8. Juli 2013, 08:45

PKV-Verband begrüßt Bundesrat-Zustimmung zum Notlagentarif

Am vergangenen Freitag hat der Bundesrat grünes Licht für die Einführung des Notlagentarifs in der privaten Krankenversicherung (PKV) gegeben. Dies sei eine “gute Lösung für alle Versicherten”, kommentierte der neue Vorsitzende des PKV-Verbandes, Uwe Laue, die Entscheidung der Länderkammer.

PKV-Verband: Uwe Laue

Der Notlagentarif für verschuldete Privatversicherte verringere das Problem der Beitragsschulden für die Betroffenen, da diese weni­ger neue Schulden ansammelten und somit schneller die Chance hätten, ihre bisherigen Schulden abzuzahlen und wieder eine normale bürgerliche Existenz zu führen, erklärte Laue.

“Sobald die Schulden beglichen sind, können die Betroffenen in ihren alten Normaltarif zurück­kehren. Zugleich sinkt die Summe der Beitragsausfälle und damit am Ende auch die Belastung der übrigen Versicherten”, ergänzte der PKV-Verbandsvorsitzende.

PKV-Verband: Uwe Laue

Uwe Laue, PKV-Verband

Der Notlagentarif kostet im Vergleich zum vorherigen Tarifbeitrag deutlich weniger, dafür erhalten Betroffene für rund 100 Euro allerdings auch nur Basisleistungen, das heißt Behandlungen bei akuten Erkrankungen und Schmerzen sowie eine Grundversorgung im Falle einer Schwangerschaft.

PKV-Verband: “Keine Nachteile für Betroffene”

Der PKV-Verband erklärt dazu, dass Betroffene in ihrer Absicherung für den Krankheitsfall keine Nachteile hätten, da der gesetzlich geregelte Anspruch auf Notfallleistungen unver­ändert erhalten bliebe.

Das neue “Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversiche­rung” sieht laut PKV-Verband eine rückwirkende Umstufung in den Notlagentarif vor, “um die individuelle Schuldenlast auch für die Vergangenheit deutlich zu verringern”.

Rückwirkende Umstellung “nicht auf Knopfdruck” möglich

Dies erfordere einen hohen bürokratischen Aufwand, weil die rückwirkende Umstellung nicht “auf Knopfdruck” erledigt werden könne. “Jeder Vertrag muss einzeln umgestellt werden. Das kann insgesamt einige Monate Zeit beanspruchen, was für die Betroffenen aber keine Nachteile bringt”, so Laue. “Die Unternehmen der privaten Kranken­versicherung werden alles daran setzen, die Regelung schnellstmöglich umzusetzen.”

150.000 Nichtzahler häufen Schuldenberg von 500 Millionen Euro an

Nach früheren Schätzungen des PKV-Verbandes gibt es mittlerweile über 150.000 PKV-Versicherte, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen können. Der finanzielle Schaden soll sich auf insgesamt über 500 Millionen Euro belaufen.

Neuer Tarif entlastet Bilanzen der PKV-Unternehmen

Bislang sind Verträge von säumigen Versicherten für ein Jahr ruhend gestellt worden, dann erfolgte die Umstellung in den Basistarif. Dies hatte “verheerenden Folgen” für die Bilanzen der PKV-Unternehmen, wie Gerd Güssler, Geschäftsführer des Informationsdienstleisters KVpro.de, erklärt: “Wer 300 Euro nicht zahlt, steht nicht mit 300 Euro als Forderung, sondern mit circa 600 Euro – den Kosten des Basistarifs – in den Bilanzen.”

Aus einem Nichtzahler habe das Gesetz bilanztechnisch zwei Nichtzahler gemacht, so Güssler. Den Krankenversicherungsexperten überrascht es daher nicht, dass sich die Versicherer für die Einführung des Notlagentarifs eingesetzt haben.

