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Donnerstag, 21. Oktober 2010

Stabübergabe: Wenn der Junior vom Senior übernimmt

Die Nachfolgefrage stellt sich immer dann, wenn der Inhaber eines Unternehmens alters- oder krankheitsbedingt ausscheidet oder verstirbt. Das Ifm hat errechnet, dass das Erreichen des Ruhestandsalters mit einem Anteil von 86 Prozent der häufigste Übergabegrund ist, gefolgt von den Gründen Tod (zehn Prozent) oder Krankheit des Eigentümers (vier Prozent). Aber auch – und das führt das Ifm nicht auf – der Wechsel in eine andere Tätigkeit kann  ein Grund für eine Nachfolge sein.

Frühzeitig beginnen

Die meisten schieben das Thema schlicht und einfach vor sich her. „Die Regelung der Unternehmensnachfolge ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die ein Unternehmer für sein Unternehmen zu treffen hat. Diese ist nicht aufschiebbar und sollte daher frühzeitig getroffen werden, um einen geordneten Übergang der Verantwortung zu vollziehen“, sagt New-Bizz-Geschäftsführer Thomas Münzel. Er und sein Unternehmen begleiten Einzelunternehmer, Makler und Vertriebsgruppen unter anderem bei der Unternehmensnachfolge. „Wir vermitteln nicht nur Gesprächspartner oder entwickeln Konzepte, sondern begleiten die Übertragung oder den Kauf bis zum Abschluss“, ergänzt Münzel.

Doch wann sollte sich ein Unternehmer mit dem Thema beschäftigen? „Objektiv betrachtet gibt es keinen richtigen Zeitpunkt für die Unternehmensnachfolge. Gemäß der sogenannten Rating-Kriterien der Banken sollte die Nachfolge bis zum 55. Lebensjahr geklärt sein“, rät Peter Fitz, stellvertretender Vorstand der Vereinigung beratender Betriebs- und Volkswirte (VBV) und geschäftsführender Gesellschafter der „UnternehmensBoerse“. Die Banken und Sparkassen machen Kreditvergabe und -konditionen auch davon abhängig, inwieweit der Unternehmer Vorsorge für seinen Betrieb getroffen hat, das heißt, es sollte eine entsprechende Planung vorliegen. Der Übergabeprozess könne bis zu fünf Jahren oder länger dauern, sagt der Diplom-Betriebswirt. „Sie können nicht Ihr Lebenswerk neben dem Tagesgeschäft verkaufen oder übergeben“, so Fitz.

Gunter Frenzel und sein Sohn Denis erleben in ihrer Allianz-Agentur gerade selbst, wie schwierig es ist, eine Nachfolge im Unternehmensalltag zu bewältigen: „Das bedeutet für uns beide Mehrarbeit, denn es ist ein erheblicher zeitlicher Aufwand“, bestätigt Gunter Frenzel. Bisher sei es unter anderem darum gegangen, zu eruieren, wie die Kostenstrukturen sind, wie es bilanziell aussieht und wie es um die Technik bestellt ist. Zudem musste der Bestand analysiert, rechtlicher und steuerlicher Rat für verschiedenste Fragen eingeholt werden.  „Machen Sie die Unternehmensnachfolge zu Ihrem Projekt“, empfiehlt Unternehmensberater Fitz. Zu bedenken sei allerdings, dass es kein allgemein gültiges Nachfolgekonzept gebe, sondern immer nur Lösungen des Einzelfalls, für die ein Bündel strategischer Handlungsalternativen bereitstehe.

Risiken nicht unterschätzen

Die erste Herausforderung besteht darin, sich der verschiedenen Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge bewusst zu werden – soll es eine familieninterne Nachfolge sein – wie bei den Frenzels der Fall – oder eine externe Nachfolge? Letzteres kommt immer dann in Betracht, wenn innerhalb der Familie kein Nachfolger bereit, befähigt oder generell vorhanden ist. So reichen die Möglichkeiten unter anderem von einem sogenannten Management-Buy-In (fremde Dritte wie Einzelpersonen oder Existenzgründer) bis hin zum Verkauf an Unternehmensgruppen (beispielsweise Wettbewerber).

Wie bei jeder unternehmerischen Entscheidung birgt auch der Prozess der Nachfolge Risiken und Chancen. Bei einer internen Nachfolge besteht die Gefahr, dass der Sprössling die Übernahme nur aus einem Traditionsbewusstsein heraus antritt – und Erbe eines Unternehmens zu sein, qualifiziert nicht automatisch zur Nachfolge. Ebenso ein Ausruhen auf den Lorbeeren des Vorgängers bringt bei internen wie externen Übernahmen Risiken mit sich.

Seite 3: Wer den Kundenstamm bei einer Nachfolge bekommt

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