Anzeige
Anzeige
24. März 2014, 08:40
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

LV-Rettung zu Lasten der Beratungsqualität

Das Finanzministerium arbeitet an einem Gesetzesentwurf, das den Lebensversicherern unter die Arme greifen soll. Mit dem geplanten Provisionsdeckel bietet der Gesetzgeber Produktanbietern eine Plattform, um sich zu Lasten der auf dem Markt der Vermittlungsleistungen tätigen Anbieterunternehmen abzusprechen.

Jürgen Evers, Kanzlei Blanke Meier Evers Rechtsanwälte

Provisionen

“Es muss sich auswirken, wenn die Abschlussvergütungen in der Spitze sogar halbiert werden. Vermittler werden den Beratungsaufwand drastisch beschränken müssen.”

Im Herbst vergangenen Jahres waren die Pläne zur Begrenzung der Abschlusskosten im Bereich der Lebensversicherung infolge der zähen Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl zunächst vom Tisch.

Eingekleidet in ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Rettung der deutschen Lebensversicherung haben die Bestrebungen nunmehr erneut an Fahrt aufgenommen. Das Finanzministerium arbeitet zwischenzeitlich fieberhaft an einem Gesetzesentwurf.

Kern des Pakets: Begrenzung der Vermittlerprovisionen

Damit soll den durch die anhaltende Niedrigzinsphase unter Druck geratenen Lebensversicherern unter die Arme gegriffen werden. Angestrebt ist eine langfristige und umfassende Stabilisierung des Lebensversicherungsgeschäfts. Nur vordergründig geht es aber um die Bewertungsreserven, die die Lebensversicherer zur Hälfte an die Kunden auszuschütten verpflichtet sind. Im Kern des Pakets steht die Begrenzung der Vermittlerprovisionen.

Mit der Durchsetzung des Wunsches der Lebensversicherer, die erstjährigen Vergütungen für den Abschluss der Lebensversicherungen zu maximieren, bietet der Gesetzgeber erneut eine Plattform, auf der sich Produktanbieter zu Lasten der auf dem Markt der Vermittlungsleistungen tätigen Anbieterunternehmen absprechen.

In der Tat sind die Versicherer auch auf den Gesetzgeber angewiesen, um die Provisionsdeckelung durchzusetzen, wollen sie sich doch nicht dem Vorwurf auszusetzen, kartellrechtswidrige Branchenabsprachen zu treffen.

Ausuferung der Haftungszeit weder überschaubar noch handhabbar

Zur Diskussion steht eine Kappung der Abschlussvergütungen auf 3,0 – 3,5 Prozent der sich aus der Summe der über die Laufzeit der Versicherung zu zahlenden Prämien errechnenden so genannten Wertungssumme einer Lebensversicherung.

Treffen würde die Deckelung vor allem Pools und Finanzvertriebe, deren Provisionen zwischen fünf und sechs Prozent liegen. Offen ist gegenwärtig, ob die Provisionsdeckelung mit einer weiteren Verlängerung der so genannten Stornohaftungszeiten von derzeit 60 auf möglicherweise 120 Monate einhergehen wird. Eine solche Ausuferung der Haftungszeit ist weder überschaubar noch handhabbar.

Überdies erscheint sie zu dem Zweck der Vermeidung von Umdeckungen auch keinesfalls geboten. Maßgeblich hierfür ist der Umstand, dass die Rechtsprechung dem Vermittler in Fällen der Umdeckung von Personenversicherungen auferlegt, dem Kunden die Vor- und Nachteile des bestehenden und des in Aussicht genommenen Versicherungsschutzes einschließlich der kündigungs- und abschlussbedingten Verluste übersichtlich gleichsam in der Form eines Adenauer-Kreuzes vor Augen zu führen.

Verbraucher durch die gesetzliche Vermittlerhaftung geschützt

Daher ist eine Umdeckung schon jetzt auf wenige Fallgestaltungen beschränkt, weil die Garantieverzinsung der Altverträge und die mit dem Neuabschluss verursachten Kosten die Ersetzung einer Lebensversicherung durch einen Neuabschluss im Regelfall zu einem haftungsträchtigen Unterfangen macht. Der Verbraucher ist also hinreichend durch die gesetzliche Vermittlerhaftung geschützt.

In jedem Fall würde die Erstreckung der Stornohaftzeiten dazu führen, dass ein Vermittler noch höhere Rücklagen bilden muss, um mögliche Rückprovisionsforderungen der Versicherer bedienen zu können.

Seite zwei: Provisionseinbehalt auf mindestens 20 Prozent angehoben

Weiter lesen: 1 2 3 4

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 4/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Tech-Aktien – Fondspolicen – Baufinanzierung – Frauen in der Finanzberatung

Ab dem 16. März im Handel.

Cash. 3/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Pflegevorsorge - Small Caps - Zinshäuser - Digitalisierung - Honorarberatung - Leadsgewinnung - Nachfolge-Planung

Versicherungen

Viele Bundesbürger befürchten Geldprobleme im Alter

Mehr als ein Drittel der Bundesbürger zwischen 40 und 55 Jahren geht von einer schlechten eigenen Finanzlage im Alter von 75 Jahren aus, wie aus einer Studie des Sinus-Institutes im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervorgeht.

mehr ...

Immobilien

Wohnungsbau in Berlin zieht deutlich an

Der Wohnungsbau in Berlin kommt weiter in Schwung. Im vergangenen Jahr genehmigten die Behörden 25.063 neue Wohnungen, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Montag mitteilte. Das ist die höchste Zahl seit 1997.

mehr ...

Investmentfonds

Brasilien bietet ausgezeichnete Reformdynamik

In den vergangenen Jahren war das Image von Brasilien bei Anlegern deutlich angekratzt. Allerdings hat sich in dem bevölkerungsreichsten Land viel bewegt, so dass die Situation neu bewertet werden muss. Gastkommentar von Maarten-Jan Bakkum, NN Investment Partners

mehr ...

Berater

Indexpolicen: Einstieg in die “Kapitalmarkt-Denke”?

Seit geraumer Zeit wird in der Assekuranz die Frage diskutiert, ob Kunden über den Zwischenschritt Indexpolicen eher bereit sind, den Schritt in die Welt der rein fondsgebundenen Lösungen zu wagen. Doch viele Versicherer sind skeptisch, ob dies der richtige Weg ist.

mehr ...

Sachwertanlagen

Die Sachwertbranche lebt noch

Zwei Veranstaltungen in der vergangenen Woche belegen eine Belebung der Sachwertbranche, ließen aber auch Fragen offen. Antworten gibt es vielleicht auf einem weiteren Event an diesem Mittwoch. Der Löwer-Kommentar

mehr ...
24.03.2017

Lacuna goes Canada

Recht

Elternunterhalt: Betreuungsleistung nicht einkommensmindernd

Im Rahmen einer Überprüfung der Leistungsfähigkeit für den Elternunterhalt ist die vom Unterhaltsschuldner an sein minderjähriges Kind geleistete Betreuung nicht zu monetarisieren und kann somit nicht einkommensmindernd geltend gemacht werden, so der BGH.

mehr ...