Anzeige
3. April 2014, 09:10
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Komplette Mitnahme der Altersrückstellungen kein zielführender Ansatz”

Cash. sprach mit drei Managern der Privaten Krankenversicherung (PKV) über die Vorteile des betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Portabilität der Altersrückstellungen und das immer wiederkehrende, leidige Thema Bürgerversicherung.

Brams-pkv in Komplette Mitnahme der Altersrückstellungen kein zielführender Ansatz

Alexander Brams, Nürnberger (im Vordergrund): “Die PKV lebt vom kollektiven Gedanken. So gesehen ist eine komplette Mitnahme der Altersrückstellungen nicht zielführend.”

Mit dem Wegfall der Steuerfreigrenze von 44 Euro zu Jahresbeginn ist der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) ein wichtiges Abschlussargument weggefallen. Ist das nicht problematisch?

Alexander Brams, Vorstand Nürnberger Krankenversicherung: Das wäre nur dann der Fall, wenn eine betriebliche Krankenversicherung allein unter dem Aspekt der steuerlichen Ersparnis verkauft wird. In der Argumentation des Vertriebs geht es aber vor allem darum, den qualitativen Mehrwert einer bKV-Lösung für den Arbeitgeber zu betonen, etwa eine verbesserte Bindung von Arbeitnehmern – insbesondere vor dem Hintergrund, dass qualifizierte Fachkräfte immer stärker gesucht werden. Wenn das entsprechende Tarifwerk vorhanden ist, dürften die Versicherer diesem Bereich auch in Zukunft überzeugen.

Michael Albrecht, Hauptabteilungsleiter Maklervertrieb, Barmenia Versicherungen und Geschäftsführer der Adcuri: Aber richtig ist auch, dass die Diskussion um die 44 Euro zu einer Verunsicherung in den Vertrieben geführt hat. Der Wegfall der steuerlichen Begünstigungen ist schlichtweg ein Unsicherheitsfaktor. Da sagt sich mancher Makler: An das Thema gehe ich nicht mehr ran.

Gleichwohl bleibt die bKV ein Zukunftsmarkt, denn viele Arbeitgeber sind der Meinung, dass die bAV für den Arbeitnehmer als “zu weit weg” empfunden wird. Dagegen bietet die bKV unmittelbare Vorteile – beispielsweise durch privatärztliche Behandlung und Einbettzimmer.

Lässt sich die Verunsicherung im Vertrieb auch in den Zahlen ablesen?

Udo Drexler, Geschäftsführer Consal Maklerservice (CMS): Eine Verunsicherung der Vertriebe haben wir bislang nicht gespürt. Es ist nachgewiesen, dass ein Unternehmen, das in die Gesundheitsversorgung der Mitarbeiter investiert, letztlich ein Mehrfaches der investierten Kosten spart, weil die krankheitsbedingten Ausfälle zurückgehen.

Zudem kann das Unternehmen auf einen Imagegewinn hoffen, wenn es ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufbaut und dadurch zeigt, dass es in seine Mitarbeiter investiert. Insofern ist das Thema der steuerlichen Absetzbarkeit eher zu vernachlässigen.

Welches Potenzial hat für Sie das betriebliche Gesundheitsmanagement?

Drexler: Ein großes! Wir werden das betriebliche Gesundheitsmanagement intensiv weiterentwickeln, um Arbeitgeber künftig auch von einer Gruppenversicherung mit einer individuellen bKV-Lösung zu überzeugen. Denn sie ist aus meiner Sicht der nächste logische Schritt.

Seite zwei: Unisex-Tarife überkalkuliert?

Weiter lesen: 1 2 3 4 5

Anzeige

2 Kommentare

  1. Die Beitragsteile der Altersrückstellungen sind losgelöst von den tatsächlich für die PKV zu zahlenden Beiträge zu betrachten. Sie werden nicht zur Begleichung von Krankheitskosten genutzt, sondern als „Sparbeiträge“ für in der Zukunft gelegene Gegebenheiten angelegt. Wenn ein Vertrag gekündigt wird, fällt die Berechtigung zum Einbehalt dieser Beträge weg. Wenn die „Altersrückstellungen“ dem Versicherten/Beitragszahler nicht mitgegeben werden, stellt dieses ein ungerechtfertigte Bereicherung (§ 821 BGB) durch das PKV-Unternehmen dar. Somit besteht ein gesetzlich geregelter Herausgabeanspruch. Wieso dieses verfassungsrechtlich bedenklich ist, erschließt sich mir nicht. Sollen hier evtl. nur die Pfründe gesichert werden?

    Kommentar von J. Cramer — 4. April 2014 @ 19:34

  2. Folgende Aussage kann ich nicht nachvollziehen:
    “So gesehen ist eine komplette Mitnahme der Altersrückstellungen sicherlich kein zielführender Ansatz. Das wäre ein Eingriff, der wohl auch verfassungsrechtlich nicht zulässig wäre.”
    Die Altersrückstellung hat doch der Versicherungsnehmer angespart. Also wird er bei einem Weggang enteignet. Ohne Gegenleistung!

    Kommentar von E. Daffne — 4. April 2014 @ 14:46

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Trumps Sieg in Rendite ummünzen - Themen, Produktangebote und Trends 2017 - Rentenreform - IDD

Ab dem 15. Dezember im Handel!

Cash. 12/2016

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Flaggschiff-Fonds – IDW S4-Standard – Crowdinvesting – Bankenwelt

Versicherungen

GDV: Senioren ab 75 sollen zum Fahrtest

Die Versicherer fordern, dass Autofahrer ab dem 75. Lebensjahr eine verpflichtende Kontrollfahrt absolvieren, um ihre Fahrtüchtigkeit testen zu lassen. “Die Unfallforschung der Versicherer wird in diesem Jahr Standards für eine solche Testfahrt entwickeln”, erklärte Siegfried Brockmann, Chef der Unfallforschung des GDV, in der “Westfalenpost”.

mehr ...

Immobilien

Baubranche fordert Ende des Vorschriften-Dschungels

Angesichts des Wohnungsmangels in vielen deutschen Städten hat die Baubranche eine Vereinheitlichung des Vorschriften-Dschungels der 16 Bundesländer gefordert.

mehr ...

Investmentfonds

Trump könnte Märkte enttäuschen

Von Donald Trump erwarten die Investoren derzeit viel. Allerdings könnte schon bald die Enttäuschung folgen. Die Lage ist keinesfalls entspannt. Gastkommentar von Karsten Junius, Bank J. Safra Sarasin AG

mehr ...

Berater

Patrizia offeriert digitale Zeichnung von Immobilienfonds

Die Platzierungspartner der Patrizia GrundInvest können ab sofort das Portal eDirektzeichnung zur Erweiterung ihres Online-Angebots für Sachwerte nutzen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Marke Brenneisen Capital wird veräußert

Manfred Brenneisen, Chef der Brenneisen Capital mit Sitz in Wiesloch, veräußert den Geschäftsbereich Spezialvertrieb für Sachwertanlagen samt Markennamen. Die persönliche Kontinuität für die Geschäftspartner soll gewahrt bleiben.

mehr ...

Recht

Privathaftpflicht: “Billigkeit” kein Anspruchsgrund für Schadensersatz

Die Privathaftpflichtversicherung dient, im Gegensatz zur Pflichtversicherung, dem Schutz des Versicherten. Ein Schadensersatzanspruch besteht somit nur dann, wenn die gesamten Umstände des Falles eine Haftung des schuldlosen Schädigers aus Billigkeitsgründen geradezu erfordern.

mehr ...