungewöhnlich ist.

Üppige Zinsen locken

Dennoch ist das Zinsniveau für Anleger im Vergleich zum vergangenen Jahr immer noch attraktiv. Die Risiken für die Währung liegen aktuell eher auf der politischen Seite – hauptsächlich auf der geopolitischen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Recep Erdogan bei den Präsidentschaftswahlen gewählt wird, ist angesichts guter Umfragewerte und fehlendem starken Oppositionskandidaten sehr groß. Es ist anzunehmen, dass danach die Machtbefugnisse des Präsidentenamtes ausgeweitet werden und der Präsident über die repräsentative Funktion hinaus stärker im politischen Entscheidungsprozess eingebunden wird. Derzeit ist Erdogan bemüht, sein Wählerpotenzial größtmöglich zu erweitern.

Neben der Wählermobilisierung außerhalb der Türkei – auch im Ausland lebende türkische Staatsbürger können an der ersten Präsidentschaftswahl teilnehmen – erwägt er eine Kooperation mit den in der Türkei lebenden Kurden. Dass Erdogan nach der Wahl als Sieger hervorgehen wird, steht momentan außer Zweifel. Offen bleibt, ob er die notwendige Mehrheit schon beim ersten Wahlgang erhalten wird, oder ob dies in einer Stichwahl entschieden wird. Politische Querschläge sind zwar möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, aber für die wirtschaftliche Stabilität der Türkei ist die Wiederwahl Erdogans sicherlich kein Nachteil. Daher wird diese auch keine maßgeblichen Folgen für die Währung des Landes bringen.

Viel kritischer ist die Entwicklung in den südlichen Nachbarländern zu sehen, vor allem jene des Iraks. Denn der Irak ist nicht nur der bedeutendste Exportmarkt der Türkei, sondern auch der wichtigste Energielieferant des Landes. Eine nachhaltige Spaltung des Iraks und ein steigender Ölpreis würden sicherlich nicht spurlos an der Türkei vorbeigehen, sondern würden große wirtschaftliche Risiken bedeuten und hätten mit Sicherheit negative Implikationen auf die Währung.

Derzeit ist die Lira aufgrund des relativ hohen Zinsniveaus ein attraktives Investment, und die höhere Zinsdifferenz rechtfertigt es, die Währung zu halten. Doch die geopolitischen Entwicklungen sollte man im Auge behalten.

Autor Martin Marinov ist Fondsmanager in der Abteilung Global Emerging Markets and Eastern Europe (Fixed Income) bei Raiffeisen Capital Management (RCM).

 

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