Führen die Börsenturbulenzen zu einer Aktiendämmerung?

Liebe Janet, lass die Hände weg von der US-Leitzinswende. Es gibt keinen Grund dafür. Inflation ist kein Thema. Und die vielen Jobs im Bereich Fast Food oder Vergnügungsparks sind eben keine Facharbeiterpositionen. Die quantitative amerikanische Beschäftigungsstatistik muss dringend um eine qualitative Komponente ergänzt werden.

Selbst China wird zum geldpolitischen Sündenfall

Auch ist das Volumen der Wertpapierkredite an der New Yorker Börse weit größer als zur Hochzeit der Dotcom- bzw. Immobilienblase. Was passiert, wenn Zinsen steigen, ist doch klar: Die teurer werdenden Kredite werden mit erzwungenen Verkäufen von Aktien zurückgeführt. Sinkende Aktienkurse steigern die US-Konsumstimmung gewiss nicht.

Und auf die Spendierlaune von Peter, Paul and Mary würde die erste US-Zinserhöhung seit fast einem Jahrzehnt sicherlich so wirken wie das Verdünnen einer „stimmungsfreudigen“ Bowle mit viel Selters.

Während die Fed sich nicht bewegen darf, muss die Notenbank in China zu einem wahren geldpolitischen Bewegungswunder werden. Sie mag sich offiziell zwar noch gegen eine zügellose, lasterhafte Notenbankpolitik wie die der Fed, der EZB oder der Bank of Japan sträuben.

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Aber der Finanzmarkt wird sie dazu zwingen bzw. hat es bereits getan: Die Leitzinsen und die Anforderungen für die Mindestreservehaltung der chinesischen Banken wurden erneut gesenkt. Da wird es munter weitergehen.

Und falls die Finanzmärkte in China weiter crashen und das Risiko schwerer realwirtschaftlicher und sozialpolitischer Schäden droht, wird die People’s Bank of China natürlich notleidende Kredite und ebenso über staatliche Pensionsfonds massenhaft Aktien aufkaufen lassen. In der konjunkturellen Not frisst man auch in China geldpolitische Fliegen, um nicht das zweite Japan zu werden.

Notenbanken: Lufthoheit über den Börsen-Stammtischen erringen

Insgesamt hat die Geldpolitik gar keine Wahl. Die internationale Bruder- bzw. Schwesternschaft des billigen und üppigen Geldes muss das verunsicherte Kopfkino der Anleger wieder in den Griff bekommen, damit aus einer finanzwirtschaftlichen Mücke kein die Weltwirtschaft zertrampelnder Elefant wird.

Zur Erinnerung: Die Pleite der Lehman-Bank allein betrachtet war zwar nicht schlimm. Schlimm waren erst die anschließenden Kollateralschäden. Das Portemonnaie wurde zugenagelt, es wurde nicht konsumiert und investiert, weder in die Finanz- noch in die Realmärkte. Die Notenbanken hüben wie drüben müssten mit der Muffe gepufft sein, wenn sie diese Gefahr nicht offensiv bekämpften.

Seite drei: Und was sollen die Anleger nun tun?

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