1. Februar 2016, 10:30
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Gecam: Aktienmärkte werden vom günstigen Ölpreis profitieren

Nicht die Nachfrage nach Erdöl bricht ein, sondern das Angebot weitet sich aufgrund eines gnadenlosen Verdrängungswettbewerbs aus. Daniel Zindstein, Leiter Portfoliomanagement des Vermögensverwalters Gecam AG, sagt, wie Anleger diese Gemengelage nutzen können.

Daniel Zindstein750 in Gecam: Aktienmärkte werden vom günstigen Ölpreis profitieren

Daniel Zindstein, Gecam

Chinas Wirtschaft schwächt sich ab, deshalb braucht sie weniger Öl und andere Rohstoffe. Das meinen zumindest die Weltuntergangs-Propheten, denen die Märkte aktuell nur zu gerne folgen. Dadurch fallen die Rohstoffpreise, allen voran der Ölpreis, so drastisch, was wiederum Unternehmen aus diesem Sektor in die Pleite treibt, die wiederum ihre kreditgebenden Banken mit in den Abgrund ziehen. Wir sind aber der Meinung, das stimmt nicht.

Veränderte Perspektiven zum Ölpreis

Zunächst einmal ist es schon verblüffend wie schnell sich ganz grundlegende Überzeugungen in der Welt wandeln. War noch vor zwei Jahren die Peak-Oil-Erwartung, also die Gewissheit, dass der Welt wohl bald das Öl ausgehe, vorherrschend, so ertrinkt die globale Wirtschaft aktuell geradezu in Öl. Öllager sind voll, Tankerkapazitäten werden zu Speichern umgewidmet, der Ölpreis stürzt ins Bodenlose. Prognosen von 20, 10 und sogar Null US-Dollar pro Barrel machen die Runde. Die angeblich schwache Konjunktur und die neue Überzeugung, dass die Welt in Zukunft nicht mehr so viel Öl brauche, seien die Ursachen.

Aus unserer Sicht sind solche Prognosen Ausdruck einer Übertreibung in der Endphase des sich dynamisierenden Abwärtstrends. Der Ölpreis rutschte in diesem noch jungen Jahr bereits knapp 28% ab, Rohstoffe im Allgemeinen um rund 13 Prozent. Ist das gerechtfertigt? Betrachten wir die möglichen Gründe: China ist weiterhin der größte Rohstoff-Käufer der Welt. In Tonnen gerechnet sind die Rohstoffimporte bisher nicht zurückgegangen. Viele Betrachter machen den Fehler Rohstoffhandelszahlen in US-Dollar zu messen, der vermeintlich besseren Vergleichbarkeit wegen. Steigt dieser jedoch im Vergleich zur heimischen Währung an, so steigt ebenfalls die Summe, die man für Importe aufwenden muss bzw. fällt die Summe, die Exporteure dafür in der lokalen Währung bekommen. Genauso wirken die fallenden Rohstoffpreise unmittelbar. Importiert zum Beispiel Deutschland rund 2,4 Millionen Barrel pro Tag, so entspricht dies bei einem Ölpreis von 100 Dollar einer Ölimportrechnung von 240 Millionen Dollar. Fällt nun der Barrel-Preis auf 30 Dollar, so geht die Ölimportrechnung auf 72 Millionen Dollar zurück. Crash-Gurus würden jetzt die große Wirtschaftskrise in Deutschland ausrufen, da wir ja anscheinend viel weniger Öl brauchen.

Umgekehrt wird jedoch ein Schuh daraus: Die deutschen Unternehmen und Verbraucher sparen nun 168 Millionen Dollar pro Tag! Ein echtes Konjunkturprogramm in Höhe von 61 Milliarden Dollar pro Jahr! Für China gilt natürlich die gleiche Rechnung. Sie geht sogar noch besser auf, da der chinesische Yuan viel weniger zum Dollar schwankt, ja bis vor kurzer Zeit sogar noch an diesen gekoppelt war. Aber kauft China denn in absoluten Maßeinheiten gerechnet nun weniger oder mehr Rohöl in der Welt? Im Gesamtjahr 2015 stiegen die Ölimporte um rund neun Prozent auf 6,7 Millionen Barrel pro Tag an. Im Dezember wurde sogar ein Rekordniveau von 7,8 Millionen Barrel erreicht. Wahrlich kein Zeichen einer schwächelnden Konjunktur.

Die Welt wird energieeffizienter

Auch weltweit gehen die Ölverbrauchsraten nicht zurück, sie stagnieren höchstens. Gründe für ein Wirtschaftswachstum, ohne stärkeren Ölverbrauch, sind die stark auf Energieeffizienz ausgerichteten Volkswirtschaften des Westens. Um eine Einheit Wirtschaftswachstum zu erzielen, ist beispielsweise in Deutschland nur noch die Hälfte der Energiemenge notwendig, wie noch in den 80er Jahren. Gleichzeitig wandeln sich die Volkswirtschaften weg von der energiefressenden Industrie und Produktionswirtschaft, hin zur Dienstleistungsindustrie. In den USA trägt der sogenannte Tertiäre Sektor mittlerweile rund 80 Prozent zur Wertschöpfung bei. Aber auch in Deutschland und Japan machen Dienstleister zwei Drittel der Wirtschaft aus. Und sogar in China, dem Inbegriff von Schwerindustrie, Bauindustrie und verarbeitendem Gewerbe, tragen Dienstleistungen fast die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt bei. Es gäbe also genügend Gründe, warum die Volkswirtschaften weniger Öl verbrauchen könnten, trotzdem steigen die Ölimporte. Das ist kein Zeichen von Schwäche.

Seite zwei: Verdrängungswettbewerb und Spekulation sorgen für Kursstürze

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