30. Oktober 2013, 07:45

Biometrie: Blick auf die eigentlichen Risiken

Die Versicherer entdecken angesichts niedriger Anlagezinsen gerade ihr Kerngeschäft mit Risikolebens-, Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherungen neu. Der Beitrag beleuchtet die jüngsten Entwicklungen bei Policen zu biometrischen Risiken wie Tod, Invalidität und Pflegefall.

Biometrische Risiken: Versicherer entdecken ihr Kerngeschäft neu

Stephan Schinnenburg, Geschäftsführer von Morgen & Morgen: “Nach wie vor haben die Pflegerenten im Leistungsbereich Vorteile.”

Biometrische Risikoprodukte werden in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, meinen 74 Prozent der Makler laut der “Maklertrendstudie 2013/ 2014”, einer Umfrage von Towers Watson unter 300 unabhängigen Versicherungsvermittlern. Im Vorjahr war das Votum mit 87 Prozent zwar noch höher, doch es bleibt dabei: “In wirtschaftlich turbulenten Zeiten steht die persönliche Risikovorsorge bei Kunden im Vordergrund und die Absicherung von Arbeitskraft, Pflege, Krankheit und Tod wird stärker nachgefragt”, sagt Jürgen Riemer, Vorstand der Maklermanagement.ag.

Als Hauptumsatzträger 2013 geben 67 Prozent der Makler BU-Versicherungen an, gefolgt von bAV-Produkten zur Absicherung des Langlebigkeitsrisikos (41 Prozent). Auch private Pflegeversicherungen (23 Prozent) und Risiko-Lebensversicherungen (21 Prozent) stehen hoch im Kurs, wenn auch nicht mehr ganz so extrem wie noch 2012 (siehe Grafik Seite zwei). “Die Produktportfolios der Makler werden wieder breiter sortiert und sind nicht mehr so stark auf einzelne Kategorien wie Risikoprodukte zuletzt ausgerichtet”, erklärt Riemer.

Biometrie bleibt vorerst Beratungsschwerpunkt

Dennoch wird sich nach Ansicht der Makler der Biometrie-Schwerpunkt auch in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht ändern. Gerade private Pflegeversicherung (36 Prozent) und Dread-Desease-Produkte (24 Prozent) gewinnen an Gewicht. Viele Versicherer ignorieren noch immer die Todesfall-Absicherung: Reine Risiko-Policen führen mit 9,7 Prozent Anteil am Gesamtbestand aller Lebensversicherungen in Deutschland nur ein Schattendasein.

Und sie sind mit durchschnittlich 66.168 Euro Versicherungssumme im Bestand viel zu niedrig dotiert. Ohne deutlich mehr und höhere Abschlüsse laufen massenhaft Paare sowie Kinder von Alleinerziehenden Gefahr, im Todesfall des Ernährers finanziell abzustürzen. Dies ergibt der für Cash. exklusive Blick vorab in die “Bilanzanalyse Deutscher Lebensversicherer 2012”, die demnächst vom Marktbeobachtungsdienst Map-Report vorgelegt wird.

 Absicherungslücke ist Steilvorlage für die Beratung

Die durchschnittliche Witwenrente der gesetzlichen Rentenversicherung liegt bei rund 530 Euro pro Monat, eine Halbwaise bekommt im Schnitt 160 Euro im Monat, Tendenz fallend. Das reicht bei Tod nicht einmal, um niedrige Mieten zu bezahlen. “Die Absicherung der Hinterbliebenen wird immer mehr zur Privatsache”, folgert Manfred Poweleit, Chefanalyst des Map-Reports. Das ist eigentlich eine Steilvorlage für die Beratung zur Risiko-Lebensversicherung.

Vermittler können mit diesem Produkt gutes Geld verdienen. Doch von den 20 größten Lebensversicherern übertreffen im Bestand lediglich Risiko-Marktführer Cosmos, Swiss Life, R + V, Provinzial Nord-West und beinahe die Nürnberger den Marktschnitt von 9,7 Prozent der laufenden Beiträge 2012, die für Risiko-Policen ausgegeben wurden. Besonders die großen Anbieter kümmern sich fast überhaupt nicht um diesen Markt. Offenbar mangelt es an Vermittlern, denen es gelingt, Verbraucher von der Vorsorge vor den finanziellen Folgen des Todes zu überzeugen. Die Zahlen von Map-Report werden von der Studie “AssCompact Trends III/ 2013” der Managementberatung Smartcompagnie bestätigt.

 

Seite zwei: Dialog, Europa und Hannoversche dominieren beim Umsatz

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