„Unternehmensgewinne besser als erwartet“

Daniel Zindstein, verantwortlich für das Portfoliomanagement der vier Dachfonds der Gecam AG, Wangen, mit einer aktuellen Einschätzung zu den Perspektiven der Kapitalmärkte.

Daniel Zindstein ist Fondsmanager und Kapitalmarktexperte bei der Gecam AG.

Die Erwartungen zum Jahreswechsel waren groß: Die Wirtschaft in den USA wird 2014 um drei Prozent wachsen, Deutschland um zwei Prozent und selbst Euroland wächst wieder um ein Prozent. In der Folge werden auch Aktienmärkte und selbst Rohstoffe weiter gewinnen und die Zinsen ansteigen.

Doch zunächst machten die in den letzten zehn Jahren für die Dynamik in der Welt verantwortlichen Schwellenländer einen Strich durch die Heile-Welt-Rechnung, indem sich von der Türkei über Thailand und Brasilien bis hin zu der Ukraine strukturelle bzw. politische Unzufriedenheiten in Aufstände verwandelten. Darüber hinaus erlebte Nordamerika einen der härtesten Winter der letzten 50 Jahre, was zum Teil zu starken Einbrüchen bei diversen Konjunkturindikatoren führte und das BIP-Wachstum im ersten Quartal auf Null drückte.

Geopolitische Risiken

Zuletzt erwachten durch die Entwicklungen in der Ukraine und den damit zusammenhängenden geopolitischen Interessen der USA und Russlands wieder Ängste vor einem (kalten) Krieg, wie sie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr für möglich gehalten wurden. Doch dies sind alles politische bzw. saisonale Einflüsse auf die Stimmung an den Märkten.

Langfristig entscheidet nur ein Parameter über die Entwicklung des Aktienkurses: Die Gewinnentwicklung bzw. die Gewinnperspektive. Die Erwartungen an die US-Berichtssaison zum 1. Quartal lagen unmittelbar vor Beginn unter dem Ergebnis des 4. Quartals 2013. Für Nicht-Finanzunternehmen befürchteten Analysten gar einen Gewinnrückgang von sieben Prozent.

Die niedrigen Erwartungen setzten die Basis dafür, dass die führenden US-Unternehmen die Erwartungen mit einem Gewinnanstieg von 4,3 Prozent übertreffen können. In Summe liegen die bisher veröffentlichten Zahlen um 9,7 Prozent über dem ersten Quartal 2013, verfehlen damit aber das Gewinn-Niveau des 4. Quartals 2013 um 3,3 Prozent. Damit übertreffen die führenden US-Unternehmen die an sie gestellten Erwartungen nun schon zum 21. Mal in Folge.

Gewinn- versus Umsatzquote

Vergleicht man noch die Gewinnausweise mit der Umsatzentwicklung, so klafft im ersten Quartal 2014 eine Lücke. Einer Quote positiver Gewinn-Überraschungen von 62 Prozent steht eine besser als erwartete Umsatzquote von nur 47 Prozent gegenüber, was auf geringere Kosten und nicht mehr Neugeschäft hinweist.

Die bisher vorgelegten Ergebnisse der europäischen Unternehmen geben ein ambivalentes Bild ab. Ein wesentlicher Grund für die noch verhaltene fundamentale Entwicklung lässt sich auf den starken Euro und die Nachfrageschwierigkeiten in einzelnen Schwellenländern zurückführen. Auch hier wurden im Vorfeld die Erwartungen an die Gewinne zurückgenommen. In Summe erwarten die Analysten im Vergleich zum Vorjahr einen Nettogewinnrückgang um 6,7 Prozent.

1 2Startseite
Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments