Anzeige
4. Mai 2015, 11:24
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Legal & General IM: Wahlen werden zur Nagelprobe für britische Finanzmärkte

Der Ausgang der Wahlen in Großbritannien am 7. Mai ist den laufenden Umfragen zufolge derzeit offen. Je nach Parteienkonstellation in der kommenden britischen Regierung wird das Ergebnis der Abstimmung jedoch erhebliche Auswirkungen für die Investoren und die Perspektiven der britischen Volkswirtschaft haben, glaubt der Asset-Manager Legal & General Investment Management (LGIM).

London-750-shutt 117164311 in Legal & General IM: Wahlen werden zur Nagelprobe für britische Finanzmärkte

Offenes Rennen bei den Wahlen zum britischen Unterhaus am 7. Mai.

“Historisch gesehen ist der Einfluss von Wahlen und anderen politischen Ereignisse überraschend gering”, fasst Christopher Jeffery, Anlagestratege bei LGIM, das Ergebnis eigener Untersuchungen zusammen. “Wir haben auf Basis unserer Daten nur vergleichsweise schwach ausgeprägte Muster gefunden”, sagt Jeffery, “und es spricht wenig dafür, dass die Volatilität rund um den Wahltag außergewöhnlich stark zunimmt. Was wir allerdings sagen können, ist, dass britische Staatsanleihen vor dem Wahltag leicht schwächer tendieren, während das Pfund typischerweise eher zulegt. Aktien verhalten sich zwiespältig.”

Politische Börse diesmal mit mehr Einfluss?

Bei Betrachtung längerer Zeiträume fallen diese Bewegungen Jeffery zufolge im Zuge der allgemeinen Schwankungen an den Finanzmärkten jedoch kaum auf. Allerdings ist es fraglich, ob sich die britischen Finanzmärkte dieses Mal ähnlich verhalten wie in der Vergangenheit. “Diese Wahlen sind sicherlich nicht als “normal” anzusehen”, sagt Jefferys Kollege Willem Klijnstra.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Bisherige Umfragen gehen davon aus, dass es zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden großen Parteien, den Konservativen und der Labour-Partei, kommt. “Anders als in der Vergangenheit wird die Bedeutung der kleineren Parteien im Parlament – der britischen Grünen, UKIP und SNP – wahrscheinlich zunehmen und Großbritannien damit in eine Phase größerer politischer Pluralität kommen“, prognostiziert LGIM-Stratege Klijnstra. „Das macht es zusätzlich schwierig, den Wahlausgang zu kalkulieren.”

Neue Agenda bei Verschiebung der Kräfteverhältnisse

Auf die Agenda einer neuen Regierung, die möglicherweise aus einer Koalition besteht, wird sich die Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse mit Sicherheit auswirken. “Vordergründig sieht es so aus, als ginge es aus Sicht der Finanzmärkte um die Wahl zwischen zwei Übeln”, fasst Jeffery die Ausgangslage zusammen. “Eine von den Konservativen geführte Regierung könnte Großbritannien näher an einen Austritt aus der EU bringen, eine Labour-Regierung die fiskalische Disziplin vernachlässigen und marktfreundliche Reformen verzögern.”

Großbritannien auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen

Beide Ziele hätten den LGIM-Experten zufolge erhebliche Rückkopplungen auf die britische Volkswirtschaft und die heimischen Finanzmärkte. “Ohne das Pro und Contra einer EU-Mitgliedschaft erörtern zu wollen: Angesichts des klaffenden Defizits in der Kapitalbilanz ist Großbritannien auf Direktinvestitionen und Anlagegelder ausländischer Investoren dringend angewiesen, um sein Wohlstandsniveau zu halten”, erklärt Jeffery.

Diskussion über EU-Mitgliedschaft schlecht für die Wirtschaft

“Der Zustrom dieser Gelder steht ernsthaft infrage, wenn die EU-Mitgliedschaft der Insel ernsthaft diskutiert wird.” Auf der anderen Seite steht bei einem Regierungswechsel mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Paradigmenwechsel bei den steuerlichen und regulativen Rahmenbedingungen auf der Insel bevor. So hat die Labour-Partei bereits ihre Absicht bekundet, neue Steuern einzuführen und gesetzliche Regeln zu verschärfen, wenn sie in die Regierungsverantwortung kommt. Dazu gehören unter anderem die Einführung einer Immobiliensteuer, eine Einschränkung der Null-Stunden-Verträge, eine Regulierung des Energiemarktes und Änderungen im Mietrecht.

