Anzeige
11. März 2016, 10:40
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Janus Capital: Keine Krise des globalen Finanzsystems

Banken kämpfen mit dem Negativzins. Dennoch hält der Vermögensverwalter Janus Capital eine systemische Finanzkrise für unwahrscheinlich.

Digitalisierung-Banken in Janus Capital: Keine Krise des globalen Finanzsystems

Banken geraten immer stärker unter Druck, die Kosten für Negativzinsen an Kunden weiterzureichen

Die starken Kurseinbrüche bei Bankaktien sind kein Hinweis auf eine bevorstehende systemische Krise des globalen Finanzsystems. Sie resultieren vielmehr aus einem Bündel von Negativfaktoren. Dazu gehören die sich verschlechternden Aussichten für die Weltwirtschaft, Sorgen um die Werthaltigkeit vergebener Kredite wegen der steigenden Zahl von Unternehmenspleiten in der Metall-, Minen-; Öl- und Gasbranche, das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum in China und anderen Emerging Markets und die Folgen der andauernden negativen Zinsen. Zu dieser Einschätzung kommen die Experten des amerikanischen Asset Managers Janus Capital.

Ausreichend Puffer verglichen mit 2008

“Finanzkrisen werden typischerweise durch einen starken Mangel an Liquidität ausgelöst”, schreiben die Anlageexperten in ihrem jüngsten Ausblick. “Anders als 2008 oder 2011 gibt es heute jedoch ausreichende Puffer, die ein Austrocknen der Liquidität verhindern.” Die Kurse von Bankaktien sind gegenüber ihren Hochständen im Vorjahr dennoch um 30 bis teilweise 45 Prozent zurückgegangen. So hohe Verluste hätten Finanztitel in der Phase seit den 1980er-Jahren allerdings auch bei anderen Ereignissen erlitten, in den die Risiken an den Finanzmärkten und in der Realwirtschaft abrupt gestiegen sind.

Druck steigt, negative Zinssätze an Kreditnehmer weiterzugeben

“Wir halten die negativen Zinsen für einen der Schlüsselfaktoren für den jüngsten Einbruch”, so die Janus-Experten. Die extrem lockere Geldpolitik in Japan und Teilen Europas habe zwar zu negativen Zinsen in diesen Regionen geführt, die Kreditnachfrage dort aber bislang jedoch kaum ankurbeln können, wie die weiterhin geringen Investitionsausgaben zeigen. “Sollten die negativen Zinsen weiter anhalten und sogar noch weiter sinken, könnte das weitreichendere Konsequenzen für den Finanzsektor haben als nur die, dass die Zinsmargen schwinden”, prognostizieren die Anlagestrategen. So werde der Druck steigen, negative Sätze auch an die Kreditnehmer weiterzugeben, Pensionskassen und Lebensversicherer bekämen zunehmend Schwierigkeiten, angesichts negativer Zinsen und sinkender Kapitalerträge ihre Verpflichtungen zu kalkulieren und die Sparneigung der privaten Haushalte werde zurückgedrängt.

Verschärftes Schuldenproblem in Schwellenländern

Durch die bereits umgesetzten Quantitative-Easing-Maßnahmen können sich viele Schuldner nach Beobachtung von Janus günstiger finanzieren. Dies führt vor allem in vielen aufstrebenden Schwellenländern Asiens zu einem sich verschärfenden Schuldenproblem. “Die Rückzahlung der jetzt aufgenommen Schulden wird den deflationären Druck auf die globale Wirtschaft erhöhen”, schätzen die Janus-Analysten. Vor allem in China sei die Verschuldungssituation zunehmend herausfordernd. “Dort ist das von den Banken vergebene Kreditvolumen seit der Finanzkrise deutlich gestiegen, während die Grenzrate der Kreditproduktivität erheblich zurückgegangen ist, weil mit einem Großteil der aufgenommen Kredite weitgehend marode und unrentable Staatsunternehmen finanziert worden sind”, beobachten die Analysten. Ihren Angaben zufolge beträgt der Return von einem Renminbi, der als Kredit vergeben wird, mittlerweile weniger als 0,2 Renminbi. Das entspricht einem Viertel des langfristigen Durchschnittswertes. “Trotz dieser Herausforderungen ist ein systemisches Risiko eine derzeit zwar nicht unvorstellbare, aber dennoch recht weit entfernte Bedrohung für die Finanzmärkte”, schreiben die Janus-Autoren.

Teile der Eurozone geben Anlass zur Hoffnung

Obwohl die QE-Maßnahmen bislang nicht für nachhaltiges Wachstum gesorgt haben, gibt es in der Eurozone Regionen, die Anlass zur Hoffnung geben. Statistiken zeigten zudem eine langsam ansteigende Kreditnachfrage in der Eurozone durch den Unternehmenssektor. Dazu ist die Stimmung bei den Banken weiterhin optimistisch. “In den kommenden Monaten wird dann zu verfolgen sein, wie die derzeit vorherrschende Stimmung an den Finanzmärkten das Kreditgeschäft beeinflusst und ob sich die Faktoren, die derzeit Anlass zu Optimismus geben, unter Umständen abschwächen werden.” (fm)

Foto: Shutterstock

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

VZBV: “Restschuldversicherungen sind maßlos überteuert”

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert, dass Restschuldversicherungen künftig nur noch separat und nicht gekoppelt an Kreditverträge vermittelt werden dürfen. Das sollte nach dem Willen der Verbraucherschützer im Umsetzungsgesetz der EU-Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verankert werden.

mehr ...

Immobilien

Bauhauptgewerbe verzeichnet besten Jahresstart seit 1996

Das Bauhauptgewerbe startet erfolgreich in 2017, es verzeichnete zuletzt vor über 20 Jahren mehr Auftragseingänge zu Beginn eines Jahres. Im Vergleich zum Vormonat Dezember sind die Aufträge jedoch leicht gesunken.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Die Deutsche Börse plant kurzfristig Einsparungen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Zudem gilt zunächst ein Einstellungsstopp für fast alle Bereiche. Der Konzern reagiert damit auf sinkende Umsätze und das erwartete Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE).

mehr ...

Berater

Patientenverfügung: BGH präzisiert Anforderungen

Im Einzelfall kann sich die erforderliche Konkretisierung in einer Patientenverfügung auch durch Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen ergeben – ohne detaillierte Benennung bestimmter ärztlicher Maßnahmen. Das geht aus einem aktuellen Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weitere Ausschüttung für Anleger der Deutschen Finance

Die Geschäftsführung des PPP Privilege Private Partners Fund des Asset Managers Deutsche Finance aus München wird den Anlegern nach einer erfolgreichen Zielfonds-Transaktion für das Geschäftsjahr 2017 eine Vorabausschüttung in Höhe von 15 Prozent vorschlagen.

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...