Anzeige
17. September 2009, 22:47
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Es wird wieder am Rad gedreht

Roulette1 in Es wird wieder am Rad gedreht

Das Investmentbanking feiert fröhliche Urständ. Erfolgsrezept: Staatsgelder, aufgeweichte Bilanzregeln und schwindende Konkurrenz im Markt.

Text: Hannes Breustedt

Für die einen ist es die größte Auferstehung seit Lazarus, für die anderen der größte Bluff der jüngeren Finanzgeschichte: Ausgerechnet das Investmentbanking liefert im bisherigen Jahresverlauf ein fulminantes Comeback. Eben jenes Geschäftsfeld, dessen Auswüchse als Inbegriff des Kasino-Kapitalismus gelten und dem die öffentliche Wahrnehmung in Verbindung mit deregulierten Finanzmärkten, verbrieften Krediten, Rating-Agenturen und Niedrigzinspolitik die Hauptschuld für die gravierendste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit zuschreibt.

Zurück zum Business as usual

Eine Sparte, zu deren Protagonisten Bear Stearns, Merrill Lynch und nicht zuletzt auch Lehman Brothers zählten – Akteure, die in die Wirtschaftsannalen eingingen, weil sie mit ihren riskanten Geschäften die Finanzwelt an den Abgrund brachten. Die Pleite des letztgenannten Brokerhauses im September 2008 markiert den größten Insolvenzfall in der Historie der USA. Sie läutete die Eiszeit im Interbankenmarkt ein und hob die Finanzkrise so auf ein neues Level.

Mittlerweile kategorisieren Politiker, Banker und Aufseher die Wirtschaftsgeschichte bereits in Pre- und Post-Lehman-Ära. Der Niedergang des Unternehmens soll ihrer Auffassung nach verantwortlich dafür sein, dass andere Institute wie zum Beispiel die Münchner Immobilienbank Hypo Real Estate in Existenznot gerieten. Darüber, dass der Lehman-Bankrott die Sollbruchstellen der globalen Verbriefungsmärkte und den daraus folgenden Kreditpyramiden in bislang ungeahnter Dimension offengelegt hat, herrscht weitgehend Einigkeit.

Hat sich ein knappes Jahr danach etwas am Status quo geändert? Es deutet wenig darauf hin – die Verbliebenen im Haifischbecken haben ihre Marktanteile durch die Übernahme- und Pleitewelle ausgebaut, ihre Margen entsprechend gesteigert. So ist beispielsweise die Konkurrenz bei Anleihe-Emissionen deutlich geringer geworden. Dabei handelt es sich um ein klassisches Geschäftsfeld der Investmentbanken, die gegen Gebühr als Arrangeure für Unternehmen und Staaten auftreten. Aufgrund der krisenbedingt zögerlichen Kreditvergabe der Geschäftsbanken nutzen Firmen dieses Instrument verstärkt, um Geld aufzunehmen.

Dem US-Branchenanalysten Dealogic zufolge hat das Emissionsvolumen von Corporate Bonds mit 1.103 Milliarden Dollar im laufenden Jahr bereits ein neues Allzeithoch erreicht. Auch Staaten platzieren in großem Stil Anleihen am Markt.  Sie finanzieren damit ihre gestiegene Schuldenlast – die nicht zuletzt aus den Rettungspaketen für den Finanzsektor resultiert. Besonders dem französischen Geldhaus BNP Paribas, der Deutschen Bank sowie den britischen Schwergewichten HSBC und Barclays bescherte der Anleihe-Boom zuletzt satte Erträge.

Sogar die im Zuge der Subprime-Krise schwer in die Kritik geratene Praxis der Verbriefung wird wieder salonfähig. Einige Häuser, wie US-Branchenprimus Goldman Sachs und Barclays, reichen bereits wieder gebündelte Kredite weiter, um ihre Bilanzen zu entlasten. Doch auch der klassische Eigenhandel mit festverzinslichen Wertpapieren, Aktien, Devisen und Rohstoffen floriert angesichts steigender Kurse. So kratzte Goldman ein gutes halbes Jahr, nachdem Regierungen und Notenbanker weltweit die Kernschmelze im Bankensektor verhinderten, wieder an den magischen 25 Prozent Eigenkapitalrendite.

Weiter lesen: 1 2 3

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Absolute-Return – Insurtechs – Robo Advisors – Denkmalimmobilien


Ab dem 26. Januar im Handel.

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform

Versicherungen

Insurtechs: Über 80 Millionen US-Dollar für deutsche Start-ups

Im Jahr 2016 haben die deutschen Insurtechs in Finanzierungsrunden mehr als 80 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das geht aus einer Untersuchung des Münchener Fintech-Start-ups Finanzchef24 hervor. Demnach hat sich das Finanzeriungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.

mehr ...

Immobilien

Baufi Secure: Neues Absicherungsprodukt für Immobiliendarlehen

Was geschieht, wenn Immobilienkäufer ihre Darlehensraten aufgrund von Krankheit oder Arbeitslosigkeit nicht mehr bedienen können? Das Produkt Baufi Secure will die Immobilienfinanzierung flexibel absichern.

mehr ...

Investmentfonds

Merck Finck sieht Rückenwind für Aktien

Kurz vor der Amtseinführung von Donald Trump sind vermehrt kritische Stimmen von der Investmentseite laut geworden. Merck Finck blickt der kommenden Handelswoche dennoch optimistisch entgegen.

mehr ...

Berater

WhoFinance und Defino bauen Kooperation aus

Wie das Bewertungsportal WhoFinance und das Defino Institut für Finanznorm mitteilen, haben sie ihre beiden Portale eng miteinander vernetzt. Dadurch sollen Finanzberater und Vermittler künftig die Qualität ihrer Beratung noch besser im Internet darstellen können.

mehr ...

Sachwertanlagen

Doric zieht positive Bilanz für 2016

Quadoro Doric hat mit der kernsanierten Büroimmobilie Trappenburch in Utrecht eine weitere Immobilie für den offenen Spezial-AIF Vescore Sustainable Real Estate Europe übernommen und damit das Jahr 2016 erfolgreich abgeschlossen.

mehr ...

Recht

LV-Verträge als Kreditsicherung: Widerspruchsrecht verwirkt

Werden Lebensversicherungsverträge zur Immobilienfinanzierung eingesetzt, kann das Widerspruchsrecht des Versicherten verwirkt sein, auch wenn die Widerspruchsbelehrungen der Policen nicht korrekt sind. Knackpunkt ist die Bedeutung der Policen als Sicherungsmittel.

mehr ...