Anzeige
Anzeige
10. März 2016, 08:05
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Geldpolitik auf Wiedervorlage

Die EZB hat die Erwartungen an ihre geldpolitischen Entscheidungen dieses Mal etwas vorsichtiger gesteuert als im Dezember vergangenen Jahres. Klar ist dennoch, dass sie diese Woche ihre Geldpolitik weiter lockern dürfte und auch, dass davon Impulse für die Wechselkursentwicklung und damit für die Geldpolitik anderer Zentralbanken ausgeht. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin

JuniusSarasin in Geldpolitik auf Wiedervorlage

Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin.

EZB-Präsident Draghi und andere Zentralbankmitglieder verweisen gerne auf den Erfolg der bisherigen Anleihekäufe. In technischer Hinsicht ist das richtig. Die Notenbank konnte ihre Käufe ohne Probleme umsetzen und im geplanten Ausmaß Anleihen kaufen. Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die wirtschaftliche Entwicklung sind nach einem Jahr allerdings sehr heterogen. Die Geldmarktzinsen und Renditen von Bundesanleihen sind tatsächlich gesunken. Gestiegen sind hingegen die Zinsaufschläge von Peripherieanleihen, der Außenwert des Euro ist rund zwei Prozent höher und die Aktienkurse rund 15 Prozent gefallen. Damit ist nicht ganz klar über welchen Wirkungskanal die Anleihekäufe eigentlich positiv stimuliert haben soll.

Die Inflation bleibt niedrig

Während die Zentralbankgeldmenge und die Kreditvergabe tatsächlich dynamischer gewachsen sind, bleibt es unsicher, ob dies etwas mit der Geldpolitik zu tun hat oder lediglich ein normales Resultat sich erholender Bankbilanzen ist. In jedem Fall lässt sich ökonomisch kaum eine Veränderung gegenüber März letzten Jahres feststellen. Die Inflation ist ähnlich niedrig und erneut im negativen Bereich, die Stimmungsindikatoren sind auch nicht höher und das Wachstum zwar stabil, aber immer noch sehr moderat. Sicher ist somit lediglich, dass die EZB diesen Donnerstag erneut ihre Inflations- und Wachstumsprognosen herunternehmen wird. Zu rechnen ist mit drastischen Schritten. Die Inflationsprojektion dürfte von 1,0 Prozent in diesem und 1,6 Prozent im nächsten Jahr auf 0 Prozent respektive 1,4 Prozent revidiert werden.

Die Wachstumsprojektionen von 1,7 Prozent und 1,9 Prozent auf jeweils rund 1,5 Prozent. Fairerweise muss man dazusagen, dass die Dezemberprojektionen noch auf Basis eines Ölpreises von 56 bzw. 61 USD/Barrel basierten – Niveaus, von denen die aktuellen Notierungen weit entfernt sind. Bei solch starken Prognoserevisionen erscheint eine lockerere Geldpolitik logisch. Das Anleihekaufprogramm wird vermutlich um 15 Mrd. Euro auf 75 Mrd. Euro aufgestockt und dürfte um ein weiteres halbes Jahr bis September 2017 verlängert werden. Zudem wird wohl der Einlagenzinssatz erneut gesenkt. Diesbezüglich sind zwei Szenarien möglich: (1) Eine Senkung um 10 Basispunkte ohne Ausnahmen oder (2) um 20 Basispunkte mit großzügigen Ausnahmen. Während das erste System auf ein niedrigeres inländisches Zinsniveau abzielt, hätte das Zweite vor allem den Wechselkurs im Visier. Technisch würde die EZB sicherlich beide gut implementieren können. Mittelfristig muss sie aber auch einmal zeigen können, dass ihre Geldpolitik ökonomisch erfolgreich ist. Die Gefahren unerwünschter Nebenwirkungen sind ansonsten zu groß. (tr)

Karsten Junius ist Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin

Foto: Bank J. Safra Sarasin

 

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 10/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Multi-Asset-Fonds - Digitalisierung - Kfz-Policen - Spezialitätenfonds - Robo Advice - Wohnimmobilien

Ab dem 15. September im Handel

Rendite+ 3/2016 "Immobilien"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Deutschlands beste Wohnimmobilien-Standorte - Marktreport Anlageimmobilien - Aktuelle Baufinanzierungstrends - Mietrecht etc.


Ab dem 1. September im Handel.

Versicherungen

Studie: Keine spürbaren Entlastungen durch PSG I

Nur ein Viertel der Pflegenden in Deutschland stellen seit dem Inkrafttreten des ersten Pflegestärkungsgesetzes (PSG I) eine Verbesserung der eigenen Situation fest. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Continentale Krankenversicherung hervor.

mehr ...

Immobilien

Berliner Mieten-Urteil: Mietpreisbremse wirkt

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) betonte am Freitag, dass das Vorgehen gehen zu hohe Mieten erfolgreich ist. Das Amtsgericht Lichtenberg hatte am Mittwoch drei Mietern Recht gegeben, die zu viel gezahlte Miete zurückverlangt haben.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Bank im Abwärtsstrudel

Die Verunsicherung über die Stabilität der Deutschen Bank sitzt tief – trotz aller Bemühungen der Frankfurter, wieder Ruhe einkehren zu lassen. Und langsam werden auch andere Geldhäuser in Mitleidenschaft gezogen. Die Finanzmärkte sind hochnervös.

mehr ...

Berater

Baukredite: Digitale Förderzusage bei der L-Bank

Gemeinsam mit der  DZ Bank und Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) startet die L-Bank die digitale Förderzusage für ihre Wohnungsbaukredite.

mehr ...

Sachwertanlagen

Buss Capital veröffentlicht Leistungsbilanz 2015

Der Asset Manager Buss Capital hat seine Leistungsbilanz für das Geschäftsjahr 2015 veröffentlicht. Im Schnitt zahlten die zehn laufenden geschlossenen Fonds demnach 6,4 Prozent der Einlagen an die Anleger aus.

mehr ...

Recht

34i GewO: Der Countdown läuft

In einem knappen halben Jahr müssen Baufinanzierungsberater den Sachkundenachweis für Paragraf 34i GewO haben. Neben einigen Herausforderungen bietet sich die Chance, die Professionalisierung der Branche voranzutreiben. Gastbeitrag von Jörg Haffner, Qualitypool

mehr ...