Anzeige
23. März 2016, 08:41
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

EZB-verändert Euro-Ausblick nicht

Die EZB scheint erkannt zu haben, dass eine weitere künstliche Schwächung des Euro andere Zentralbanken zu einer ähnlichen Politik gezwungen hätte, die den Währungseffekt egalisiert hätten. Dennoch erwarten wir einen moderat tieferen EUR-USD-Wechselkurs. Gastkommentar von  Ursina Kubli, Bank J. Safra Sarasin

Kubli-Ursina-Sarasin-750 in EZB-verändert Euro-Ausblick nicht

Ursina Kubli, Bank J. Safra Sarasin

Eine Anlageregel bei Devisen kam im März ins Wanken. Normalerweise ist eine überraschend expansive Geldpolitik von einer kräftigen Währungsabwertung gefolgt. Nicht jedoch bei der vergangenen EZB-Sitzung. Obwohl die EZB insgesamt deutlich expansiver war als erwartet, ist der Euro in Folge gestiegen. Dieses scheinbare Paradox beruht auf dem Schwenker der EZB weg von einer auf eine schwache Währung basierende Gelpolitik hin zu einer den Kreditmarkt unterstützenden Politik. In den letzten Jahren war zumindest implizit klar, dass die EZB mit der berühmten «whatever» it takes“ Aussage von EZB-Präsident Draghi eine schwache Währung anvisierte. Dieser Transmissionskanal steht nun nicht mehr im Fokus. Draghi hat klargestellt, das nicht mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen ist. Wird der Euro seine Rally fortsetzten?

Der starke Fokus der Zentralbanken auf den Wechselkurskanal ist nicht unproblematisch. Währungsschwächende Maßnahmen einer Zentralbank führen zwangsläufig zu einer Aufwertung in den übrigen Währungsräumen. Diese Zentralbanken werden jedoch nicht tatenlos zusehen. Trübt sich der Wirtschafsausblick ein und bleibt auch der Inflationsausblick aufgrund der stärkeren Währungen gedämpft, werden sie ebenfalls expansiver. Das Resultat ist schlussendlich ein Nullsummenspiel und der Währungseffekt entfällt. Die Politik einer schwachen Währung kann nur kurzfristig funktionieren. Im Februar hat die Bank of Japan negative Zinsen eingeführt, um den Zinsvorteil gegenüber anderen Währungen zu reduzieren. Die schwedische Riksbank hat im März ihre Zinsen auf ein Niveau von -0,50 Prozent gesenkt. Auch SNB-Präsident Jordan hat am G20-Gipfel betont, dass weniger Ausnahmen bei den Negativzinsen möglich seien. Der Währungskanal der EZB-Politik war bereits an seine Grenzen gestoßen.

Unsere Einschätzung des EUR-USD-Wechselkurses bleibt damit unverändert. Wir erwarten eine moderate Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Erstens dürften die zwei Zinsschritte des US-Fed, welche wir in unserem Szenario erwarten, dem US-Dollar Aufwind verleihen. An den Finanzmärkten werden kaum weitere Fed-Zinsschritte erwartet, wie die Preise der Fed Fund Futures zeigen. Zweitens sind die politischen Unsicherheiten in Euroland deutlich gestiegen. Wichtige Wahlen stehen an und die Politik scheint bei Migrationsfragen so uneinig wie noch nie. Brexit, die zurzeit größte politische Gefahr, ist auch nicht nur ein Problem des Vereinigten Königreiches, sondern würde auch der europäischen Konjunktur und dem Euro schaden. Die Frage um die britische Zugehörigkeit zur EU ist ein emotionales Thema und der Ausgang des Referendums bleibt offen. Diese Unsicherheiten werden das britische Pfund insbesondere gegenüber dem US-Dollar schwächen.

Ursina Kubli ist Ökonomin, bei der Bank J. Safra Sarasin, Schweiz

Foto:Bank J. Safra Sarasin

 

 

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 12/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – IDW S4-Standard – Crowdinvesting – Bankenwelt

Ab dem 17. November im Handel!

Special 4/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Regulierung – betriebliche Altersversorgung – Unfallversicherung – Privathaftpflicht – Gewerbehaftpflichtpolicen

Ab dem 25. Oktober im Handel!

Versicherungen

Sanitätshäuser dürfen Kassenpatienten die Zuzahlung erlassen

Krankenversicherte dürfen auf Preisnachlässe bei medizinischen Hilfsmitteln wie Schuheinlagen, Blutzuckertests oder Hörgeräten hoffen. Ein Grundsatz-Urteil erlaubt es den Händlern solcher Produkte, ihren Kunden die Zuzahlung an die gesetzliche Krankenkasse zu erlassen.

mehr ...

Immobilien

Bauwirtschaft rechnet mit anhaltendem Boom

Die Bauwirtschaft rechnet für 2016 mit einem Plus von fünf Prozent und geht davon aus, dass 2017 ähnlich gut verläuft. Haupttreiber der Entwicklung seien der Straßen- und Wohnungsbau.

mehr ...

Investmentfonds

Italien-Referendum belastet Börse nicht

In diesem Jahr gerieten die Börsen durch politische Abstimmungen bereits mehrfach unter Druck. Nach dem Italien-Referendum scheinen die Marktteilnehmer aber dazu gelernt zu haben.

mehr ...

Berater

Vollmachtsvermutung: Hoher Prüfungsaufwand für Berater

Laut eines aktuellen Gesetzesentwurfes sollen Ehegatten und eingetragene Lebenspartner in Notfällen einander automatisch vertreten dürfen. In seiner derzeitigen Fassung besteht allerdings die Gefahr, dass die Missbrauchsanfälligkeit dieser Regelung hoch ist.

Gastbeitrag von Margit Winkler, Institut Generationenberatung

mehr ...

Sachwertanlagen

Schifffahrt: Krise, Krise und kein Ende

Der Verkauf der Reederei Hamburg Süd an den Konkurrenten Maersk markiert einen weiteren Höhepunkt der Schifffahrtskrise. Doch was haben AIF aus anderen Branchen damit zu tun? Der Löwer-Kommentar

mehr ...

Recht

IDD: Der Tod der Honorarvereinbarung für Versicherungsmakler

Aktuell erfreuen sich Honorarvereinbarungen – zum Beispiel bei der Vermittlung von Nettotarifen – und Servicepauschalen einer großen Beliebtheit unter Versicherungsvermittlern. Hiermit könnte jedoch bald Schluss sein – jedenfalls wenn es nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums geht.

mehr ...