5. Februar 2016, 11:12

Kräftiger Gegenwind bei Credit-Suisse-Sanierung – Milliardenverlust

Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat auf ihrem harten Sanierungskurs mit unerwartet heftigem Gegenwind im Tagesgeschäft zu kämpfen. Nachdem sich die Geschäfte im vierten Quartal des Jahres 2015 eingetrübt haben, steckt die Gesellschaft tief in den roten Zahlen.

Credit-suisse in Kräftiger Gegenwind bei Credit-Suisse-Sanierung - Milliardenverlust

Die Credit Suisse hat mit kräftigem Gegenwind zu kämpen.

“Das Umfeld hat sich im vierten Quartal 2015 deutlich verschlechtert”, sagte Vorstandschef Tidjane Thiam am Donnerstag bei der Vorlage der tiefroten Jahreszahlen. Und es sei derzeit nicht abschätzbar, wann sich die negativen Trends auf den Finanzmärkten und in der Weltwirtschaft wieder abschwächten. Thiam verwies unter anderem auf die Sorgen um die chinesische Konjunktur, den Ölpreisverfall und den starken Schweizer Franken.

Viele Analysten sehen schon die erst vor drei Monaten ausgegebenen Ziele für 2018 in Gefahr. Credit-Suisse-Aktien rauschten daher am Donnerstag in den Keller und verloren bis zum frühen Nachmittag mehr als elf Prozent an Wert. Seit Jahresbeginn hat die Aktie schon fast ein Drittel an Wert verloren.

Die Krise kommt wieder zurück

Analysten äußerten sich vor allem über die um 30 Prozent eingebrochenen Erträge im vierten Quartal beunruhigt. Das lag vor allem an einem enttäuschenden Anleihenhandel, der so schlecht wie seit der Finanzkrise nicht mehr lief. Zudem zogen große Fonds Gelder aus Investmentprodukten der Bank ab. Das Institut versucht mit einer Beschleunigung des Sparprogramms gegenzusteuern. Es soll bis 2018 die Kosten um 3,5 Milliarden Franken drücken. Unter anderem kürzt die Bank die Boni. Zudem fallen tausende Stellen weg.

Unter dem Strich verbuchte das Institut im vergangenen Jahr einen Verlust von fast drei Milliarden Franken (2,7 Mrd Euro), das ist der höchste Fehlbetrag für die Bank seit dem Krisenjahr 2008. Gründe waren hohe Abschreibungen im Investmentbanking, Kosten für Rechtsstreitigkeiten und Verluste bei der Abwicklung von Randgeschäften. Hinzu kamen Ausgaben für das vom neuen Vorstandschef Thiam eingeleitete Sparprogramm. Im Jahr 2014 hatte die Bank noch einen Überschuss von fast 1,9 Milliarden Franken erwirtschaftet. Allein im vierten Quartal kam nun ein Verlust von fast sechs Milliarden Franken zusammen.

Andere Wettbewerber haben auch Probleme

Credit Suisse steckt in ähnlichen Schwierigkeiten wie die Deutsche Bank. Beide Institute galten eigentlich als Gewinner der Finanzkrise. Doch sie unterschätzten die Folgen der immer strengeren Regeln für Banken. Beide betreiben noch ein umfangreiches Investmentbanking, das sich aber in einigen Bereichen kaum noch lohnt. Hinzu kommen konzernweit jeweils hohe Kosten. Im Sommer tauschten die Banken ihre Vorstandschefs aus, die nun hart aufräumen. Bei der Deutschen Bank führte das zu einem Rekordverlust von rund 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Thiam will sein Institut stärker auf die Vermögensverwaltung ausrichten und gerade im schwankungsanfälligen Handelsgeschäft des Investmentbankings sparen. Allerdings dementierte Thiam erneut vehement Gerüchte, wonach er einen Teil des Investmentbanking an den US-Konkurrenten Wells Fargo verkaufen wolle.

Europäischer Bankensektor generell unter Druck

In den vergangenen Wochen sackten die Anteilscheine vieler europäischer Banken massiv ab. So gerieten unter anderem auch die Aktien der Commerzbank und der Unicredit unter Druck. Insgesamt kämpft die Branche mit strukturellem Problemen sowie dem Niedrigzinsumfeld. Zusätzlich macht vielen Gesellschaft die neue Konkurrenz aus dem Fintech-Sektor zu schaffen.

Quelle: dpa-Afx/tr

Foto: Shutterstock

 

 


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Investmentfonds


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Zurich startet digitalen Beratungsnavigator

Der Versicherer Zurich hat in Zusammenarbeit mit der Berliner Kanzlei Wirth – Rechtsanwälte einen neuen digitalen Beratungsnavigator für den Bereich Arbeitskraft- und Existenzschutzabsicherung entwickelt.

mehr ...

Immobilien

TAG bietet vorzeitigen Umtausch einer Wandelanleihe

Der Vorstand der TAG Immobilien AG hat heute mit Zustimmung des Aufsichtsrats ein Angebot zur vorzeitigen Wandlung aller ausstehenden 5,5 Prozent Wandelschuldverschreibungen beschlossen.

mehr ...

Investmentfonds

Brexit oder nicht – Brüssel hat ein ernstes Problem

Die Sommer von 2011, 2012 und 2015 bildeten die bisherigen Höhepunkte der Euro-Krise, die nur mit Abschaffung des Europäischen Stabilitätsgedankens und dem willig gezückten Portemonnaie der EZB eingedämmt werden konnte.Der Brexit könnte in der EU Auswirkungen haben wie ein wild gewordener Elefant im Porzellanladen. Die Halver-Kolumne

mehr ...

Berater

MiFID II sorgt für britisches Dilemma

Ein besonderes Ei haben sich die Europäer – und damit die Briten selbst – durch MiFID II gelegt, sagt Rechtsanwalt Dr. Christian Waigel. Er hat sich die voraussichtlich im kommenden Jahr in Kraft tretende Verordnung im Lichte des Brexit betrachtet.

mehr ...

Recht

WIKR wirft weiterhin Fragen auf

Die am 21. März 2016 in Kraft getretene EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) wurde sehr spät von der deutschen Legislative umgesetzt. Seit Kurzem steht nun fest, welche Behörde in welchem Bundesland für die Erteilung der Gewerbeerlaubnis nach §34i GewO zuständig ist. Weiterhin undurchsichtig, bleibt der Nachweis der Beratungstätigkeit “Alte Hasen”.

mehr ...