Anzeige
5. März 2014, 12:37
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Datenschutzkodex: Versicherer fürchten hohe Kosten

Die Mehrheit der Assekuranzen sieht mit dem neuen Datenschutzkodex des GDV große Herausforderungen auf sich zukommen, so eine  Studie des Beratungsunternehmens PPI. Demnach rechnen die Versicherer mit hohen Kosten und falschen Entscheidungen.

Datenschutz: Kodex ist Herausforderung für Versicherer

Mit dem neuen Datenschutzkodex will die Versicherungswirtschaft verlorenes Kundenvertrauen zurückgewinnen. Eine deutliche Mehrheit der Assekuranzen sieht dabei aber auch große finanzielle Herausforderungen auf sich zukommen.

Zwei Drittel der befragtenVersicherungsunternehmen schätzen der Studie zufolge das Risiko als hoch ein, dass die Kosten für den Datenschutzkodex aus dem Ruder laufen und Fehlinterpretationen der Regeln zu falschen Entscheidungen führen könnten.

Durch elf Leitsätze und 31 Artikel soll der “Code of Conduct Datenschutz” (CoC) des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) personenbezogene Daten bei der Erhebung, Verarbeitung, Speicherung und Nutzung schützen.

Der neue Datenschutzkodex berührt sämtliche Bereiche und Sparten der Versicherungsunternehmen. Alle Produkte, Dokumente, Prozesse, Schnittstellen, Vertriebswege und IT-Verfahren müssen hinsichtlich der freiwilligen Datenschutzauflage durchleuchtet werden.

“Wer den CoC Datenschutz unterschrieben hat, muss einen hohen Aufwand für die Umsetzung in Kauf nehmen, was einige Assekuranzen als große Herausforderung empfinden”, sagt Tobias Kohl, Studienleiter und Leiter Versicherungsbetrieb bei PPI.

Versicherer können Umsetzungsfrist nicht wahren

So schätzen der Studie zufolge 66 Prozent der CoC-Teilnehmer das Risiko hoch beziehungsweise sehr hoch ein, dass die Kosten für die CoC-Umsetzung höher ausfallen können als geplant. 64 Prozent befürchten zudem, dass eine falsche Auslegung der CoC-Richtlinien zu falschen Entscheidungen führt. Die Gefahr sei real, denn die neuen Regeln lassen Raum für Interpretationen, heißt es in der Studie.

“Führungskräfte müssen festlegen, ob eine automatische Produktauswahl im Vertriebssystem, bei der bestimmte Produkte gar nicht vorgeschlagen werden, bereits als automatisierte Entscheidung im Sinne des CoC gilt. Denn dann dürfen keine negativen Produktvorschläge für den Interessenten vorkommen”, so Versicherungsexperte Kohl.

Laut der Studie sehen 54 Prozent der Versicherer zudem die Gefahr, dass sie die Frist der CoC-Einführung nicht einhalten können. Innerhalb von zwei Jahren nach dem Beitrittsdatum müssen alle technischen Auflagen des CoC umgesetzt sein. 44 Prozent argwöhnen demnach, dass konkrete Umsetzungsmaßnahmen nicht richtig festgelegt werden. 42 Prozent gehen davon aus, dass die Akzeptanz bei den Mitarbeitern fehlt.

All diese Bedenken teilen vor allem Assekuranzen, die dem COC bereits beigetreten sind und damit einen realistischen Blick auf das Regelwerk haben,so die Studie. Insbesondere IT-Abteilungen schätzen demnach die Risiken der Umsetzung hoch ein im Vergleich zu den etwas optimistischer gestimmten Fachabteilungen.

Versicherer sollten Herausforderungen nicht unterschätzen

Auch Versicherer, die den CoC-Beitritt erst noch planen, zeigen sich der Studie zufolge derzeit noch sehr zuversichtlich. “Die Herausforderungen der CoC-Einführung sollten jedoch nicht unterschätzt werden”, warnt Kohl.

Insbesondere die Vielzahl und Anzahl der Sparten, Produkte und Dokumente innerhalb eines Versicherungsunternehmens erhöhen laut PIP den Aufwand der CoC-Einführung. Auch aufgrund der Heterogenität der IT-Landschaften erfordere der neue Datenschutzkodex zahlreiche Änderungen in den IT-Verfahren,heißt es in der Studie.

“Bei allen Herausforderungen sollten Versicherer stets an die Außensicht denken. Denn letztendlich wollen Kunden sich künftig darauf verlassen, dass die Abläufe ihres Versicherers regelkonform sind und ihr Bedürfnis nach Schutz der persönlichen Daten ernst genommen wird”,so Kohl. Das so gestärkte Kundenvertrauen sei ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für alle beigetretenen Assekuranzen.

Für die Studie “Code of Conduct Datenschutz Versicherungen” hat das Software- und Beratungshauses PPI imOktober 2013 Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen Compliance, Datenschutz, Marketing, Recht, Betriebsorganisation und IT von 60 Assekuranzen in Deutschland befragt. (jb)

Foto: Shutterstock

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Elternunterhalt: Betreuungsleistung nicht einkommensmindernd

Im Rahmen einer Überprüfung der Leistungsfähigkeit für den Elternunterhalt ist die vom Unterhaltsschuldner an sein minderjähriges Kind geleistete Betreuung nicht zu monetarisieren und kann somit nicht einkommensmindernd geltend gemacht werden, so der BGH.

mehr ...

Immobilien

Die Top Sechs der teuersten und günstigsten Studentenstädte

Nicht alle Studenten leben gerne in WGs, in einigen Hochschulstädten ist das Leben ohne Mitbewohner aber besonders teuer. Immowelt hat untersucht, wo Studenten am teuersten wohnen und in welchen Städten die Mieten besonders niedrig sind.

mehr ...

Investmentfonds

Banken leihen sich von EZB 233,5 Milliarden Euro

Die europäischen Kreditinstitute haben vorerst die letzte Gelegenheit sehr stark genutzt, um sich zum Nullzins Kredite von der EZB zu besorgen. Auch in der Eurozone verdichten sich mittlerweile die Anzeichen für einen strafferen Notenbankkurs.

mehr ...

Berater

Sparkassen im Norden forcieren Online-Banking

Trotz wachsender Belastungen durch die Niedrigzinsen haben die Sparkassen in Schleswig-Holstein 2016 ihren Jahresüberschuss nach Steuern auf 143,2 Millionen Euro steigern können. Das teilt der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein mit. Um sinkenden Erträgen entgegenzuwirken, wollen die Sparkassen ihr digitales Angebots ausbauen.

mehr ...

Sachwertanlagen

US-Justiz ermittelt gegen Hapag-Lloyd und Møller-Maersk

Sprechen die großen Reedereien im Hinterzimmer ihre Preise ab? US-Behörden haben eine Untersuchung gegen die Branche eingeleitet. Stellung nehmen soll auch der deutsche Container-Riese Hapag Lloyd.

mehr ...

Recht

LV-Vertrag: Bei Änderung Steuerlast wie bei Neuabschluss

Wird ein Lebensversicherungsvertrag (LV-Vertrag) vor Ablauf der Vertragslaufzeit geändert, ohne dass die Modifikation von vornherein vertraglich vereinbart worden ist, liegt hinsichtlich der Änderungen aus ertragsteuerlicher Perspektive ein neuer Vertrag vor. Dies entschied der Bundesfinanzhof.

mehr ...