Anzeige
11. November 2008, 00:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Regierung will KV-Prämien weitgehend abzugsfähig machen

Ab 2010 sollen Krankenversicherungsbeiträge bis zur Höhe des Basistarifs von der Steuer absetzbar sein, so sieht es ein Referentenentwurf aus dem Bundesfinanzministerium vor. Auf die PKV-Branche könnten große bürokratische Belastungen zurollen.

Das Konzept für das ?Bürgerentlastungsgesetz? von Finanzminister Peer Steinbrück sieht vor, dass von 2010 an die Beiträge zu einer privaten Krankenversicherung bis zur Höhe eines Basistarifs steuerlich geltend gemacht werden können, Kindertarife eingeschlossen. Nicht abzugsfähig sollen dagegen Beiträge für Zusatzleistungen wie eine Chefarztbehandlung oder ein Ein-Bett-Zimmer im Krankenhaus sein.

Auf PKV-Anbieter könnte ein hoher bürokratischer Aufwand zurollen: Sie müssten jede einzelne Police der 8,5 Millionen Versicherten analysieren und für jeden ermitteln, welchen Anteil der Prämie er für seine Basisabsicherung zahlt und damit abgesetzt werden kann.

“Wenn für jede versicherte Person ein Abzugsbetrag ermittelt werden soll, wäre der Verwaltungsaufwand kaum zu bewältigen”, kommentiert der Marktführer Debeka. Die Branchenverband reagierte zunächst zurückhaltend. Das genauere Procedere zur Berechnung des Grundschutzes sei noch nicht bekannt und der Aufwand dadurch schwer einzuschätzen, sagte ein Sprecher des PKV-Verbands gegenüber cash-online. Zugleich fordern der Lobbyverband und die Debeka eine ?gewisse Pauschalierung?, um den Aufwand einzudämmen. Grundsätzlich sei der Vorschlag aber zu begrüßen, da die Versicherten entlastet werden.

Auch Pflegeversicherungsbeiträge absetzbar

Gesetzlich Versicherte sollen die Kosten für den Basistarif der gesetzlichen Krankenversicherung zu 96 Prozent von der Steuer absetzen können. Beiträge zur Pflegeversicherung sollen sogar in voller Höhe beim Finanzamt geltend gemacht werden können.

Damit reduziere sich das zu versteuernde Einkommen eines Beschäftigten um bis zu 4.500 Euro pro Jahr. Bislang waren nur maximal 1.500 Euro absetzbar. Das Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers werde durch die Entlastung um bis zu 100 Euro steigen, heißt es in Medienberichten.

Den Entwurf hat einen zweiten Pferdefuß: Steuerzahler können durch das Vorhaben die Kosten anderer Versicherungen, wie beispielsweise Haftpflicht, BU oder Unfall künftig nicht mehr absetzen, berichtet die ?Süddeutsche Zeitung?. Das würde die tatsächliche Steuererleichterung drücken. Um eine Mehrbelastung zu verhindern, sollen die Finanzämter eine Günstigerprüfung vornehmen.

Hintergrund: Das Bundesverfassungsgericht hatte im März geurteilt, dass eine Krankenversicherung zum Existenzminimum zählt und somit nicht besteuert werden darf. Der Entwurf sieht eine Steuerentlastung von 8,7 Milliarden Euro vor, von der allerdings besonders Gutverdiener profitieren würden. (hi)

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

VZBV: “Restschuldversicherungen sind maßlos überteuert”

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert, dass Restschuldversicherungen künftig nur noch separat und nicht gekoppelt an Kreditverträge vermittelt werden dürfen. Das sollte nach dem Willen der Verbraucherschützer im Umsetzungsgesetz der EU-Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verankert werden.

mehr ...

Immobilien

Bauhauptgewerbe verzeichnet besten Jahresstart seit 1996

Das Bauhauptgewerbe startet erfolgreich in 2017, es verzeichnete zuletzt vor über 20 Jahren mehr Auftragseingänge zu Beginn eines Jahres. Im Vergleich zum Vormonat Dezember sind die Aufträge jedoch leicht gesunken.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Die Deutsche Börse plant kurzfristig Einsparungen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Zudem gilt zunächst ein Einstellungsstopp für fast alle Bereiche. Der Konzern reagiert damit auf sinkende Umsätze und das erwartete Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE).

mehr ...

Berater

Patientenverfügung: BGH präzisiert Anforderungen

Im Einzelfall kann sich die erforderliche Konkretisierung in einer Patientenverfügung auch durch Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen ergeben – ohne detaillierte Benennung bestimmter ärztlicher Maßnahmen. Das geht aus einem aktuellen Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weitere Ausschüttung für Anleger der Deutschen Finance

Die Geschäftsführung des PPP Privilege Private Partners Fund des Asset Managers Deutsche Finance aus München wird den Anlegern nach einer erfolgreichen Zielfonds-Transaktion für das Geschäftsjahr 2017 eine Vorabausschüttung in Höhe von 15 Prozent vorschlagen.

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...