29. April 2014, 08:20

MiFID II: Augenmaß ist gefordert

Ein gewaltiges Regelwerk soll die Finanzmärkte zähmen und den Anlegerschutz stärken. Warum das nur gelingen kann, wenn das europäische Gesetz bei der Umsetzung in nationales Recht nicht ausgehebelt wird.

Gastbeitrag von Dr. Herbert Walter, Unternehmensberater

MiFID

Herbert Walter: “Für den deutschen Markt hätte ein generelles Provisionsverbot nach
britischem Vorbild deutlich negative Folgen. Das liegt auch an der völlig anders
gestalteten Beratungslandschaft.”

Mitte Januar haben sich Europaparlament, EU-Kommission und Europäischer Rat grundsätzlich darauf geeinigt, die Finanzmärkte stärker an die Kandare zu nehmen. Herausgekommen ist dabei eine Weiterentwicklung der Finanzmarktrichtlinie MiFID, die “Markets in Financial Instruments Directive II” oder kurz “MiFID II“.

Dieses Werk gehört zu den wichtigsten regulatorischen Reaktionen der Politik auf die Finanzmarktkrise. Und: Die Richtlinie hat große Ziele. Europäische Anleger sollen besser vor falscher Beratung geschützt und ihre Rechte gestärkt werden.

Die Risiken von Finanzprodukten sollen künftig vor dem Verkauf an Kunden überprüft werden. Nicht nur bei den Produkten, auch im Vertrieb soll es mehr Preistransparenz geben, vorgeschrieben wird eine noch intensivere Dokumentation und möglichst alle Finanzinstrumente sollen über regulierte Märkte abgewickelt werden.

MiFID-Regulierung als Krisenschutz

Von der Politik wird MiFID II als “Mutter der europäischen Finanzmarktordnung” bejubelt. Markus Ferber, der Verhandlungsführer des EU-Parlaments, hat den Anspruch dieses Gesetzes klar formuliert: “Vom kleinen Sparer bis hin zu professionellen Börsengeschäften legt die Finanzmarktrichtlinie die Regeln des gesamten europäischen Wertpapier- und Kapitalhandels fest.”

Kein Finanzprodukt und kein Handelsplatz dürfe künftig mehr unreguliert bleiben. Man muss wirklich kein Fachmann sein, um zu erahnen, dass diese “Mutter” geradezu monströse Ausmaße haben wird und eine gewaltige Zahl von “Kindern” in Form von ergänzenden Gesetzen und Verordnungen “produzieren” wird.

Die wirklich wichtige und grundsätzliche Frage, ob denn regulatorische Maßnahmen tatsächlich Krisen verhindern können, wird in diesem Zusammenhang nicht gestellt, sondern schlicht unterstellt.

Akteure des Finanzmarktes sind gefragt

Wer die kontinuierlich zunehmende Häufung von Finanzmarktkrisen in den vergangenen hundert Jahren betrachtet, auf die die Politik hinterher stets zuverlässig mit härteren Regulierungen reagiert hat, kann da eine gewisse Skepsis nicht unterdrücken.

Aber Fakt ist eben auch, dass die Politik die Rahmenbedingungen unseres öffentlichen Lebens bestimmt und das geschieht nun mal in allererster Linie über Gesetze und Verordnungen. Insofern ist es müßig, über das Regulierungsmonster MiFID II zu lamentieren.

Seite zwei: Folgen eines Provisionsverbots

Weiter lesen: 1 2 3 4


Aktuelle Beiträge
Folgen Sie uns:
Aktuelle Beiträge aus dem Ressort Versicherungen


Topaktuelle Themen auf der Startseite


Cash.Aktuell

Cash. 06/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Aktiv versus passiv  –Versicherungen für Immobilien –Luftfahrtmarkt – Marktreport Anlageimmobilien


Ab dem 19. Mai im Handel.

Rendite+ 2/2016 "Altersvorsorge"

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds- und Indexpolicen – Dividendenfonds – Zinshäuser – Robo-Advisors


Ab dem 12. Mai im Handel.

Ihre Meinung

Mehr Cash.

Versicherungen

Gebührenordnung: Gröhe ruft Ärzte zum Ende des Streits auf

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat die Ärzteschaft am Dienstag auf dem 119. Deutschen Ärztetag in Hamburg zur Beendigung ihres Streits um eine neue Gebührenordnung aufgefordert.

mehr ...

Immobilien

Ferienimmobilienmarkt Rhodos: Steigende Anfragen ausländischer Käufer

Der Ferienimmobilienmarkt auf Rhodos befindet sich weiterhin im Aufschwung. Die Anfragen von internationalen Käufern nahmen laut dem Marktbericht von Engel & Völkers insbesondere im zweiten Halbjahr 2015 um rund 40 Prozent zu.

mehr ...

Investmentfonds

Deutsche Privatanleger missverstehen passive Investments

Was beschäftigt die Anleger, wie zufrieden sind sie, und welche Befürchtungen haben sie? Diesen und anderen Fragen geht Natixis Global Asset Management in seiner weltweiten Umfrage unter Privatanlegern für das Jahr 2016 nach.

mehr ...

Berater

Commerzbank will Synergien mit Online-Bank Comdirect ausloten

Die Commerzbank will die Stärken ihrer Online-Tochter Comdirect bei ihrem Konzernumbau künftig breiter nutzen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Publity-Fonds investiert in Duisburg

Der Publity Performance Fonds Nr. 6 hat das 4.500 Quadratmeter große Büroobjekt “Haus der Wirtschaftsförderung” in Duisburg erworben. Das Multi-Tenant-Objekt wurde von Stararchitekt Sir Norman Foster entworfen.

mehr ...

Recht

S&K-Prozess: Erstes Geständnis

Im Prozess um millionenschwere Betrügereien des Immobilienunternehmens S&K hat einer der sechs Angeklagten ein Geständnis abgelegt. Der 50-jährige ehemalige Geschäftsführer einer Fondsgesellschaft von S&K erklärte vor dem Frankfurter Landgericht, dass er Ungereimtheiten bei den Fonds ignoriert habe, um sein Gehalt nicht zu gefährden.

mehr ...