Anzeige
9. Juni 2015, 13:17
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Rentencrash in Euroland?

Marktkommentar: Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt Meriten IM

Drei Monate nach Beginn des breit angelegten Anleihekaufprogramms der EZB scheint die Rechnung von Mario Draghi aufzugehen…

Eurozone

EZB-Zentrale in Frankfurt

… es häufen sich Anzeichen dafür, dass mehr Kredite in der Eurozone vergeben werden, die meisten Konjunkturindikatoren machen Mut, die Inflation hat sich von ihrem Tiefststand gelöst und auch die Inflationserwartungen steigen langsam wieder an.

Volatile Renditen

Ist es mit den EZB-Plänen vereinbar, dass nun auch die Renditen wieder steigen? Die Renditesprünge der vergangenen Tage und Wochen deuten an, dass die Rentenmärkte Deflationssorgen abschütteln und beginnen, an eine Wiederbelebung der Inflation in Euroland zu glauben. Die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung ist zwar noch nicht gesichert. Wenn sich die derzeitigen Wachstums- und Inflationsprognosen aber als treffend erweisen, dürften die Renditen von EWU-Staatsanleihen bis 2016 weiter steigen. Drei Monate hatten wir nun Zeit, uns an das Ankaufprogramm der EZB zu gewöhnen.

An den Märkten kam diese Phase einer Achterbahnfahrt gleich. Am Anfang standen die Zweifel: Zweifel, ob die EZB ihre selbst gesetzten Regeln einhalten kann, ob es genug „Material“ und verkaufswillige Investoren gibt, ob negative Renditen zu Chaos führen, ob einzelne Investoren aus der Bahn geworfen werden, inwieweit der Ankauf von Anleihen mit negative Renditen zu Verlusten der EZB und der nationalen Zentralbanken führen, und ob die EZB tatsächlich bis September 2016 mit den Käufen durchhält. Die wichtigste Frage war und ist allerdings, ob das EZB-Programm ökonomischen Erfolg hat.

Die meisten technischen Fragen kann man heute als geklärt ansehen: Ja, die EZB ist in der Lage, ihr Programm ohne große Schwierigkeiten durchzuziehen. Der Markt ist trotz zeitweise negativer Renditen vieler Bundesanleihen nicht im Chaos versunken, und Ausfälle von Marktteilnehmern sind uns bisher nicht bekannt. Auch hat sich erwiesen, dass genug Material für das Programm vorhanden ist, seit dem jüngsten Renditeanstieg sogar wieder mehr, das die EZB nach ihren selbst gesetzten Regeln kaufen kann.

Dass sich die Renditen von EWU-Staatsanleihen seit Mitte April trotz des vorübergehend erhöhten Ankaufvolumens der EZB in relativ kurzer Zeit weit von ihren Tiefstständen entfernt haben, lässt vermuten, dass mehr und mehr Marktteilnehmer an einen finalen Erfolg des Programms glauben, also an die (zumindest moderate) Reflationierung der Eurozone. Und dass sich Mario Draghi von diesem Renditeanstieg unbeeindruckt gezeigt hat, deutet an, dass er Null-Renditen nicht als entscheidendes Erfolgskriterium für das EZB-Programm ansieht.

Autor Holger Fahrinkrug arbeitet als Chefvolkswirt bei der Fondsgesellschaft Meriten IM.

Foto: Shutterstock

 

 

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Insurtechs: Über 80 Millionen US-Dollar für deutsche Start-ups

Im Jahr 2016 haben die deutschen Insurtechs in Finanzierungsrunden mehr als 80 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das geht aus einer Untersuchung des Münchener Fintech-Start-ups Finanzchef24 hervor. Demnach hat sich das Finanzeriungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

mehr ...

Immobilien

Baufi Secure: Neues Absicherungsprodukt für Immobiliendarlehen

Was geschieht, wenn Immobilienkäufer ihre Darlehensraten aufgrund von Krankheit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr bedienen können? Das Produkt Baufi Secure will die Immobilienfinanzierung flexibel absichern.

mehr ...

Investmentfonds

Merck Finck sieht Rückenwind für Aktien

Kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump sind vermehrt kritische Stimmen von der Investmentseite laut geworden. Merck Finck blickt der kommenden Handelswoche dennoch optimistisch entgegen.

mehr ...

Berater

WhoFinance und Defino bauen Kooperation aus

Wie das Bewertungsportal WhoFinance und das Defino Institut für Finanznorm mitteilen, haben sie ihre beiden Portale eng miteinander vernetzt. Dadurch sollen Finanzberater und Vermittler künftig die Qualität ihrer Beratung noch besser im Internet darstellen können.

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric zieht positive Bilanz für 2016

Quadoro Doric hat mit der kernsanierten Büroimmobilie Trappenburch in Utrecht eine weitere Immobilie für den offenen Spezial-AIF Vescore Sustainable Real Estate Europe übernommen und damit das Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.

mehr ...

Recht

LV-Verträge als Kreditsicherung: Widerspruchsrecht verwirkt

Werden Lebensversicherungsverträge zur Immobilienfinanzierung eingesetzt, kann das Widerspruchsrecht des Versicherten verwirkt sein, auch wenn die Widerspruchsbelehrungen der Policen nicht korrekt sind. Knackpunkt ist die Bedeutung der Policen als Sicherungsmittel.

mehr ...