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2. Juli 2015, 09:05
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“Unabhängig von Konjunkturzyklen”

Roger Vogt, Fondsmanager des Deka Lux Biotech bei der Dekabank, erklärt im Interview, was Investments in Biotech attraktiv macht und warum die Börsenkurse trotz langer Hausse nicht zu hoch sind.

Dekabank

Roger Vogt, Dekabank

Cash.: Was spricht für Investments in den Gesundheitsmarkt und speziell in das Segment Biotechnologie?

Vogt: Die alternde Weltbevölkerung als demografischer Megatrend ist ein nachhaltiger Wachstumstreiber der Branche – global dürfte sich der Anteil der 65-Jährigen bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Speziell in den USA stärkt die in die Jahre gekommene Generation der sogenannten „Baby Boomer“ die Nachfrage in der Biotech-Branche. Der steigende Bedarf an Medikamenten kommt einer unelastischen Nachfragesituation gleich, die weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen ist. Regierungen und Versicherungswirtschaft sind daneben verpflichtet, das Gesundheitswesen zu fördern, auch wenn das Wirtschaftswachstum schwächer sein sollte. Die Medikamenteneinführungen sind auf dem höchsten Stand seit über 20 Jahren, wegen besserer Produkte und einer konstruktiveren Einstellung der Zulassungsstelle FDA in den USA. Die Netto-Cash-Projektion der Biotechnologie-Unternehmen über die kommenden drei Jahre weisen einen kontinuierlichen Anstieg bei den großen Marktführern bis 2018 aus, was Aktienrückkäufe und Übernahmen weiterhin beflügeln sollte. Darüber hinaus werden M&A-Deals durch das aktuelle Niedrigzinsumfeld begünstigt.

Das nötige Kapital ist also vorhanden?

Große Gesundheitsunternehmen verfügen über das notwendige Risikokapital, um durch Akquisitionen Zugriff auf die innovativen Pipelines zu erlangen. Darüber hinaus war die Anzahl der IPOs im Sektor überdurchschnittlich hoch, was ein Aggregat des zur Verfügung stehenden Risikokapitals auf der Seite der Investoren ist. Ein Viertel aller Börsengänge in den USA in den letzten zwölf Monaten entfielen auf den Biotech-Sektor, in 2014 gingen 67 Unternehmen an die Börse. Wir gehen auch für die zweite Jahreshälfte 2015 von weiteren M&A Transaktionen und vermehrten IPOs aus, die sich positiv auf den Biotechsektor auswirken sollten. Das Umsatzwachstum aus den aktuellen Produktpipelines dürfte auch in der zweiten Jahreshälfte 2015 robust bleiben. Rückenwind erhalten Biotech-Aktien strukturell zudem von niedrigen Ölpreisnotierungen, was Regressionsanalyen zeigen.

Die Aktienkurse sind in den letzten Jahren stark geklettert. Wie lautet Ihre Einschätzung der Bewertungen?

Der Biotech-Sektor hat in den vergangenen vier Jahren eine überdurchschnittlich gute Performance gezeigt, die Outperformance des NBI-Index gegenüber dem S&P 500 Index war signifikant. Hierfür sind eine verbesserte Gewinnsituation und die stetige Innovationskraft der Unternehmen wesentliche Treiber. Die starke Preissetzungsmacht der Unternehmen in der USA am aktuellen Rand ist beeindruckend. Zum einen wurden innovative Produkte in den Markt gebracht und es befinden sich weitere in den Pipelines der Biotechunternehmen. Die Aussicht auf eine transparente Produkt-Pipeline bringt Umsatzwachstum und trägt zur hohen Bewertung des Sektors bei. Die Bewertung der Biotechnologie-Aktien liegt zwar mittlerweile relativ etwas über der von Titeln aus dem Pharma-Bereich. Der Spread der Forward P/E`s ist aber im historischen Vergleich nur unwesentlich auseinander gelaufen. Absolut betrachtet sind die Bewertungen höher als beim Gesamtmarkt, dafür ist das erwartete Gewinnwachstum aber ebenso überdurchschnittlich. Der Sektor ist daher trotz der aktuellen Aktienkurse auf Allzeithoch nicht zu teuer.

In dem Portfolio machen die Top-10-Positionen einen Großteil des Fondsvermögens aus. Was spricht für diese Konzentration?

Die Top-10-Positionen machen mehr als die Hälfte des Fondsvermögens aus, wovon nur die Indexschwergewichte Biogen, Celgene, Gilead, Amgen und Regeneron zusammen einen Anteil in Höhe von mehr als 38% ausmachen. Für den investierten Anleger hat diese Konzentration den Vorteil, dass das Portfolio mehrheitlich aus breit diversifizierten Unternehmen der Biotechnologie besteht, die über mehrere Produkte verfügen und ihrerseits wie Fonds agieren. Nicht-Zulassungen oder Verzögerungen im Prozess können nur die großen Unternehmen verkraften, deren Cash Flow-Bestände sich komfortabel über die letzten Jahre entwickelt haben. Viele kleinere Unternehmen haben nur wenige Produkte, im Extremfall hängt die Aktienkursentwicklung binär sogar von nur einer Zulassung ab. Diese Aktien zunächst mit einem geringen Anteil am Fondsvolumen zu gewichten, zahlt sich strategisch auf Fondsebene aus. Scheitert die Zulassung durch die zuständigen Behörden, so hat der massive Kursverlust dieser Aktie einen geringen Effekt auf das gesamte Portfolio. Ist das Einmedikamentunternehmen dagegen erfolgreich, so steigt die Gewichtung des Titels mit ansteigenden Kursnotierungen auf Fondsebene automatisch an.

Welche Investments haben zuletzt die größten Renditebeiträge gebracht?

Die größten Renditebeiträge im Börsenmonat Mai stammen allesamt aus dem Segment der Small und Mid Caps innerhalb des Biotechsektors. Aufgelistet sind die Aktien mit einer Wertentwicklung von mehr als 50 Prozent in einem Monat:

· Synageva BioPharma C +137.2%

· Sarepta Therapeutics +114.7%

· Alder Biopharmaceutical +70.4%

· Ultragenyx Pharmaceutical + 57.6%

· ZS Pharma, Inc. +57.1%

· Retrophin, Inc. +50.1%

 Erscheinen einzelne Segmente aus Ihrer Sicht besonders aussichtsreich?

Ein bestimmtes Segment auszumachen wäre zu eng gefasst, letztendlich kommt es bottom up auf die spezifische Pipeline eines Unternehmens an. Wir beobachten momentan einen neuen innovativen Produktzyklus in folgenden Bereichen: Hepatitis, Alzheimer, Multiple Sklerose, Onkologie und Immuntherapie. Vor allem im Bereich Onkologie konnten signifikante Fortschritte gezeigt werden aber auch im Bereich Hepatitis und Herzkreislauferkrankung wurden neue Produktklassen mit Blockbuster-Potenzial entwickelt. Möglicherweise steht die Industrie vor innovativen Durchbrüchen auf den Gebieten Gen-Therapie und Krebs-Immuntherapien als potenzielle Megatrends.

Lesen Sie auf Seite Zwei, welche besonderen Investmentchancen und Risiken Vogt in Bereich Biotech sieht.

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