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6. Oktober 2015, 08:05
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UBP AM: Anlagechancen in Schwellenländern attraktiv

Das Schwellenländeranleihenteam von UBP Asset Management hält an seinem konstruktiven Ausblick für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern fest. Karine Jesiolowski, Senior Investment Specialist, erläutert Anlagemöglichkeiten sowie die jetzigen Spread-Niveaus.

UBP-Karine-Jesiolowski in UBP AM: Anlagechancen in Schwellenländern attraktiv

Karine Jesiolowski, UBP Asset Management

 

Der Kursrutsch in China, schwächere wirtschaftliche Daten für das Land und der antizipierte Zinsanstieg der Federal Reserve (Fed) für September führten Ende August zu massiven Verkäufen von “risikoreichen” Assets wie etwa Schwellenländeranleihen. Der vermeintliche Misserfolg der chinesischen Regierung, den Aktienmarktkollaps zu verhindern und die Wirtschaft anzukurbeln und das langsamere chinesische sowie weltweite Wachstum wirkten sich wiederum auf Rohstoffpreise wie etwa Öl und bestimmte Metalle aus.

Im August hatten sich die Spreads für Schwellenländerunternehmensanleihen um 35 Basispunkte auf 386 Basispunkte ausgeweitet und somit die Gewinne dieses Jahres (31 Basispunkte) zunichte gemacht. Die Spreads für Investment-Grade-Schwellenländerunternehmensanleihen weiteten sich um 19 Basispunkte aus und liegen jetzt zwei Basispunkte unter ihrem Jahresanfangsniveau. Der High Yield-Bereich verzeichnete stärkere Rückgänge: Spreads weiteten sich seit August um 67 Basispunkte auf 638 Basispunkte aus (41 Basispunkte seit Jahresanfang).

US-Wirtschaft auf dem richtigen Weg

Was kann von daher die nahe Zukunft bringen? Erstens: Die Fed hat ihr Zinsniveau am 18. September bei 0,25 Prozent belassen. Unsere Experten hatten das unveränderte Zinsniveau seit Monaten prognostiziert. Janet Yellen ließ offen, ob sich dies bereits im Oktober ändern könnte; allerdings gibt es im jetzigen weltweiten Umfeld für die Fed keinen zwingenden Grund sofort zu agieren. Die US-Wirtschaft befindet sich auf dem richtigen Weg. Es herrscht weder Druck auf Gehälter noch auf die Inflation; Rohstoffpreise sind nach wie vor niedrig. Der US-Dollar ist im Jahresvergleich zu einem Währungskorb der wichtigsten Weltdevisen im August 2015 um 11,5 Prozent gestiegen; diese Stärke wirkt sich jetzt bereits auf die US-Wirtschaft und Importpreise aus und hemmt die Inflation. Es gibt keine Hinweise, dass sich diese Tendenzen in nächster Zeit beschleunigen werden.

Sanfte Landung in China

Zweitens: China wird “sanft landen”: die Geldpolitik und die unterschiedlichen Aktivitäten der Regierung wie etwa erhöhte Infrastrukturausgaben oder die finanzielle Unterstützung der Lokalregierungen werden die Wirtschaft stützen. Das Wachstum für das vierte Quartal 2015 sowie das erste Quartal 2016 sieht solide aus, die Regierung in Beijing kann eine Reihe von Maßnahmen einsetzen, die in ihrem Interesse liegen und möchte weiterhin staatseigene Unternehmen reformieren und den Wohnungsmarkt stabilisieren. Sie kann daher ihre Auslandsdevisenreserven sowie staatseigenen Pensionsfonds, die respektive 34 und sieben Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmachen, einsetzen. Chinas Schulden im öffentlichen Sektor sind überschaubar und liegen bei 55 Prozent des Bruttoinlandprodukts; es könnten zudem Steuererleichterungen eingeführt werden. Die Inflation ist begrenzt, von daher kann die Geldpolitik gelockert werden. China sollte sich, unserer Meinung nach, weiter zu einer Dienstleistungsgesellschaft entwickeln – was ebenfalls ein gesünderes, weniger volatiles Wachstum bedeuten würde und zu mehr Unabhängigkeit von weltweiten Entwicklungen führen würde. Im zweiten Quartal 2015 hat der Dienstleistungssektor bereits 49 Prozent des Bruttoinlandprodukts betragen und war um 8,4 Prozent im Vergleich zu Vorjahr gewachsen.

Ölpreis von 50 Dollar je Barrel realistisch

Drittens: Wir gehen nach wie vor von einem Ölpreis um 50 US-Dollar je Barrel aus. Die Niveaus von Ende August, die bei 38 US-Dollar pro Barrel lagen, waren extrem niedrig – rund ein Viertel aller Produzenten verlieren bei diesem Preis Geld. Momentan liegt ein Barrel bei einem ausgewogeneren Preis von über 45 US-Dollar. Für das Jahr 2016 antizipieren wir, dass die Nachfrage die Produktion übertreffen wird und Reserven weiter abnehmen werden. Die USA nimmt hierbei eine Schlüsselfunktion ein – seit Dezember 2014 ist die Anzahl der Bohrlöcher (Drill Rig Counts) um 55 Prozent gesunken; Reserven sind seit April 2015 um sieben Prozent gefallen. Von daher kann man davon ausgehen, dass die Produktion, wenn auch zeitverzögert, nachlässt. Ölunternehmen, die in nordamerikanischen Schieferfeldern tätig sind, machen etwa fünf Prozent der weltweiten Produktion aus. Sie haben allerdings die höchsten Kosten und gelten als Vorreiter für etwaige Änderungen.

Schwellenländer importieren Öl mehrheitlich

Für Ölproduzenten aus Schwellenländern macht sich der niedrige Ölpreis anders bemerkbar: Nachgelagerte Unternehmen (Downstream) profitieren beispielsweise von günstigeren Preisen. Vorgelagerte Unternehmen (Upstream), wie etwa Gazprom, können Niedrigpreise durch eine Abwertung ihrer Lokalwährungen kompensieren und somit die Auswirkungen auf ihre Gewinne abfedern. Es gibt zudem mehr ölimportierende Schwellenländer als exportierende. Während die medialen Nachrichten die Schwellenländer sofort abstrafen, sind wir überzeugt, dass der langfristige Realeffekt des niedrigen Ölpreises positive Auswirkungen haben wird.

Fokus auf Kreditanalyse

Bewertungen für Schwellenländerunternehmensanleihen sind im Vergleich zu ihren Pendants aus den entwickelten Ländern weiterhin attraktiv. Die Nettoausgabe von Schwellenländerunternehmensanleihen (Ausgabe minus Coupon und Amortisierung) war dieses Jahr negativ – dieser Trend dürfte bis in das kommende Jahr anhalten. Die höchstverschuldeten Unternehmen werden von daher unter Druck geraten und Schwierigkeiten bei der Refinanzierung an den internationalen Märkten bekommen. Von daher liegt unser Augenmerk momentan besonders auf der Kreditanalyse.

Insgesamt sind diese Entwicklungen sowie ihre langfristigen Folgen für die Emerging Markets eher positiv als negativ – weshalb Investoren wieder darüber nachdenken sollten, graduell Portfoliopositionen auf- statt abzubauen.

Foto: UBP

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