“Notlagentarif nur kurzfristig eine gute Lösung”

Im Gegensatz zu den Anbietern bewerten einige Branchenbeobachter den neuen Tarif mit deutlich gemischteren Gefühlen: “Dieser Notfalltarif mag kurzfristig gesehen eine gute Lösung sein, aber sobald größere Therapien oder Behandlungen anstehen, sieht sich der Versicherte erneut mit einer großen finanziellen Belastung konfrontiert”, kommentiert Ozan Sözeri, Gründer und Geschäftsführer des Verbraucherschutzportals Widge.de. (lk)

Fotos: Bundesrat, Debeka


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 07/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Income-Fonds  – Mr. Dax im Fonds-Gespräch – PKV - Ferienimmobilien - Recruiting

Ab dem 16. Juni im Handel.

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien

2 Comments

  1. jetzt wird mein Notfalltarif ab 1.4. wieder in den Basistarif zurückgeführt, da werden wieder € 701,- fällig,die ich mit € 750,. Rente nicht zahlen kann. Ist ein Verbleib im Notfalltarif möglich?

    Kommentar von Schwanthaler — 20. März 2014 @ 10:49

  2. Nun die beste Lösung ist es natürlich seine Krankenversicherung zu bezahlen und den vollen Schutz zu genießen.
    Sollte jemanden dies über einen längeren Zeitraum nicht möglich sein gibt es sowohl bei den gesetzlichen als auch bei den privaten Krankenversicherungen die Möglichkeit, dass das Amt diese Zahlungen übernimmt. in der PKV setzt dass den Wechsel in den Basistarif voraus, der die gleichen Leistungen wie die gesetzliche bietet. Es muss also niemand mehrere Jahre ohne Versicherungsschutz dastehen. Für kurzfristige Zahlungsschwierigkeiten ist der neue Tarif eine gute Lösung.

    Kommentar von Dirk Gärtner — 9. Juli 2013 @ 11:46

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Ergo-Auslandschef Messemer geht

Der nächste Ergo-Vorstand geht: Dr. Jochen Messemer (50) verlässt den Düsseldorfer Versicherer zum Jahresende. Messemer verantwortet im Vorstand der Ergo Group das internationale Geschäft. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

mehr ...

Immobilien

IVD: Deutschland als wirtschaftliche Lokomotive Europas noch attraktiver

IVD-Präsident Jürgen Michael Schick sieht durch das Brexit-Votum für ausländische Investoren einen preiswerteren Zugang zu britischen Immobilien.

mehr ...

Investmentfonds

“Der Brexit wird teuer für alle Steuerzahler!”

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschland e.V., Reiner Holznagel, und der Präsident der Taxpayers Association of Europe, Rolf von Hohenhau, zur Entscheidung der Briten für den Austritt aus der Europäischen Union.

mehr ...

Berater

Deutsche Bank dünnt Filialnetz aus und streicht 3.000 Stellen

Weniger Standorte, trotzdem mehr Beratung – so verkauft die Deutsche Bank die Einschnitte in ihrem Filialnetz. Nach langen Verhandlungen stehen erste Zahlen fest. Das Management hält den Sparkurs für alternativlos.

mehr ...

Sachwertanlagen

Praxistag Digitalisierung: Information und Austausch

Talonec Business Solutions und Xpecto laden zum Praxistag Digitalisierung am 6. Juli nach München ein. Vom wissenschaftlichen Ansatz bis zur digitalen Zeichnung sollen Möglichkeiten und Auswirkungen der Digitalisierung aufgezeigt und diskutiert werden.

mehr ...

Recht

BVG billigt EZB-Krisenkurs unter Auflagen

Mitten in der Eurokrise beruhigte die EZB mit einem weitreichenden Versprechen die Märkte. Nach jahrelangem Streit billigt Karlsruhe den riskanten Alleingang der Notenbank – aber nicht bedingungslos.

mehr ...