Anzeige
17. Juni 2013, 10:30
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

GDV: Solvency II funktioniert nur mit Änderungen

Die Erkenntnisse aus dem Long Term Guarantee Assesment (LTGA) für die Bewertung langfristiger Verpflichtungen unter Solvency II müssen auf die entsprechenden Instrumente angewendet und optimiert werden, so der Testlauf des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

GDV: Solvency II funktioniert nur mit Änderungen“Das künftige Aufsichtssystem muss in allen Marktsituationen funktionieren und darf auch nicht im Widerspruch zum langfristigen Versicherungsgeschäft stehen. Das LTGA hat nun konkret gezeigt, wo Solvency II noch nachgebessert werden muss. Wir appellieren an die europäischen Institutionen, die gewonnenen Erkenntnisse in die weiteren Beratungen einfließen zu lassen”, fordert Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung. “Wir brauchen Rechtssicherheit. Die endgültigen Anforderungen müssen in der Omnibus-II-Richtlinie verankert werden.”

Im Februar und März 2013 waren die europäischen Versicherer gefordert, die Solvency-II-Methode zur Bewertung langfristiger Verpflichtungen zu testen, da sich bei den Trilog-Verhandlungen zur Omnibus-II-Richtlinie zwischen Europäischem Parlament, Europäischem Rat und Europäischer Kommission in diesem Punkt essenzielle Fragen aufgetan hatten.

Langfristige Verpflichtungen für Lebensversicherer

Die Hauptfrage ist, wie Versicherer unter Solvency II ihre langfristigen Verpflichtungen insbesondere in der Lebensversicherung bewerten und welche Zinsentwicklung sie für die nahe und ferne Zukunft annehmen sollen. Ziel des Testlaufs war, aus unterschiedlichen Konstellationen möglichst tragfähige Ansätze herauszufiltern. Es ging nicht um die momentane Solvabilität der Unternehmen. Diese wird nach dem bestehenden Aufsichtsregime (Solvabilität I) ermittelt.

Von den zukünftigen Modellannahmen (der sog. Zinsstrukturkurve) hängen die Kapitalanforderungen an die Unternehmen ab. Seriöse Vorhersagen, wie sich das Zinsniveau in den kommenden Jahrzehnten entwickelt, sind aber nicht möglich. Die aktuell zu beobachtende extreme Marktvolatilität mit künstlich niedrigen Zinsen in einigen und sehr hohen Risikoaufschlägen in anderen Ländern wie auch die stetigen Eingriffe der Europäischen Zentralbank (EZB) erschweren die Zinsprognose zusätzlich.

Nicht zuletzt der deutsche Testlauf hatte 2012 gezeigt, dass das Solvency II-Modell noch nicht auf dieses stark veränderte Marktumfeld eingestellt ist. “Ein Blick auf die unterschiedlichen Zinssituationen in Zentraleuropa und Südeuropa zeigt, dass es für die Bewertung langfristiger Verpflichtungen unter Solvency II keine einfache Lösung geben kann. Das im LTGA getestete integrierte Konzept aus vier Instrumenten zur Anpassung des Solvency II-Modells ist die richtige Antwort auf diese Herausforderungen”, betonte Axel Wehling, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung.

Notwendige Anpassungen für Solvency II

Wie von der Versicherungswirtschaft bereits seit längerem gefordert, wurden die im Trilog diskutierten  Anpassungen der Zinsstrukturkurve von den Unternehmen im Zuge des LTGA erstmals europaweit getestet und können nun genauer bewertet werden.

Damit vor allem Lebensversicherer auch unter Solvency II langfristige Garantien anbieten können, sind noch folgende Änderungen im Instrumentenkasten notwendig: Die Modellierung der Zinsstrukturkurve (“Extrapolation”) muss frühzeitig (d.h. im Jahr 20) starten, wenn keine verlässlichen Marktdaten mehr verfügbar sind und sich schnell (d.h. im Jahr 30) an den Langfristzins annähern. Dieser Ansatz wurde bereits auf politischer Ebene vereinbart und sollte unverändert beibehalten werden.

Für langfristige Garantien soll ein Mechanismus für den Übergang nach Solvency II geschaffen werden, der die stetigen Eingriffe der EZB in die Marktpreisbildung für einen gewissen Zeitraum kompensiert. Der im LTGA getestete Ansatz ist jedoch noch nicht Solvency II-konform. Zudem ist die Übergangsfrist mit sieben Jahren wesentlich zu knapp bemessen: Sie sollte sich an den sehr viel längeren Laufzeiten von Lebensversicherungen orientieren. Verbesserungen oder Verschlechterungen des Marktumfeldes sollten in der Übergangszeit berücksichtigt werden.

 

Seite zwei: Einheitlicher Mechanismus für Europa

Weiter lesen: 1 2

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

VZBV: “Restschuldversicherungen sind maßlos überteuert”

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert, dass Restschuldversicherungen künftig nur noch separat und nicht gekoppelt an Kreditverträge vermittelt werden dürfen. Das sollte nach dem Willen der Verbraucherschützer im Umsetzungsgesetz der EU-Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verankert werden.

mehr ...

Immobilien

Bauhauptgewerbe verzeichnet besten Jahresstart seit 1996

Das Bauhauptgewerbe startet erfolgreich in 2017, es verzeichnete zuletzt vor über 20 Jahren mehr Auftragseingänge zu Beginn eines Jahres. Im Vergleich zum Vormonat Dezember sind die Aufträge jedoch leicht gesunken.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Die Deutsche Börse plant kurzfristig Einsparungen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe. Zudem gilt zunächst ein Einstellungsstopp für fast alle Bereiche. Der Konzern reagiert damit auf sinkende Umsätze und das erwartete Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange (LSE).

mehr ...

Berater

Patientenverfügung: BGH präzisiert Anforderungen

Im Einzelfall kann sich die erforderliche Konkretisierung in einer Patientenverfügung auch durch Bezugnahme auf ausreichend spezifizierte Krankheiten oder Behandlungssituationen ergeben – ohne detaillierte Benennung bestimmter ärztlicher Maßnahmen. Das geht aus einem aktuellen Beschluss des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor.

mehr ...

Sachwertanlagen

Weitere Ausschüttung für Anleger der Deutschen Finance

Die Geschäftsführung des PPP Privilege Private Partners Fund des Asset Managers Deutsche Finance aus München wird den Anlegern nach einer erfolgreichen Zielfonds-Transaktion für das Geschäftsjahr 2017 eine Vorabausschüttung in Höhe von 15 Prozent vorschlagen.

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...