Belastung des Unternehmenssektors

“Wir beurteilen diese Vorhaben in keinster Weise”, betont LGIM-Experte Klijnstra. “Es ist jedoch offensichtlich, dass sie zum einen den Unternehmenssektor zusätzlich belasten – was wiederum negative Rückkopplungen auf den Aktien- und Anleihenmarkt haben wird. Zum anderen dürfte die Anziehungskraft Großbritanniens auf ausländisches Kapital geschwächt werden, was in der Folge das Pfund unter Druck bringt.”

Anleger sollen besonnen handeln

Gleichwohl mahnen die beiden Experten Investoren zur Besonnenheit. “Der mediale Hype und die öffentliche Wahrnehmung rund um die anstehenden Wahlen ist riesengroß. Das verzerrt mitunter die Perspektive und gibt einzelnen Themen ein größeres Gewicht als sie es eigentlich haben”, so Klijnstra. “Wenn das Spektakel erst einmal vorbei ist, werden die Finanzmärkte ihren Blick wieder auf die fundamentalen Daten richten, die wirklich von Bedeutung sind.”

Foto: Shutterstock

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 12/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – IDW S4-Standard – Crowdinvesting – Bankenwelt

Ab dem 17. November im Handel!

Special 4/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Regulierung – betriebliche Altersversorgung – Unfallversicherung – Privathaftpflicht – Gewerbehaftpflichtpolicen

Ab dem 25. Oktober im Handel!

Versicherungen

Sanitätshäuser dürfen Kassenpatienten die Zuzahlung erlassen

Krankenversicherte dürfen auf Preisnachlässe bei medizinischen Hilfsmitteln wie Schuheinlagen, Blutzuckertests oder Hörgeräten hoffen. Ein Grundsatz-Urteil erlaubt es den Händlern solcher Produkte, ihren Kunden die Zuzahlung an die gesetzliche Krankenkasse zu erlassen.

mehr ...

Immobilien

Bauwirtschaft rechnet mit anhaltendem Boom

Die Bauwirtschaft rechnet für 2016 mit einem Plus von fünf Prozent und geht davon aus, dass 2017 ähnlich gut wird. Haupttreiber der Entwicklung seien der Straßen- und Wohnungsbau.

mehr ...

Investmentfonds

Italien-Referendum belastet Börse nicht

In diesem Jahr gerieten die Börsen durch politische Abstimmungen bereits mehrfach unter Druck. Nach dem Italien-Referendum scheinen die Marktteilnehmer aber dazu gelernt zu haben.

mehr ...

Berater

Vollmachtsvermutung: Hoher Prüfungsaufwand für Berater

Laut eines aktuellen Gesetzesentwurfes sollen Ehegatten und eingetragene Lebenspartner in Notfällen einander automatisch vertreten dürfen. In seiner derzeitigen Fassung besteht allerdings die Gefahr, dass die Missbrauchsanfälligkeit dieser Regelung hoch ist.

Gastbeitrag von Margit Winkler, Institut Generationenberatung

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric erwirbt erste Maschine für Flugzeugportfolio

Der Asset Manager Doric hat mit einem Airbus A330-200 das erste Flugzeug für das “Floreat Aviation Portfolio” erworben. Leasingnehmer des Flugzeuges ist die Fluggesellschaft Virgin Australia.

mehr ...

Recht

IDD: Der Tod der Honorarvereinbarung für Versicherungsmakler

Aktuell erfreuen sich Honorarvereinbarungen – zum Beispiel bei der Vermittlung von Nettotarifen – und Servicepauschalen einer großen Beliebtheit unter Versicherungsvermittlern. Hiermit könnte jedoch bald Schluss sein – jedenfalls wenn es nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums geht.

mehr ...